Geldentscheid

Rebalancing erklärt: Wann und wie ein Portfolio wieder ins Gleichgewicht gebracht wird

Rebalancing bedeutet, ein Depot von Zeit zu Zeit auf die Aufteilung zurückzuführen, die Sie sich einmal vorgenommen haben, zum Beispiel 70 Prozent Aktien-ETF und 30 Prozent Tagesgeld. Nötig wird das, weil sich die Bausteine unterschiedlich entwickeln: Nach einigen guten Börsenjahren steckt in Ihrem Depot mehr Aktienrisiko, als Sie eingehen wollten, nach einem Crash weniger.

Unser Urteil vorweg: Rebalancing ist ein Werkzeug gegen schleichend wachsendes Risiko, keine Renditequelle. Wer einen Aktien-ETF mit einem sicheren Baustein mischt, sollte die Aufteilung einmal im Jahr prüfen, kleine Abweichungen ignorieren und größere zuerst über die Sparrate ausgleichen. Verkaufen muss man erst, wenn sich die Gewichte deutlich verschoben haben, und dann kostet nicht die Ordergebühr das meiste Geld, sondern die Steuer. Wer dagegen nur einen einzigen weltweit gestreuten Aktien-ETF bespart, braucht kein Rebalancing: In seinem Depot gibt es nichts, was aus dem Gleichgewicht geraten könnte.

Was ist Rebalancing?

Rebalancing, auf Deutsch Neugewichtung, ist die Rückführung eines Depots auf seine Zielaufteilung zwischen Anlageklassen wie Aktien und sicheren Anlagen. Dafür verkaufen Sie übergewichtete Bausteine und kaufen untergewichtete nach oder steuern neue Einzahlungen entsprechend, damit das Depot so riskant bleibt, wie Sie es geplant haben.

Ausgangspunkt ist immer die Zielaufteilung, in der Fachsprache Asset Allocation genannt. Sie legt fest, welcher Teil Ihres Anlagevermögens in Aktien steckt und welcher in sicheren Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder Anleihen. Diese Entscheidung bestimmt das Risiko Ihres Depots stärker als die Wahl des einzelnen Fonds, und sie sollte zu Ihrem Anlagehorizont und zu den Verlusten passen, die Sie aushalten können. Wie Sie Ihre Aufteilung finden, beschreiben wir im Ratgeber Investieren für Anfänger.

Von allein hält diese Aufteilung allerdings nicht. Das zeigt das Depot einer Anlegerin, das wir in diesem Ratgeber durchrechnen: Sie hat sich vor einigen Jahren für 70 Prozent Aktien-ETF und 30 Prozent Tagesgeld entschieden und ihre Sparrate stets in diesem Verhältnis aufgeteilt. Nach mehreren guten Börsenjahren liegen heute 92.000 Euro im ETF und 28.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto. Von den 120.000 Euro stecken damit 76,7 Prozent in Aktien, 6,7 Prozentpunkte mehr als geplant. Um zur Zielaufteilung zurückzukehren, müsste der ETF-Anteil 84.000 Euro betragen und das Tagesgeld 36.000 Euro. Ihre eigenen Zahlen können Sie mit unserem Rebalancing-Rechner durchrechnen.

Mit Market Timing hat Rebalancing nichts zu tun. Sie verkaufen Aktien nicht, weil Sie einen Kursrückgang erwarten, sondern weil eine vorher festgelegte Regel es verlangt, und Sie kaufen nach einem Einbruch nach, ohne zu wissen, ob der Tiefpunkt schon erreicht ist. Eine Prognose braucht das Verfahren nicht, und darin liegt seine Stärke.

Index-Rebalancing: Was Ihr ETF selbst erledigt

Wer nach „MSCI World Rebalancing“ sucht, stößt auf ein anderes Thema. Auch die Anbieter von Börsenindizes passen ihre Indizes regelmäßig an, beim MSCI World und den anderen großen MSCI-Indizes vierteljährlich in den Monaten Februar, Mai, August und November. Unternehmen werden aufgenommen oder gestrichen, Gewichte werden angepasst. Ihr ETF vollzieht diese Änderungen automatisch nach; Sie müssen dafür nichts tun, und Steuern fallen für Sie dadurch nicht an. Mit dem Rebalancing Ihres eigenen Depots hat dieser Vorgang nur den Namen gemeinsam. Ein nach Börsenwert gewichteter Index hat keine festen Zielgewichte, die wiederhergestellt werden müssten; er lässt die Gewinner wachsen.

Warum Rebalancing wichtig ist

Weil Aktien auf lange Sicht mehr Rendite erwarten lassen als sichere Anlagen, wächst ihr Anteil in einem gemischten Depot, das man sich selbst überlässt, über die Jahre fast zwangsläufig. Wie weit das gehen kann, zeigt eine Studie der Fondsgesellschaft Vanguard aus dem Jahr 2010 mit amerikanischen Börsendaten von 1926 bis 2009: Ein Depot, das mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen startete und nie angepasst wurde, bestand im Durchschnitt des Zeitraums zu 84 Prozent aus Aktien. Seine Volatilität, also die Schwankung der Jahresrenditen, lag mit 14,4 Prozent deutlich über den 11,9 Prozent eines jährlich rebalancierten Depots. Aus einer ausgewogenen Anlage war schleichend eine Aktienanlage geworden.

Was das im Ernstfall bedeutet, zeigt unser Beispieldepot. Fallen die Aktienkurse um 40 Prozent, verliert die Anlegerin mit ihrer abgedrifteten Aufteilung 36.800 Euro, knapp 31 Prozent ihres Vermögens. Mit der geplanten Aufteilung von 70 zu 30 wären es 33.600 Euro oder 28 Prozent gewesen. Der Unterschied von gut 3.000 Euro wirkt überschaubar. Er wächst aber mit jedem weiteren guten Börsenjahr, und er trifft Anleger in genau dem Moment, in dem sich zeigt, ob sie ihre Risikobereitschaft richtig eingeschätzt haben. Wer seine Aufteilung so gewählt hat, dass er ein Minus von 28 Prozent gerade noch erträgt, verkauft bei einem noch höheren Verlust womöglich in Panik, und das gehört zu den teuersten Fehlern, die Anleger machen können.

Rebalancing wirkt außerdem wie eine Selbstverpflichtung. Die Regel zwingt Sie, nach einem Boom Gewinne mitzunehmen und nach einem Absturz Aktien nachzukaufen, also das Gegenteil dessen zu tun, wozu die Stimmung an der Börse gerade verleitet.

Kritiker halten Rebalancing allerdings für die meisten Privatanleger für überflüssig: Wer mit Aktien viel gewonnen habe, könne einen Rückschlag leichter verkraften, und mit jedem Verkauf verschenke er Wertsteigerungspotenzial. Das erste Argument hat einen wahren Kern, das zweite beschreibt den Preis, den man für ein kontrolliertes Risiko zahlt. Daraus folgt eher, dass Sie Ihre Zielaufteilung gelegentlich bewusst überprüfen sollten. Trauen Sie sich nach einigen guten Jahren eine höhere Aktienquote zu, können Sie sie neu festlegen. Wir halten das für vernünftiger, als die Entscheidung dem Zufall der Kursentwicklung zu überlassen.

Wer kein Rebalancing braucht

Besteht Ihr Depot aus einem einzigen weltweit gestreuten Aktien-ETF, gibt es nichts auszugleichen; wie Länder und Unternehmen darin gewichtet sind, bestimmt der Index. Den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto rechnen Sie nicht mit, denn er ist Ihre Reserve für unvorhergesehene Ausgaben und gehört nicht zur Geldanlage. Zum Thema wird Rebalancing erst, wenn Sie bewusst einen Teil Ihres Anlagevermögens sicher anlegen, um das Risiko zu begrenzen, oder mehrere Aktien-ETFs in festen Anteilen kombinieren. Auch Anleger mit einem Mischfonds oder einem Robo-Advisor müssen sich nicht selbst darum kümmern, denn dort übernimmt der Anbieter die Aufgabe.

Bringt Rebalancing mehr Rendite?

Viele Ratgeber versprechen es, und die Begründung klingt einleuchtend: Wer regelmäßig teuer verkauft und billig nachkauft, müsse am Ende vorn liegen. Für die typische Mischung aus Aktien und sicheren Anlagen geben die Daten das nicht her.

Vorgehen bei 60 % Aktien und 40 % Anleihen Rendite pro Jahr Volatilität pro Jahr Aktienanteil im Schnitt Umschichtungen in 84 Jahren
monatlich rebalanciert 8,5 % 12,1 % 60,1 % 1.008
jährlich rebalanciert 8,6 % 11,9 % 60,5 % 83
jährlich geprüft, umgeschichtet nur ab 5 Prozentpunkten Abweichung 8,6 % 11,8 % 60,7 % 28
nie rebalanciert 9,1 % 14,4 % 84,1 % 0

Quelle: Vanguard Research, „Best practices for portfolio rebalancing“ (2010, Nachdruck im AAII Journal), Abbildungen 6 und 7; US-Aktien und US-Anleihen von 1926 bis 2009, in US-Dollar, vor Kosten und Steuern.

Das nie angepasste Depot hat am meisten verdient, weil es die meiste Zeit deutlich mehr Aktien enthielt. Diese Mehrrendite ist der Lohn für ein höheres Risiko, nicht für eine klügere Strategie. Die Autoren der Studie halten entsprechend fest, dass es beim Rebalancing in erster Linie darum geht, das Risiko an der Zielaufteilung auszurichten, und nicht darum, die Rendite zu maximieren. Zwischen Aktien und sicheren Anlagen kostet Rebalancing auf lange Sicht also eher etwas Rendite. Das ist der Preis für ein Depot, das so riskant bleibt, wie Sie es wollen.

Anders kann es zwischen Anlagen aussehen, die ähnlich viel Ertrag erwarten lassen, stark schwanken und sich nicht im Gleichschritt bewegen, etwa zwischen den Aktienmärkten verschiedener Regionen. Dort kann Rebalancing einen kleinen Zusatzertrag abwerfen, den der amerikanische Finanzautor William Bernstein schon 1996 als „Rebalancing-Bonus“ beschrieben hat. Garantiert ist dieser Bonus nicht, und mit der Aufteilung zwischen Aktien-ETF und Tagesgeld hat er wenig zu tun. Ob Rebalancing im Einzelfall nützt oder schadet, hängt ohnehin vom Verlauf der Kurse ab: Schwanken die Märkte hin und her, liegt das rebalancierte Depot vorn; steigen Aktien über viele Jahre fast ohne Unterbrechung, fällt es zurück.

Wer rebalanciert, um mehr Rendite zu erzielen, wird deshalb meist enttäuscht. Wer damit sein Risiko im Griff behalten will, bekommt genau das.

Wann Sie handeln sollten: Termin und Schwelle

Zwei Dinge sollten Sie einmal festlegen und danach nicht bei jeder Börsennachricht wieder infrage stellen: wie oft Sie Ihr Depot prüfen und ab welcher Abweichung Sie eingreifen.

Wie oft?

Einmal im Jahr genügt. In der Vanguard-Studie unterschieden sich monatliches und jährliches Rebalancing bei Rendite und Schwankung kaum, das monatliche Verfahren verursachte aber zwölfmal so viele Umschichtungen. Eine neuere Auswertung derselben Fondsgesellschaft aus dem Jahr 2022 kommt sogar zu dem Ergebnis, dass ein jährlicher Rhythmus für Anleger am besten abschneidet, die keine steuerlich motivierten Verlustverkäufe betreiben und sich nicht eng an einen Vergleichsindex halten müssen, also für die allermeisten Privatanleger. Die Stiftung Warentest rät für ihr Pantoffel-Portfolio zwar, monatlich oder mehrmals im Jahr nachzusehen. Viel bringt das nach den Vanguard-Daten nicht: Ob monatlich, vierteljährlich oder jährlich geprüft wurde, die Ergebnisse lagen bei gleicher Schwelle dicht beieinander. Häufigere Kontrollen verleiten vor allem dazu, auf kurzfristige Kursbewegungen zu reagieren.

Prüfen heißt dabei nicht automatisch umschichten. Wer einmal im Jahr kontrolliert und erst ab einer Abweichung von 5 Prozentpunkten handelt, hätte in den 84 Jahren der Studie nur 28-mal eingreifen müssen, also etwa in jedem dritten Jahr. Den Termin wählen Sie nach praktischen Gesichtspunkten. Wir empfehlen den Spätherbst: Dann wissen Sie, wie viel vom Sparerpauschbetrag des laufenden Jahres noch frei ist, und können einen nötigen Verkauf notfalls auf Dezember und Januar verteilen.

Ab welcher Abweichung?

Viele Ratgeber nennen „5 Prozent“ als Schwelle, ohne zu sagen, was gemeint ist. Wir rechnen in Prozentpunkten, also mit dem Abstand zwischen tatsächlicher Quote und Zielquote: Bei einem Ziel von 70 Prozent Aktien und 5 Prozentpunkten Spielraum liegen die Grenzen bei 65 und 75 Prozent. Eine Abweichung von 5 Prozent wäre etwas anderes, nämlich 5 Prozent von 70, also nur 3,5 Prozentpunkte.

Bei der Höhe der Schwelle gehen die Empfehlungen auseinander. Viele Ratgeber und Verbraucherportale nennen 5 Prozentpunkte, die Stiftung Warentest ist großzügiger.

Empfehlung Schwelle Bei einem Ziel von 70 % Aktien umschichten, wenn der Aktienanteil …
Vanguard-Studie (2010) 5 Prozentpunkte, bei jährlicher oder halbjährlicher Prüfung unter 65 % fällt oder über 75 % steigt
Stiftung Warentest (Pantoffel-Portfolio) mehr als 10 Prozentpunkte, bei Prüfung monatlich oder mehrmals im Jahr unter 60 % fällt oder über 80 % steigt

Beide Schwellen lassen sich begründen. Eine enge Grenze hält das Risiko nahe am Ziel, löst aber häufiger Verkäufe und damit Steuern aus. Eine weite Grenze spart Umschichtungen, lässt das Depot aber weiter abdriften. In der Vanguard-Studie hätte eine Schwelle von 10 statt 5 Prozentpunkten bei jährlicher Prüfung die Zahl der Eingriffe von 28 auf 15 gesenkt; der Aktienanteil lag dafür im Schnitt bei 63 statt 61 Prozent. Für unsere Beispielanlegerin hieße die weite Grenze: Mit 80 Prozent Aktien würde sie bei einem Kurssturz von 40 Prozent ein knappes Drittel ihres Vermögens verlieren, mit 70 Prozent wären es 28 Prozent.

Unsere Regel in drei Stufen

Wir verbinden beide Ansätze, weil es nicht gleichgültig ist, auf welchem Weg Sie ausgleichen. Neues Geld umzulenken kostet nichts, ein Verkauf dagegen häufig Steuern. Es lohnt sich deshalb, früh mit der kostenlosen Methode zu beginnen und die teure für größere Abweichungen aufzuheben.

Abweichung von der Zielquote Was Sie tun
unter 5 Prozentpunkte nichts; solche Schwankungen sind normal
5 bis 10 Prozentpunkte über die Sparrate oder mit frischem Geld ausgleichen, nichts verkaufen
mehr als 10 Prozentpunkte, oder die Sparrate bräuchte länger als etwa zwei Jahre einen Teil umschichten, möglichst steuerschonend

Eine Ausnahme gibt es: Liegt der Aktienanteil unter dem Ziel und ist Ihr sicherer Baustein ein Tagesgeldkonto, kostet das Umschichten keine Steuer. Dann können Sie schon ab 5 Prozentpunkten Abweichung direkt nachkaufen.

Für unsere Beispielanlegerin, deren Aktienanteil 6,7 Prozentpunkte über dem Ziel liegt, heißt das: Sie verkauft nichts und lenkt stattdessen ihre Sparrate um. Ob sie damit schnell genug ans Ziel kommt, lässt sich leicht ausrechnen.

So bringen Sie Ihr ETF-Depot zurück ins Gleichgewicht

Es gibt drei Wege zurück zur Zielaufteilung. Wir empfehlen sie in dieser Reihenfolge, weil die ersten beiden ohne Verkauf auskommen.

Über die Sparrate

Beim sogenannten Cashflow-Rebalancing fließt neues Geld so lange vollständig in den untergewichteten Baustein, bis die Zielquote wieder erreicht ist. Unsere Beispielanlegerin spart 800 Euro im Monat. Sie setzt ihren ETF-Sparplan aus und überweist den Betrag stattdessen aufs Tagesgeldkonto. Wer es weniger eilig hat, kann die Sparrate auch nur teilweise umlenken.

Wie lange der Ausgleich dauert, lässt sich mit einer Faustformel abschätzen: Teilen Sie den Betrag, den Sie sonst verkaufen müssten, durch das Produkt aus Sparrate und Zielquote des übergewichteten Bausteins. Für die Anlegerin sind das 8.000 Euro geteilt durch 560 Euro (800 Euro mal 0,7), also gut 14 Monate. Der Faktor 0,7 berücksichtigt, dass jede Einzahlung auch das Gesamtvermögen vergrößert und damit den Sollbetrag auf dem Tagesgeldkonto ein Stück mit anhebt. Kursbewegungen in der Zwischenzeit verschieben die Rechnung; prüfen Sie den Stand deshalb nach einigen Monaten erneut.

Gut 14 Monate liegen innerhalb unserer Grenze von etwa zwei Jahren, ein Verkauf ist also nicht nötig. Das Beispiel zeigt aber auch die Schwäche der Methode: Je größer das Depot im Verhältnis zur Sparrate, desto länger dauert der Ausgleich. Hätte die Anlegerin bei derselben Aufteilung nur 24.000 Euro angelegt, läge die Lücke bei lediglich 1.600 Euro, und eine Sparrate von 450 Euro hätte sie in gut fünf Monaten geschlossen. In den ersten Jahren des Vermögensaufbaus erledigt der Sparplan das Rebalancing deshalb fast nebenbei, später reicht er oft nicht mehr aus. Wie Sie einen Sparplan ändern oder aussetzen, erklärt der Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.

Mit frischem Geld

Eine Steuererstattung, ein Bonus oder eine Erbschaft lassen sich ebenso nutzen. Hier lohnt es sich, genau zu rechnen, denn der naheliegende Ansatz geht nicht auf. Zahlt die Anlegerin die 8.000 Euro aufs Tagesgeldkonto, die sie sonst verkaufen müsste, liegt ihre Aktienquote danach bei 71,9 Prozent und nicht bei 70, weil das Depot durch die Einzahlung wächst. Richtig ist diese Rechnung: Wert des übergewichteten Bausteins geteilt durch seine Zielquote, minus heutiger Depotwert. Für die Anlegerin sind das 92.000 Euro geteilt durch 0,7, also rund 131.430 Euro, abzüglich 120.000 Euro. Mit gut 11.400 Euro zusätzlich auf dem Tagesgeldkonto wäre die Zielaufteilung wiederhergestellt, ohne dass sie einen einzigen ETF-Anteil verkaufen müsste.

Durch Umschichten

Angenommen, die Anlegerin könnte vorübergehend nichts sparen. Dann müsste sie einen Teil des übergewichteten Bausteins verkaufen und den Erlös im untergewichteten anlegen. Der Verkaufsbetrag ergibt sich aus dem heutigen Wert des Bausteins minus Zielquote mal Depotwert, bei ihr also aus 92.000 Euro minus 84.000 Euro: 8.000 Euro. Ist der sichere Baustein ein Tagesgeldkonto, landet der Erlös zunächst auf dem Verrechnungskonto des Depots, und Sie überweisen ihn von dort. In der Gegenrichtung, nach einem Kursrückgang, überweisen Sie vom Tagesgeld aufs Verrechnungskonto und kaufen dann ETF-Anteile. Planen Sie für beides ein paar Tage ein.

Schritt für Schritt

  1. Termin festlegen. Einmal im Jahr, am besten immer zur selben Zeit, etwa Ende November. Tragen Sie ihn in den Kalender ein.
  2. Werte zusammentragen. Notieren Sie den aktuellen Wert jedes Bausteins, der zu Ihrer Anlagestrategie gehört, also auch den des Tagesgelds, das Sie als sicheren Teil führen. Den Notgroschen lassen Sie weg.
  3. Quote berechnen. Teilen Sie den Wert des Aktienteils durch den Gesamtwert und vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrer Zielquote. Die Differenz in Prozentpunkten ist Ihre Abweichung.
  4. Stufe bestimmen. Unter 5 Prozentpunkten Abweichung sind Sie fertig. Darüber entscheiden Sie anhand unserer Regel, ob Sparrate, frisches Geld oder ein Teilverkauf infrage kommt.
  5. Beträge ausrechnen. Unser Rebalancing-Rechner zeigt Ihnen, wie viel Sie in welchem Baustein kaufen oder verkaufen müssen.
  6. Umsetzen und vormerken. Ändern Sie Sparplan und Dauerauftrag oder geben Sie die Order auf. Haben Sie die Sparrate umgelenkt, notieren Sie sich, wann Sie sie zurückstellen müssen.

Was Rebalancing kostet

Ordergebühren und Spread

Bei einem günstigen Online-Broker kostet eine Order oft nur einen Euro, manche verlangen ab einem bestimmten Ordervolumen gar nichts. Filialbanken berechnen häufig einen Prozentsatz des Ordervolumens mit einer Mindestgebühr; bei 0,25 Prozent und mindestens 25 Euro würde der Verkauf von 8.000 Euro 25 Euro kosten. Hinzu kommt der Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei großen ETFs ist er während der Haupthandelszeit gering und macht bei 8.000 Euro meist nur wenige Euro aus.

Die verbreitete Empfehlung, Rebalancing lohne sich erst ab einem Depotwert von etwa 20.000 Euro, wird mit Ordergebühren begründet. Bei Brokern, die einen Euro oder nichts verlangen, trägt dieses Argument nicht mehr, und kleine Depots gleichen Sie ohnehin am besten über die Sparrate aus, was gar nichts kostet. Wer noch bei einer teuren Bank ist, hat ein Kostenproblem, das weit über das Rebalancing hinausgeht. Depots mit günstigen Orders und kostenlosen Sparplänen finden Sie in unserem Broker-Vergleich, die Kostenarten im Einzelnen erklärt der Ratgeber Kosten der Geldanlage.

Steuern beim Umschichten von ETFs

Der größte Kostenfaktor beim Rebalancing ist die Steuer. Verkaufen Sie ETF-Anteile mit Gewinn, behält Ihre Bank darauf Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag ein, zusammen 26,375 Prozent, bei Kirchenmitgliedern kommt Kirchensteuer hinzu. Bei Aktien-ETFs bleiben dank der Teilfreistellung 30 Prozent des Gewinns steuerfrei. Welche Anteile eines ETFs als verkauft gelten, können Sie innerhalb eines Depots nicht wählen: Nach dem Fifo-Prinzip sind es immer die ältesten, und die haben meist den größten Gewinn angesammelt. Ein Beispiel dazu finden Sie im Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.

Nehmen wir an, in den 8.000 Euro, die unsere Anlegerin verkaufen würde, stecken 3.200 Euro Gewinn, bereits versteuerte Vorabpauschalen abgezogen. Nach der Teilfreistellung sind davon 2.240 Euro steuerpflichtig. Was sie am Ende zahlt, hängt vor allem vom Sparerpauschbetrag ab, der Kapitalerträge bis 1.000 Euro im Jahr steuerfrei stellt, bei zusammen veranlagten Ehepaaren bis 2.000 Euro.

Situation Steuer auf den Verkauf
Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft 590,80 €
1.000 € Sparerpauschbetrag noch frei 327,05 €
Verkauf je zur Hälfte im Dezember und im Januar, beide Male 1.000 € frei (eher bei kleineren Depots) 63,30 €
Ausgleich über Sparrate oder frisches Geld 0 €

Rechenbeispiel: Verkauf von Aktien-ETF-Anteilen für 8.000 € mit 3.200 € Gewinn, 30 % Teilfreistellung, 26,375 % Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer.

Bei einem Depot dieser Größe ist die erste Zeile allerdings die wahrscheinlichste. Für thesaurierende ETFs fällt in Jahren mit ausreichendem Wertzuwachs eine Vorabpauschale an. Mit dem Basiszins von 2026 verbraucht sie, wenn sie Anfang 2027 abgerechnet wird, den Sparerpauschbetrag schon ab einem ETF-Bestand von rund 63.800 Euro vollständig. Hinzu kommen die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto, die bei 28.000 Euro schnell mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen. Bei 92.000 Euro im ETF bleibt vom Freibetrag deshalb nichts übrig, und jeder Rebalancing-Gewinn wird voll besteuert. Wie die Vorabpauschale berechnet wird, erklärt der Ratgeber ETF für Anfänger.

Ganz verloren ist dieses Geld allerdings nicht: Den Gewinn müssten Sie auch bei einem späteren Verkauf versteuern, durch das Rebalancing zahlen Sie nur früher. Der Nachteil liegt darin, dass das vorzeitig gezahlte Geld nicht mehr im Depot arbeitet. Deshalb ist jeder Ausgleich ohne Verkauf bares Geld wert.

So halten Sie die Steuer klein

Zuerst umlenken, dann verkaufen. Die Reihenfolge unserer Regel ist zugleich die wirksamste Steuerstrategie. Jeder Euro, den Sie über die Sparrate oder frisches Geld ausgleichen, muss nicht verkauft werden.

Nur so viel verkaufen wie nötig. Sie müssen nicht exakt auf die Zielquote zurück. Schichtet die Anlegerin nur bis auf 72 statt auf 70 Prozent Aktien um, genügt ein Verkauf von 5.600 Euro. Bei gleichem Gewinnanteil und ausgeschöpftem Freibetrag sinkt die Steuer damit von rund 591 auf rund 414 Euro. Der Nachteil: Steigen die Aktien weiter, ist die nächste Schwelle früher erreicht.

Freibetrag und Jahreswechsel nutzen. Ist Ihr Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft, was eher bei kleineren Depots der Fall ist, verteilen Sie größere Verkäufe auf Dezember und Januar. Bedenken Sie dabei, dass die Vorabpauschale für das abgelaufene Jahr am ersten Werktag im Januar verbucht wird und zuerst vom neuen Freibetrag abgeht. Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Freistellungsauftrag bei der Bank liegt, bei der Sie verkaufen.

Verluste gegenrechnen. Liegt eine andere ETF-Position im Minus, etwa ein Anleihen-ETF, können Sie sie verkaufen und sofort zurückkaufen. Der realisierte Verlust mindert den steuerpflichtigen Gewinn aus dem Rebalancing-Verkauf, ohne dass sich Ihre Aufteilung ändert. Verluste aus ETF-Verkäufen landen im allgemeinen Verlustverrechnungstopf; die Sonderregel, nach der Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden dürfen, gilt für ETFs nicht. Bei Aktien-ETFs zählt ein Verlust wegen der Teilfreistellung allerdings nur zu 70 Prozent. Automatisch verrechnet die Bank außerdem nur Gewinne und Verluste, die bei ihr anfallen.

Den jüngeren ETF zuerst verkaufen. Das Fifo-Prinzip gilt für jedes Wertpapier getrennt. Haben Sie Ihren Sparplan irgendwann auf einen anderen, gleichwertigen Welt-ETF umgestellt und den alten Bestand behalten, wie wir es im Ratgeber ETF für Anfänger empfehlen, verkaufen Sie beim Rebalancing zuerst Anteile des jüngeren ETFs. Darin steckt in der Regel weniger Gewinn.

Tagesgeld als sicheren Baustein wählen. Auf einem Tagesgeldkonto gibt es keine Kursgewinne, die beim Umschichten besteuert würden; nach einem Crash kostet der Nachkauf von Aktien deshalb keine Steuer. Anleihen-ETFs dagegen haben keine Teilfreistellung, ihre Gewinne sind voll steuerpflichtig. Für die meisten Privatanleger halten wir Tagesgeld deshalb für den einfacheren sicheren Baustein. Bei größeren Beträgen sollten Sie bedenken, dass die gesetzliche Einlagensicherung nur 100.000 Euro je Kunde und Bank abdeckt.

Im Fonds oder im Vorsorgedepot umschichten. Schichtet ein Investmentfonds intern um, löst das bei Ihnen keine Steuer aus, solange Sie Ihre Anteile nicht verkaufen. Das ist ein Vorteil von Mischfonds und Multi-Asset-ETFs, die ihre Aufteilung selbst halten. Im neuen Altersvorsorgedepot, das es ab 2027 gibt, wird erst bei der Auszahlung besteuert, sodass Umschichtungen innerhalb des Vertrags ebenfalls keine Steuer kosten.

Rebalancing nach einem Crash

Nach einem Kurssturz verlangt Rebalancing das, wozu kaum jemand Lust hat: Aktien nachkaufen, während die Nachrichten von Verlusten handeln und niemand weiß, ob der Tiefpunkt erreicht ist. Hier zeigt sich, ob eine Regel etwas taugt.

Angenommen, unsere Anlegerin hat ihr Depot wieder auf 84.000 Euro im ETF und 36.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto gebracht, und dann fallen die Aktienkurse um 40 Prozent. Der ETF ist danach noch 50.400 Euro wert, das Depot insgesamt 86.400 Euro, und die Aktienquote liegt bei 58,3 Prozent, 11,7 Prozentpunkte unter dem Ziel. Nach unserer Regel ist ein Ausgleich fällig. Damit der Aktienanteil wieder 70 Prozent beträgt, kauft die Anlegerin für 10.080 Euro ETF-Anteile und nimmt das Geld dafür vom Tagesgeldkonto. Steuern fallen dabei nicht an. Was ihr das bringt, hängt davon ab, wie es weitergeht.

Weiterer Verlauf Depot mit Rebalancing Depot ohne Rebalancing Unterschied
Aktien erholen sich auf den alten Stand 126.720 € 120.000 € +6.720 €
Aktien fallen um weitere 20 % 74.304 € 76.320 € −2.016 €

Rechenbeispiel: Depot nach dem Kurssturz 50.400 € im ETF und 36.000 € auf dem Tagesgeldkonto; Tagesgeldzinsen, Sparraten und Steuern nicht berücksichtigt.

Eine Garantie gibt es also nicht. Breit gestreute Aktienmärkte haben sich in der Vergangenheit nach großen Einbrüchen wieder erholt, teils allerdings erst nach Jahren. Entscheidend ist, dass Sie die Regel festlegen, bevor es so weit ist; mitten im Crash fasst kaum jemand den Entschluss nachzukaufen. Ahnen Sie schon heute, dass Sie im Ernstfall nicht nachkaufen würden, sollten Sie das bei der Aufteilung berücksichtigen und eine niedrigere Aktienquote wählen.

Rebalancing innerhalb des Aktienteils

Bisher ging es um die wichtigste Ebene, die Aufteilung zwischen Aktien und sicheren Anlagen. Wer mehrere Aktien-ETFs in festen Anteilen kombiniert, hat eine zweite. Das bekannteste Beispiel ist die sogenannte 70/30-Regel: 70 Prozent in einem ETF auf Industrieländer, etwa auf den MSCI World, und 30 Prozent in einem ETF auf Schwellenländer. Unter demselben Namen ist allerdings auch eine Aufteilung in 70 Prozent Aktien und 30 Prozent sichere Anlagen verbreitet.

Nach ihrem Anteil am weltweiten Aktienmarkt kämen die Schwellenländer nur auf etwa 12 Prozent; wer 30 Prozent wählt, gewichtet sie bewusst höher. Driften die beiden ETFs auseinander, ändert sich das Risiko des Depots weit weniger als bei einer Verschiebung zwischen Aktien und Tagesgeld, denn beide Bausteine schwanken ähnlich kräftig. Eine Schwelle in festen Prozentpunkten passt hier schlecht, vor allem bei kleinen Anteilen: Ein Baustein mit 10 Prozent Zielgewicht fiele bei 5 Prozentpunkten Abweichung erst auf, wenn er auf die Hälfte geschrumpft oder um die Hälfte gewachsen ist. Wir halten auf dieser Ebene eine relative Bandbreite von einem Viertel des Zielgewichts für ausreichend. Bei 30 Prozent Schwellenländern gleichen Sie also erst aus, wenn ihr Anteil unter 22,5 oder über 37,5 Prozent liegt, bei einem 10-Prozent-Baustein außerhalb von 7,5 bis 12,5 Prozent. Ausgleichen sollten Sie dann über die Sparrate oder frisches Geld; einen Verkauf mit Steuerfolgen rechtfertigt eine Verschiebung zwischen zwei Aktien-ETFs nur selten.

Am einfachsten umgehen Sie diese Ebene mit einem einzigen ETF auf einen Index, der Industrie- und Schwellenländer bereits enthält, etwa den MSCI ACWI oder den FTSE All-World. Er gewichtet die Länder nach ihrem Börsenwert, und Sie müssen nie etwas ausgleichen. Welche Indizes sich eignen, beschreibt der Ratgeber ETF für Anfänger.

Rebalancing in der Entnahmephase und bei Lebensereignissen

Wer im Ruhestand regelmäßig Geld aus dem Depot entnimmt, kann das Rebalancing mit der Entnahme verbinden. Sie nehmen das Geld jeweils aus dem Baustein, der gerade übergewichtet ist: Nach guten Börsenjahren verkaufen Sie ETF-Anteile, nach schlechten leben Sie vom Tagesgeld und geben den Aktien Zeit, sich zu erholen. Weil in dieser Phase ohnehin verkauft wird, entstehen dadurch keine zusätzlichen Steuern oder Kosten. Wie ein Entnahmeplan funktioniert, skizziert der Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.

Rebalancing setzt voraus, dass die Zielaufteilung stimmt. Rückt der Ruhestand näher, steht ein Hauskauf an oder ändert sich die Familiensituation, kann eine andere Aufteilung richtig sein. Das ist dann kein Rebalancing mehr, sondern eine neue Strategie, die Sie bewusst festlegen und schrittweise umsetzen, auch hier am besten zuerst über die Sparrate. Brauchen Sie einen größeren Betrag zu einem festen Termin, sollten Sie einige Jahre vorher beginnen, den Aktienanteil dafür zu senken.

Selbst machen oder abgeben?

Ein Robo-Advisor erledigt das Rebalancing automatisch in Ihrem Depot, meist zu festen Terminen oder sobald eine Schwelle überschritten ist. Steuerlich ändert das nichts: Verkauft der Robo mit Gewinn, zahlen Sie Steuern wie beim eigenen Verkauf. Insgesamt kosten Robo-Advisors, die nur in ETFs anlegen, einschließlich der Fondskosten meist 0,5 bis 1 Prozent des Depotwerts im Jahr. Bei einem Depot wie dem unserer Beispielanlegerin wären das 600 bis 1.200 Euro, und zwar jedes Jahr; im eigenen Depot fallen nur die laufenden Kosten des ETFs an, bei 0,2 Prozent weniger als 200 Euro. Den sicheren Teil legen Robo-Advisors zudem meist in Anleihen- oder Geldmarkt-ETFs an, deren Gewinne ohne Teilfreistellung versteuert werden. Ein Mischfonds oder ein Multi-Asset-ETF hält die Aufteilung innerhalb des Fonds, ohne dass bei Ihnen Steuern anfallen; aktiv gemanagte Mischfonds aus der Bankfiliale kosten allerdings häufig 1,5 Prozent und mehr, wie der Ratgeber ETF oder Fonds zeigt.

Für ein Depot aus einem Welt-ETF und Tagesgeld lohnt sich aus unserer Sicht keine dieser Lösungen. Die jährliche Kontrolle dauert eine halbe Stunde, und in den meisten Jahren ist danach nichts zu tun. Abgeben sollten Sie die Aufgabe vor allem dann, wenn Sie sich gut genug kennen, um zu wissen, dass Sie nach einem Crash nicht nachkaufen würden. Dann ist die Disziplin eines Robo-Advisors ihr Geld wert. Anbieter und Kosten finden Sie in unserem Robo-Advisor-Vergleich.

Typische Fehler beim Rebalancing

Zu oft eingreifen. Monatliche Kontrollen, bei denen jede kleine Abweichung ausgeglichen wird, kosten mehr Gebühren und Steuern, ohne das Risiko messbar besser zu steuern.

Rebalancing mit einer Prognose verwechseln. Aktien zu verkaufen, weil Ihnen die Börse zu hoch erscheint, ist Market Timing, auch wenn es sich Rebalancing nennt. Gehandelt wird nur, wenn die Schwelle erreicht ist.

Die Teilfreistellung vergessen. Ohne sie setzen Sie die Steuer auf Gewinne aus Aktien-ETFs um gut 40 Prozent zu hoch an und verzichten womöglich auf einen sinnvollen Ausgleich.

Die Regel im Crash aussetzen. Der Nachkauf nach einem Einbruch ist der unangenehmste Teil des Rebalancings und zugleich der, der das Verfahren rechtfertigt. Bleibt er aus, verkaufen Sie in guten Zeiten Aktien und kaufen in schlechten keine nach. Aus einem Werkzeug zur Risikokontrolle wird so eine reine Renditebremse.

Unser Fazit

Rebalancing ist unspektakulär, und gerade darin liegt sein Wert. Es sorgt dafür, dass ein Depot nach einigen guten Börsenjahren nicht unbemerkt riskanter wird, als Sie es sich vorgenommen haben, und es zwingt Sie, nach einem Einbruch nachzukaufen statt zu verkaufen. Mehr Rendite sollten Sie davon nicht erwarten, eher etwas weniger; das halten wir für einen fairen Preis für ein Risiko, das planbar bleibt.

In der Praxis kommt es auf drei Dinge an: einen festen Termin im Jahr, eine vorher festgelegte Schwelle und die Reihenfolge Sparrate vor Verkauf. Tragen Sie sich den Termin am besten jetzt für den Spätherbst ein und legen Sie Ihre Schwellen fest, solange die Börse ruhig ist. Wer nur einen einzigen Welt-ETF bespart, braucht nichts davon. Die Beträge für Ihr eigenes Depot ermitteln Sie mit unserem Rebalancing-Rechner.

Häufige Fragen

Was bedeutet Rebalancing auf Deutsch?

Wörtlich heißt Rebalancing „wieder ins Gleichgewicht bringen“, in der Fachsprache spricht man von Neugewichtung. Gemeint ist, ein Depot auf seine ursprünglich festgelegte Aufteilung zurückzuführen, etwa auf 70 Prozent Aktien und 30 Prozent sichere Anlagen. Viele Anleger sagen auch einfach „umschichten“.

Wie oft sollte man Rebalancing machen?

Prüfen sollten Sie einmal im Jahr. Handeln müssen Sie erst ab 5 Prozentpunkten Abweichung, und bis 10 Prozentpunkte genügt es meist, die Sparrate umzulenken. Häufigere Kontrollen bringen nach den vorliegenden Studien keinen Vorteil, häufigere Umschichtungen kosten dagegen Gebühren und Steuern.

Wie viel Rendite bringt Rebalancing?

Zwischen Aktien und sicheren Anlagen keine zusätzliche, eher etwas weniger. In einer Vanguard-Studie mit amerikanischen Daten von 1926 bis 2009 erzielte ein jährlich rebalanciertes Depot aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen 8,6 Prozent pro Jahr, ein nie angepasstes 9,1 Prozent, allerdings mit einem Aktienanteil von durchschnittlich 84 Prozent und deutlich stärkeren Schwankungen. Der Nutzen von Rebalancing liegt in der Risikokontrolle.

Ist ETF-Rebalancing sinnvoll?

Ja, sobald Sie einen Aktien-ETF mit einem sicheren Baustein wie Tagesgeld oder einem Anleihen-ETF kombinieren oder mehrere ETFs in festen Anteilen halten. Ohne Rebalancing wächst der Aktienanteil über die Jahre und mit ihm das Verlustrisiko. Bei einem einzigen Welt-ETF gibt es dagegen nichts zu tun.

Was ist die 70/30-Regel?

Meist ist eine Aufteilung des Aktienteils gemeint: 70 Prozent Industrieländer, etwa über einen ETF auf den MSCI World, und 30 Prozent Schwellenländer. Manche verstehen darunter auch 70 Prozent Aktien und 30 Prozent sichere Anlagen. In beiden Fällen handelt es sich um eine Zielaufteilung, die Sie mit Rebalancing einhalten, und nicht um eine Regel, die für jeden Anleger passt.

Kann man ETFs steuerfrei umschichten?

Nur teilweise. Ein Verkauf bleibt steuerfrei, soweit der Gewinn nach der Teilfreistellung in den noch freien Sparerpauschbetrag passt, und Umschichtungen innerhalb eines Fonds oder im Altersvorsorgedepot, das es ab 2027 gibt, lösen bei Ihnen keine Steuer aus. Am elegantesten ist es, gar nicht zu verkaufen und die Aufteilung über die Sparrate oder neues Geld auszugleichen.

Sind ETFs nach zehn Jahren steuerfrei?

Nein – für Fondsanteile, die nach 2008 gekauft wurden, gibt es keine Haltefrist, nach der Gewinne steuerfrei würden. Auch nach zehn oder zwanzig Jahren unterliegt ein Verkaufsgewinn der Abgeltungsteuer, bei Aktien-ETFs gemindert um die Teilfreistellung von 30 Prozent. Eine Ausnahme gilt nur für Fondsanteile, die vor 2009 gekauft wurden: Ihre Wertzuwächse seit 2018 bleiben bis zu einem Freibetrag von 100.000 Euro steuerfrei, den Sie über die Steuererklärung geltend machen.

Ab welcher Depotgröße lohnt sich Rebalancing?

Eine Mindestgröße gibt es aus unserer Sicht nicht. Kleine Depots gleichen Sie über die Sparrate aus, und das kostet nichts. Die oft genannte Grenze von 20.000 Euro wird mit Ordergebühren begründet, die bei günstigen Online-Brokern kaum noch ins Gewicht fallen. Bei großen Depots ist die Steuer die wichtigere Größe.


Hinweis: Geldentscheid finanziert sich unter anderem über Provisionen von Anbietern, die auf unseren Vergleichsseiten aufgeführt sind. Auf die Einschätzungen in diesem Ratgeber hat das keinen Einfluss.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Die Rechenbeispiele beruhen auf Beispielwerten und Annahmen; vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Steuerwerte und Freibeträge: Stand 2026; alle übrigen Angaben: Stand Oktober 2026.

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