Geldentscheid

ETF für Anfänger: Wie ETFs funktionieren und worauf Anleger achten sollten

An der Deutschen Börse sind inzwischen rund 3.000 ETFs gelistet. Wer als Anfänger zum ersten Mal in ETFs investieren möchte, steht damit vor einer kaum überschaubaren Auswahl – und vor einem Fachvokabular aus TER, Replikation, Tracking Difference und Vorabpauschale, das mehr Komplexität suggeriert, als die Sache verdient. Denn um ETFs vernünftig zu nutzen, müssen Sie nur wenige Dinge wirklich verstehen: wie ein ETF sein Geld anlegt, wo seine Risiken liegen und an welchen Kriterien Sie einen guten von einem mittelmäßigen Fonds unterscheiden.

Unser Urteil vorweg: Für den langfristigen Vermögensaufbau gibt es aus unserer Sicht für Einsteiger keinen besseren Grundbaustein als einen ETF auf einen breiten Welt-Aktienindex. Er ist günstig, durchschaubar und bei einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt. Vor Kursverlusten schützt er dagegen nicht – ein Welt-ETF kann in einer schweren Krise die Hälfte seines Werts verlieren. Wer das akzeptiert und mindestens zehn Jahre Zeit mitbringt, braucht für den Anfang genau einen ETF und keinen zweiten.

Was ist ein ETF?

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund, auf Deutsch börsengehandelter Fonds. Gemeint ist in aller Regel ein Indexfonds: Er sammelt das Geld vieler Anleger und legt es so an, dass er einen Börsenindex wie den DAX oder den MSCI World möglichst genau nachbildet. Steigt der Index um ein Prozent, steigt auch der ETF um rund ein Prozent, abzüglich geringer Kosten.

Der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Investmentfonds liegt in der Frage, wer über die Zusammensetzung entscheidet. Bei einem aktiv gemanagten Fonds wählt ein Fondsmanager die Aktien aus, in der Hoffnung, damit besser abzuschneiden als der Markt. Ein ETF verzichtet auf diesen Ehrgeiz. Er kauft, was im Index steht, und zwar in dem Verhältnis, das der Index vorgibt. Man spricht deshalb von passiver Geldanlage. Inzwischen gibt es zwar auch aktiv gemanagte ETFs; wenn in diesem Ratgeber von ETFs die Rede ist, meinen wir aber die passiven Indexfonds, um die es Einsteigern in aller Regel geht.

Was Sie mit einem ETF kaufen, sind Anteile an diesem Fonds, nicht die Aktien selbst. Ein Anteil an einem ETF auf den MSCI World macht Sie damit indirekt zum Miteigentümer von 1.280 Unternehmen aus 23 Industrieländern, von amerikanischen Technologiekonzernen über europäische Pharmahersteller bis zu japanischen Maschinenbauern. Für diese Streuung genügen ein einziges Wertpapier und eine Sparrate von 25 Euro im Monat.

Wie funktioniert ein ETF?

Der Index gibt die Regeln vor

Ein Index ist zunächst nur eine Kennzahl, die die Entwicklung einer Gruppe von Aktien misst. Hinter jedem Index steht aber ein festes Regelwerk: Der DAX umfasst die 40 größten Unternehmen aus Deutschland, der MSCI World die großen und mittelgroßen Unternehmen aus 23 Industrieländern. Wie stark ein Unternehmen ins Gewicht fällt, richtet sich bei diesen Indizes nach seinem Börsenwert, genauer nach dem Wert der frei handelbaren Aktien. Im MSCI World hat ein Konzern, der an der Börse zehnmal so viel wert ist wie ein anderer, deshalb ungefähr das zehnfache Gewicht.

Die Indexanbieter überprüfen die Zusammensetzung regelmäßig, beim MSCI World vierteljährlich. Unternehmen, die stark gewachsen sind, rücken auf, andere fallen heraus. Der ETF vollzieht diese Änderungen automatisch nach, ohne dass Sie etwas tun müssen. Diese Mechanik hat eine Konsequenz, die viele Einsteiger übersehen: Ein marktgewichteter Index folgt den Gewinnern. Je stärker eine Aktie steigt, desto größer wird ihr Anteil am Index und damit an Ihrem ETF. Darauf kommen wir beim Thema Klumpenrisiko zurück.

Wie der Handel an der Börse funktioniert

Anders als bei klassischen Fonds kaufen Sie ETF-Anteile in der Regel nicht direkt bei der Fondsgesellschaft, sondern an der Börse, wie eine Aktie. Ihr Gegenüber ist dabei meist ein sogenannter Market Maker. Das sind Banken oder spezialisierte Handelshäuser, die während der Handelszeiten fortlaufend einen Kaufkurs und einen Verkaufskurs stellen. Die Differenz zwischen beiden heißt Spread und ist ein Teil Ihrer Kosten, auch wenn er in keiner Gebührenaufstellung auftaucht.

Damit der Börsenkurs nicht vom eigentlichen Wert des Fonds abweicht, gibt es einen Ausgleichsmechanismus. Große Marktteilnehmer können bei der Fondsgesellschaft neue ETF-Anteile erzeugen oder bestehende zurückgeben. Liegt der Börsenkurs über dem Wert der im Fonds enthaltenen Aktien, lohnt es sich für sie, neue Anteile zu schaffen und zu verkaufen; liegt er darunter, kaufen sie Anteile und geben sie zurück. Dieses Wechselspiel hält den Kurs eng am sogenannten Nettoinventarwert. Für Sie bedeutet das: Bei großen ETFs zahlen Sie während der Haupthandelszeit einen fairen Preis, und der Spread beträgt oft nur wenige Hundertstel Prozent. Außerhalb der Haupthandelszeit, etwa am Abend, oder bei kleinen, selten gehandelten ETFs kann er spürbar größer ausfallen.

Physisch oder synthetisch: So bildet ein ETF den Index nach

Wie ein ETF den Index nachbildet, nennt man Replikation. Es gibt drei Verfahren, und die Unterschiede klingen technischer, als sie für Sie in der Praxis sind.

Bei der vollständigen physischen Replikation kauft der Fonds sämtliche Aktien des Index in exakt der vorgegebenen Gewichtung. Das ist bei Indizes mit überschaubarer Zahl an Werten wie dem DAX üblich und am leichtesten nachzuvollziehen. Bei der optimierten Replikation, auch Sampling genannt, kauft der Fonds nur einen Teil der Indexwerte. Viele große MSCI-World-ETFs halten auf diese Weise fast alle, aber nicht sämtliche der 1.280 Aktien. Bei Indizes mit Tausenden von Werten wie dem FTSE All-World mit 4.264 Unternehmen ist das Verfahren weit verbreitet, weil viele der kleinsten Positionen kaum ins Gewicht fallen, beim Kauf aber Handelskosten verursachen würden. Die Abweichung vom Index kann dadurch etwas größer ausfallen, bleibt bei großen Fonds aber gering.

Ein synthetischer ETF besitzt dagegen nicht die Aktien des Index, sondern ein anderes Wertpapierbündel. Mit einer Bank vereinbart er einen Tausch, einen sogenannten Swap: Der Fonds gibt die Erträge seiner eigenen Wertpapiere ab und erhält dafür die Rendite des Index. Das Risiko, dass die Bank ausfällt, ist nach den europäischen Fondsregeln auf höchstens 10 Prozent des Fondsvermögens begrenzt, in der Praxis meist noch deutlich weniger, weil der Swap regelmäßig zurückgesetzt und mit Sicherheiten unterlegt wird.

Viele physisch replizierende ETFs verleihen außerdem einen Teil ihrer Aktien gegen eine Gebühr an andere Marktteilnehmer und lassen sich dafür Sicherheiten stellen. Diese Wertpapierleihe bringt kleine Zusatzerträge, die die Kosten des Fonds senken, und birgt ein geringes Restrisiko für den Fall, dass ein Entleiher ausfällt und die Sicherheiten nicht ausreichen. Ob und in welchem Umfang ein ETF Wertpapiere verleiht, steht in seinem Factsheet.

Die Replikationsmethode halten wir für ein nachrangiges Kriterium. Wer das Prinzip seiner Geldanlage ohne Umwege verstehen möchte, wählt einen physisch replizierenden ETF. Mit einem großen synthetischen ETF macht aber niemand einen Fehler, und ein gut geführter synthetischer Fonds ist uns lieber als ein teurer physischer.

Warum ETFs für Einsteiger so gut geeignet sind

Der wichtigste Vorteil eines ETFs ist die Streuung, in der Fachsprache Diversifikation. Wer sein Geld auf 1.280 oder gar über 4.000 Unternehmen verteilt, muss sich um das Schicksal einzelner Firmen keine Gedanken machen. Selbst wenn das größte Unternehmen im MSCI World über Nacht wertlos würde, verlöre ein ETF auf diesen Index gut fünf Prozent; bei einer durchschnittlichen Position läge der Verlust unter einem Promille. In einem Depot aus fünf Einzelaktien wäre dagegen ein Fünftel des Geldes weg. Die Risiken, die bleiben, betreffen den Aktienmarkt als Ganzes – und für dieses Marktrisiko wurden Anleger über lange Zeiträume mit einer höheren Rendite entlohnt.

Der zweite Vorteil sind die Kosten. Die großen ETFs auf Welt-Indizes verlangen laufende Kosten von etwa 0,05 bis 0,20 Prozent pro Jahr. Diese Kennzahl heißt TER, Total Expense Ratio, und wird nicht separat abgebucht, sondern täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen. Aktiv gemanagte Aktienfonds kosten häufig 1,5 Prozent und mehr, beim Kauf über die Bankfiliale kommt oft ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent hinzu. Was dieser Unterschied über die Jahre bedeutet, zeigt ein Beispiel mit einer Einmalanlage von 10.000 Euro über 20 Jahre.

Welt-ETF Aktiv gemanagter Aktienfonds
Ausgabeaufschlag keiner 5 % (rund 476 €)
Laufende Kosten pro Jahr 0,2 % (20 € je 10.000 €) 1,5 % (150 € je 10.000 €)
Depotwert nach 20 Jahren rund 30.900 € rund 23.000 €
Abstand – rund 7.900 €

Rechenbeispiel: 6 % Rendite pro Jahr vor Kosten für beide Fonds, Kosten mindern die Jahresrendite, vor Steuern.

Die Rechnung ist für den aktiven Fonds sogar noch wohlwollend, denn sie unterstellt, dass sein Manager vor Kosten genauso gut abschneidet wie der Index. Die regelmäßig erscheinenden SPIVA-Auswertungen des Indexanbieters S&P Dow Jones Indices zeigen seit Jahren ein anderes Bild: Über Zeiträume von zehn Jahren und mehr bleibt die große Mehrheit aktiver Aktienfonds hinter ihrem Vergleichsindex zurück. Wer einen ETF kauft, verzichtet also auf die Chance, den Markt zu schlagen, und vermeidet dafür das deutlich wahrscheinlichere Ergebnis, hinter ihm zurückzubleiben. Ausführlich vergleichen wir beide Fondsarten im Ratgeber ETF oder Fonds?

Hinzu kommen Transparenz und Flexibilität. Welche Aktien in einem ETF stecken, ist durch den Index festgelegt und bei physisch replizierenden Fonds täglich einsehbar. Verkaufen können Sie an jedem Börsentag, ohne Kündigungsfrist und ohne Rücknahmeabschlag. Und weil viele Depots ETF-Sparpläne ab 25 Euro im Monat, teils ab einem Euro anbieten, steht diese Form der Geldanlage auch Menschen offen, die kein größeres Startkapital haben.

Wie sicher sind ETFs?

Bei der Frage nach der Sicherheit werden gern zwei Dinge vermischt, die wenig miteinander zu tun haben: das Risiko, dass die Fondsgesellschaft oder der Broker pleitegeht, und das Risiko, dass die Kurse fallen. Gegen das erste sind ETF-Anleger sehr gut geschützt, gegen das zweite überhaupt nicht.

Das Geld in einem ETF gehört rechtlich nicht der Fondsgesellschaft, sondern den Anlegern. Bei Fonds nach deutschem Recht spricht man vom Sondervermögen: Es ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt, haftet nicht für deren Schulden und fällt bei einer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse. Stattdessen übernimmt die Verwahrstelle, eine unabhängige Bank, den Fonds: Sie wickelt ihn ab und zahlt den Erlös an die Anleger aus oder überträgt ihn auf eine andere Fondsgesellschaft. Die meisten in Deutschland angebotenen ETFs sind zwar in Irland oder Luxemburg aufgelegt, unterliegen als sogenannte OGAW-Fonds (international: UCITS) aber den europäischen Fondsregeln, die eine vergleichbare Trennung vorschreiben. Sie erkennen diese Fonds am Namenszusatz „UCITS ETF“.

Auch die Pleite Ihres Brokers bedroht Ihre ETF-Anteile nicht. Wertpapiere im Depot bleiben Ihr Eigentum und werden im Insolvenzfall an Sie herausgegeben oder auf ein anderes Depot übertragen. Anders ist es beim Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Ist Ihr Broker eine Bank, gilt dafür die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank; bei Brokern ohne Banklizenz hängt der Schutz davon ab, bei welcher Partnerbank oder in welcher Anlageform das Geld verwahrt wird. Nur für den seltenen Fall, dass Wertpapiere durch Betrug oder Fehler gar nicht vorhanden sind, springt die gesetzliche Anlegerentschädigung ein – und die ist mit 90 Prozent der Forderung, höchstens 20.000 Euro, deutlich knapper bemessen.

Das eigentliche Risiko eines Aktien-ETFs liegt woanders: Er macht jede Bewegung des Marktes mit, auch die nach unten. Der MSCI World verlor in Euro gerechnet zwischen Mai 2001 und März 2009 in der Spitze 53,6 Prozent; wer auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000 eingestiegen war, musste rund 13 Jahre warten, bis er seinen Einsatz wiederhatte. Der Corona-Crash im Frühjahr 2020 kostete etwa ein Drittel; in Euro gerechnet war der Verlust im Januar 2021 wieder aufgeholt. Bemerkenswert ist die Gegenrechnung: Selbst wer Ende 2000, kurz nach dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, eingestiegen ist und beide großen Krisen voll mitgenommen hat, kam laut MSCI bis Ende August 2026 auf durchschnittlich 6,6 Prozent Rendite pro Jahr, vor Fondskosten und persönlichen Steuern.

Ein Welt-ETF ist also sicher vor Pleiten, aber nicht vor Verlusten. Einen Totalverlust halten wir bei einem breit gestreuten Aktien-ETF für praktisch ausgeschlossen, weil dafür Tausende Unternehmen weltweit gleichzeitig wertlos werden müssten. Zwischenzeitliche Verluste von 30 bis 50 Prozent sollten Sie dagegen einplanen. Geld, das Sie in den nächsten Jahren brauchen, gehört deshalb nicht in einen Aktien-ETF. Wie Sie Ihr Vermögen sinnvoll nach Zeiträumen aufteilen, beschreiben wir im Ratgeber Investieren für Anfänger.

Vorsicht ist bei Produkten geboten, die wie ETFs an der Börse gehandelt werden, aber keine sind. An der Deutschen Börse sind neben den ETFs auch gut 200 ETCs und rund 360 ETNs gelistet, etwa auf Rohstoffe, Kryptowährungen oder mit Hebel. Rechtlich handelt es sich um Schuldverschreibungen des Herausgebers, nicht um Sondervermögen. Geht der Emittent pleite, kann das Geld ganz oder teilweise verloren sein, selbst wenn manche dieser Papiere mit Sicherheiten hinterlegt sind. Für den Vermögensaufbau brauchen Einsteiger keines davon.

Wo die Risiken und Nachteile von ETFs liegen

Gegen ETFs wird immer wieder eingewandt, sie seien überbewertet, gefährlich oder schlicht langweilig. Einige dieser Einwände sind berechtigt, andere beruhen auf Missverständnissen. Die folgenden Schwächen sollten Sie kennen, bevor Sie investieren.

Klumpenrisiko trotz Streuung. Der MSCI World enthält zwar 1.280 Unternehmen, Ende August 2026 entfielen aber 72,1 Prozent seines Gewichts auf die USA. Die zehn größten Positionen, überwiegend amerikanische Technologiekonzerne, machten zusammen 26,6 Prozent aus, der IT-Sektor allein 29,8 Prozent. Die Streuung ist damit breiter als in jedem Einzelaktiendepot, aber deutlich ungleichmäßiger, als der Name „World“ vermuten lässt. Indizes mit Schwellenländern mildern das ein wenig: Im MSCI ACWI liegt der US-Anteil bei 63,6 Prozent, im FTSE All-World bei 61,7 Prozent. Einen Grund, auf Welt-ETFs zu verzichten, sehen wir darin nicht. Wohl aber einen Grund, die Konzentration zu kennen und nicht noch einen US- oder Technologie-ETF obendrauf zu legen.

Währungsrisiko. Ein Welt-ETF wird in Euro gehandelt, die Unternehmen darin notieren aber überwiegend in Dollar, Yen oder Pfund. Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, sinkt der Wert Ihrer US-Aktien in Euro gerechnet, selbst wenn sich die Kurse in New York nicht bewegen; ein schwächerer Euro wirkt umgekehrt. Es gibt währungsgesicherte Anteilsklassen, die diese Schwankungen ausgleichen, sie kosten aber mehr. Für Anleger mit langem Horizont halten wir die Absicherung bei Aktien für verzichtbar: Die Zusatzkosten fallen jedes Jahr sicher an, der Nutzen ist ungewiss.

Kein Schutz vor Übertreibungen. Ein ETF kauft, was im Index steht, auch wenn einzelne Aktien gemessen an ihren Gewinnen sehr teuer geworden sind. In einer Blase wächst ihr Gewicht sogar noch. Ein Fondsmanager könnte gegensteuern, ein ETF tut es nicht. Dafür bleibt der ETF auch dann investiert, wenn sich ein vermeintlich kluger Ausstieg im Nachhinein als Fehler erweist – und das kommt häufiger vor als der umgekehrte Fall.

Kontrahentenrisiko. Bei synthetischen ETFs und bei der Wertpapierleihe besteht ein Restrisiko, dass ein Vertragspartner ausfällt. Durch die gesetzlichen Obergrenzen und die hinterlegten Sicherheiten ist es klein und spielt bei der Auswahl eines großen Welt-ETFs kaum eine Rolle.

Schließung kleiner Fonds. Lohnt sich ein ETF für die Fondsgesellschaft nicht, weil zu wenig Geld darin steckt, kann sie ihn auflösen oder mit einem anderen Fonds zusammenlegen. Ihr Geld ist dann nicht verloren. Bei einer Auflösung erhalten Sie den Gegenwert ausgezahlt, müssen aufgelaufene Gewinne aber versteuern und das Geld neu anlegen. Bei einer Zusammenlegung bekommen Sie Anteile am aufnehmenden Fonds; steuerneutral ist das nur, wenn beide Fonds ihren Sitz im selben Land haben. Mit einem großen ETF umgehen Sie dieses Risiko weitgehend.

Marktrendite als Obergrenze. Ein ETF wird den Markt nie schlagen, er liefert dessen Rendite abzüglich geringer Kosten. Wer das als Nachteil empfindet, sollte sich fragen, wie er die wenigen Fonds, die den Markt über Jahrzehnte schlagen, im Voraus erkennen will. Eine verlässliche Methode dafür kennen wir nicht.

Welcher ETF eignet sich für Anfänger?

Die Frage nach dem richtigen ETF ist in erster Linie eine Frage nach dem richtigen Index. Ob ein Fonds 0,12 oder 0,15 Prozent im Jahr kostet, ist zweitrangig. Ob er 40 deutsche oder 2.458 Unternehmen aus 47 Ländern enthält, ist es nicht. Für Einsteiger kommen vor allem drei Welt-Indizes infrage.

Index Unternehmen Länder USA-Anteil Anteil der 10 größten Werte
MSCI World 1.280 23 Industrieländer 72,1 % 26,6 %
MSCI ACWI 2.458 47 (23 Industrie-, 24 Schwellenländer) 63,6 % 24,3 %
FTSE All-World 4.264 rund 50 Industrie- und Schwellenländer 61,7 % 23,7 %
zum Vergleich: MSCI Emerging Markets 1.178 24 Schwellenländer – –

Stand: 31.08.2026, laut Factsheets von MSCI (MSCI World, MSCI ACWI) und FTSE Russell.

Alle drei Welt-Indizes taugen als Fundament für den langfristigen Vermögensaufbau. Für Neueinsteiger ziehen wir einen ETF auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World leicht vor. Beide enthalten neben den Industrieländern auch Schwellenländer wie Taiwan, Indien, China oder Brasilien, verringern damit das Gewicht der USA etwas und decken mit einem einzigen Fonds den weit überwiegenden Teil des weltweiten Aktienmarkts ab; es fehlen lediglich die kleinen Unternehmen. Der MSCI World ist trotzdem keine schlechte Wahl. Wer bereits einen Sparplan darauf hat, muss nicht umschichten, denn der Unterschied zwischen den Indizes ist kleiner als der zwischen Investieren und Abwarten.

Als alleinige Basis ungeeignet sind aus unserer Sicht der DAX, weil er nur 40 Unternehmen aus einem einzigen Land enthält, und der S&P 500, weil er ausschließlich auf amerikanische Aktien setzt. Noch enger sind der technologielastige Nasdaq-100 sowie Branchen-, Themen- und Dividenden-ETFs. Sie alle können eine Beimischung sein, wenn Sie wissen, warum Sie sie wollen. Ein Ersatz für einen Welt-ETF sind sie nicht.

Wie viele ETFs brauchen Sie?

Einen. Ein ETF auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World ist für sich genommen so breit gestreut, dass ein zweiter Aktien-ETF die Streuung kaum verbessert. Wer mit dem MSCI World startet und Schwellenländer ergänzen möchte, kann einen zweiten ETF auf den MSCI Emerging Markets hinzunehmen. Nach Marktgewicht entspricht das ungefähr einer Aufteilung von 88 zu 12. Das verbreitete Verhältnis von 70 zu 30 ist nicht falsch, gewichtet die Schwellenländer aber bewusst höher, als es ihrem Anteil am Weltmarkt entspricht – eine Wette, die man eingehen kann, aber nicht muss.

Manche Anleger bauen ihr Depot nach dem Core-Satellite-Prinzip auf: ein breiter Welt-ETF als Kern mit 80 bis 90 Prozent des Geldes, dazu kleinere Positionen in einzelnen Regionen, Branchen oder Strategien. Für die ersten Jahre raten wir Einsteigern davon ab. Satelliten erhöhen den Aufwand, verführen zum Umschichten und verbessern das Ergebnis nur, wenn man auf die richtigen Themen setzt. Mehr als zwei Aktien-ETFs erzeugen in der Praxis vor allem Überschneidungen.

Worauf Sie bei der Auswahl eines ETFs achten sollten

Steht der Index fest, bieten meist mehrere Fondsgesellschaften einen passenden ETF an. Die Unterschiede zwischen diesen Fonds sind kleiner als die zwischen den Indizes, aber nicht bedeutungslos. Mit den folgenden Kriterien trennen Sie gute von mittelmäßigen Angeboten.

Kriterium Was dahintersteckt Unser Richtwert
Index Welche Unternehmen und Länder enthalten sind Welt-Index, möglichst mit Schwellenländern
Laufende Kosten (TER) Jährliche Fondskosten, die vom Fondsvermögen abgezogen werden unter 0,25 % pro Jahr
Tracking Difference Abweichung von der Indexrendite nach allen Kosten über mehrere Jahre nahe null, möglichst geringer als die TER
Fondsvolumen Wie viel Geld der ETF verwaltet mindestens 100 Mio. €, besser mehr als 500 Mio. €
Alter Zeit seit Auflage des Fonds mindestens drei Jahre
Ertragsverwendung Dividenden werden wieder angelegt oder ausgezahlt für den Vermögensaufbau thesaurierend
Sparplan Ob Ihr Depot den ETF als Sparplan anbietet kostenlos oder sehr günstig

Die TER ist die bekannteste Kennzahl, aber nicht die aussagekräftigste. Sie umfasst nur die laufenden Verwaltungskosten. Was am Ende beim Anleger ankommt, zeigt die Tracking Difference: die Differenz zwischen der Rendite des ETFs und der seines Index über ein Jahr. Weil ein Fonds etwa durch Wertpapierleihe oder steuerliche Vorteile bei Dividenden zusätzliche Erträge erzielen kann, fällt die Abweichung vom Index bei manchen ETFs geringer aus als ihre TER; gelegentlich schneidet ein ETF sogar etwas besser ab als sein Index. Umgekehrt kann ein Fonds mit niedriger TER den Index deutlicher verfehlen als ein etwas teurerer. Aussagekräftig ist allerdings nur der Durchschnitt mehrerer Jahre; deshalb sollte ein ETF schon eine Weile am Markt sein, bevor Sie ihn anhand dieser Kennzahl beurteilen.

Das Fondsvolumen ist aus zwei Gründen wichtig. Große ETFs werden selten geschlossen, und sie werden lebhafter gehandelt, was sich in niedrigeren Spreads niederschlägt. Ab mehreren hundert Millionen Euro müssen Sie sich um beides keine Gedanken machen; die großen Welt-ETFs verwalten ohnehin Milliardenbeträge.

Bei der Ertragsverwendung unterscheidet man zwei Varianten. Ein thesaurierender ETF legt die Dividenden der enthaltenen Unternehmen automatisch wieder an, ein ausschüttender zahlt sie regelmäßig auf Ihr Verrechnungskonto aus. Für den Vermögensaufbau halten wir die thesaurierende Variante für die bequemere, weil der Zinseszinseffekt ohne Ihr Zutun wirkt. Ausschüttende ETFs haben ihre Berechtigung, etwa wenn Sie den Sparerpauschbetrag gezielt nutzen oder später von den Erträgen leben möchten. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Ausschüttend oder thesaurierend.

Den Sitz des Fonds verrät die ISIN, die zwölfstellige internationale Wertpapierkennnummer: Sie beginnt bei irischen ETFs mit IE, bei luxemburgischen mit LU und bei deutschen mit DE. Steuerlich werden in- und ausländische Fonds für Anleger in Deutschland gleich behandelt. Bei ETFs mit hohem US-Anteil kann ein Sitz in Irland wegen der geringeren Quellensteuer auf amerikanische Dividenden einen kleinen Vorteil bringen, der sich wiederum in der Tracking Difference zeigt. Alle genannten Angaben finden Sie im Factsheet und im Basisinformationsblatt des Fonds sowie in unabhängigen ETF-Datenbanken.

Unser Rat: Wenn Sie einen thesaurierenden ETF auf einen Welt-Index mit mehr als 500 Millionen Euro Volumen, einer TER unter 0,25 Prozent und einer unauffälligen Tracking Difference gefunden haben, ist die Suche beendet. Die Unterschiede zwischen den verbleibenden Kandidaten sind so gering, dass weiteres Vergleichen mehr Zeit kostet, als es Rendite bringt.

Welche Steuern bei ETFs anfallen

Gewinne aus ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent; mit Solidaritätszuschlag sind es 26,375 Prozent, für Kirchenmitglieder kommt Kirchensteuer hinzu. Fällig wird die Steuer auf Ausschüttungen, auf Kursgewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds auf die sogenannte Vorabpauschale. Kapitalerträge bis 1.000 Euro im Jahr bleiben steuerfrei, für zusammen veranlagte Ehepaare bis 2.000 Euro. Damit Ihre Bank diesen Sparerpauschbetrag berücksichtigt, brauchen Sie einen Freistellungsauftrag. Fehlt er, behält die Bank die Steuer ein, und Sie bekommen das Geld erst über die Steuererklärung zurück.

Für Aktien-ETFs gilt eine Erleichterung, die Teilfreistellung. Bei Fonds, die fortlaufend mehr als 50 Prozent ihres Vermögens in Aktien anlegen, bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Der Gesetzgeber gleicht damit aus, dass auf Ebene des Fonds bereits Steuern auf Dividenden anfallen. Effektiv zahlen Sie auf Gewinne aus einem Aktien-ETF rund 18,5 Prozent statt 26,375 Prozent, jeweils ohne Kirchensteuer. Welt-Aktien-ETFs erfüllen die Bedingung ohne Weiteres.

Die Vorabpauschale ist die Steuerregel, die Einsteiger am häufigsten überrascht. Ein thesaurierender ETF schüttet nichts aus; ohne Sonderregel würde der Staat deshalb erst beim Verkauf kassieren, unter Umständen nach Jahrzehnten. Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass jedes Jahr ein Mindestertrag versteuert wird. Berechnet wird dieser sogenannte Basisertrag aus dem Wert Ihrer Anteile am Jahresanfang, multipliziert mit dem Basiszins und dem Faktor 0,7. Den Basiszins ermittelt die Bundesbank, das Bundesfinanzministerium veröffentlicht ihn jedes Jahr im Januar; für 2026 beträgt er 3,20 Prozent, nach 2,53 Prozent im Vorjahr. Die Vorabpauschale ist auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt, in einem Verlustjahr fällt sie also nicht an. Ausschüttungen werden angerechnet, weshalb auch ausschüttende ETFs eine Vorabpauschale auslösen können, wenn sie weniger ausschütten, als der Basisertrag beträgt.

Ein Beispiel: Ein Anleger hat Anfang 2026 ETF-Anteile im Wert von 20.000 Euro im Depot, und der Fonds legt im Jahresverlauf um mehr als 448 Euro zu. Die Vorabpauschale für 2026 beträgt dann 448 Euro (20.000 Euro × 3,20 % × 0,7). Nach der Teilfreistellung bleiben davon 313,60 Euro steuerpflichtig. Weil die Vorabpauschale für 2026 erst Anfang 2027 als zugeflossen gilt, wird sie mit dem Sparerpauschbetrag des Jahres 2027 verrechnet. Ist dieser noch nicht ausgeschöpft, zahlt der Anleger nichts. Andernfalls werden 82,71 Euro fällig, die seine Bank Anfang Januar 2027 vom Verrechnungskonto einzieht – dort sollte also zum Jahreswechsel ein kleiner Betrag bereitliegen.

Die Rechnung lässt sich auch umdrehen: Mit dem Basiszins für 2026 deckt der Sparerpauschbetrag die Vorabpauschale bis zu einem Depotwert von rund 63.800 Euro vollständig ab, sofern Sie keine weiteren Kapitalerträge wie Tagesgeldzinsen haben. Für Anteile, die Sie im Laufe des Jahres kaufen, verringert sich die Vorabpauschale außerdem um ein Zwölftel für jeden vollen Monat vor dem Kauf. Doppelt zahlen Sie übrigens nicht: Beim späteren Verkauf werden alle bereits angesetzten Vorabpauschalen vom Gewinn abgezogen, auch solche, die dank Sparerpauschbetrag steuerfrei geblieben sind. Sie zahlen lediglich einen Teil der Steuer früher.

All das erledigt ein deutsches Depot automatisch. Bei einem Depot im Ausland müssen Sie Erträge und Vorabpauschalen selbst ermitteln und in der Steuererklärung angeben. Für Einsteiger halten wir ein in Deutschland geführtes, sogenanntes steuereinfaches Depot deshalb für die klar bessere Wahl.

So kaufen Sie Ihren ersten ETF

Der praktische Teil ist schneller erledigt, als viele erwarten. Wer noch kein Depot hat, sollte allerdings ein paar Tage für die Eröffnung einplanen.

  1. Depot eröffnen. Sie brauchen einen gültigen Ausweis, Ihre Steuer-Identifikationsnummer und ein Girokonto als Referenzkonto; die Identifizierung läuft online per Video, Online-Ausweisfunktion oder App. Achten Sie auf ein Depot ohne Grundgebühr, mit günstigen ETF-Sparplänen und Sitz in Deutschland. Welche Anbieter das erfüllen, zeigt unser Broker-Vergleich.
  2. Freistellungsauftrag erteilen. Das geht im Online-Banking in wenigen Minuten. Haben Sie Konten bei mehreren Banken, teilen Sie die 1.000 Euro so auf, wie dort voraussichtlich Erträge anfallen.
  3. ETF über die ISIN suchen. Viele ETFs tragen fast identische Namen und unterscheiden sich nur in Details wie der Ertragsverwendung oder einer Währungssicherung. Die zwölfstellige ISIN bezeichnet jeden Fonds eindeutig und schützt Sie vor Verwechslungen. Daneben gibt es die sechsstellige deutsche Wertpapierkennnummer (WKN).
  4. Sparplan einrichten oder einmalig kaufen. Beim Sparplan legen Sie Betrag, Rhythmus und Ausführungstag fest; der Broker kauft dann automatisch zu einem festen Termin. Mehr müssen Sie dabei nicht beachten. Alle Einstellungen erklärt unser Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.
  5. Beim Einmalkauf Zeitpunkt, Handelsplatz und Limit wählen. Kaufen Sie möglichst während der Haupthandelszeit; auf Xetra ist das werktags von 9 bis 17:30 Uhr. Über teilnehmende Broker können Privatanleger dort inzwischen zwar von 8 bis 22 Uhr handeln, und andere Börsenplätze, die viele Broker günstig anbinden, sind bis 22 oder 23 Uhr geöffnet. Außerhalb der Haupthandelszeit sind die Spreads aber meist breiter. Bei Welt-ETFs mit hohem US-Anteil fallen sie oft am niedrigsten aus, wenn zusätzlich die amerikanischen Börsen handeln, in der Regel ab 15:30 Uhr deutscher Zeit. Geben Sie die Order mit einem Limit auf: Sie legen damit einen Höchstpreis fest, etwa knapp über dem aktuellen Briefkurs, also dem Preis, zu dem Sie kaufen können. Eine Order ohne Limit wird dagegen zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, und der kann in hektischen Marktphasen oder bei geringem Handel ungünstig ausfallen.
  6. Abrechnung prüfen und das Depot in Ruhe lassen. Kontrollieren Sie nach dem ersten Kauf, ob Kurs und Gebühren Ihren Erwartungen entsprechen. Danach genügt ein gründlicher Blick im Jahr.

Ob Sie per Sparplan oder mit einem größeren Betrag auf einmal einsteigen, hängt vor allem davon ab, ob das Geld schon da ist. Wer monatlich aus seinem Einkommen spart, für den ist der Sparplan die natürliche Lösung. Liegt ein größerer Betrag bereit, spricht statistisch mehr für die sofortige Anlage, weil die Kurse häufiger steigen als fallen. Wer sich damit unwohl fühlt, kann den Betrag über einige Monate verteilen. Unsere Entscheidungsregel dazu finden Sie im Ratgeber Investieren für Anfänger.

Typische Anfängerfehler bei ETFs

Viele typische Fehler mit ETFs entstehen aus dem Versuch, klüger zu sein als der Markt. Andere sind Formalitäten, die man einmal richtig erledigen muss und dann vergessen kann.

Den ETF nach der Rendite der letzten Jahre auswählen. Ranglisten der „besten ETFs“ werden regelmäßig von Branchen- und Themenfonds angeführt, die gerade einen Lauf hatten, ob Technologie, saubere Energie oder Rüstung. Wer nach einem solchen Boom einsteigt, kauft oft zu Preisen, die die guten Nachrichten längst enthalten. Anleger, die Anfang 2021 nach einem Rekordjahr in ETFs auf saubere Energie einstiegen, erlebten in den Folgejahren herbe Verluste. Themen-ETFs sind zudem meist teurer als Welt-ETFs, und nicht wenige werden nach dem Ende des Hypes mangels Nachfrage wieder geschlossen.

Überschneidungen übersehen. Ein Depot mit je einem ETF auf den MSCI World, den S&P 500 und den Nasdaq-100 sieht nach Streuung aus. Zu gleichen Teilen bespart, stecken darin aber fast 90 Prozent US-Aktien, und die größten Technologiekonzerne sind dreifach vertreten. Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation.

Ständig zum billigsten ETF wechseln. Ein Kostenunterschied von 0,05 Prozentpunkten macht bei 10.000 Euro fünf Euro im Jahr aus. Wer dafür seinen alten ETF verkauft, zahlt unter Umständen Steuern auf die Gewinne und zweimal den Spread. Klüger ist es, den bisherigen ETF zu behalten und nur den Sparplan auf den günstigeren umzustellen.

Ausschüttende ETFs wegen der Dividende wählen. Eine Ausschüttung ist kein zusätzlicher Ertrag: Der Wert des Fonds sinkt um den ausgeschütteten Betrag. Ist Ihr Sparerpauschbetrag ausgeschöpft, müssen Sie die Ausschüttung zudem sofort versteuern und das Geld selbst wieder anlegen. Spezielle Dividenden-ETFs sind obendrein enger gestreut und meist teurer als ein Welt-ETF.

Hebel- und Short-ETFs mit normalen ETFs verwechseln. Diese Fonds sollen die tägliche Indexbewegung verdoppeln oder umkehren und sind für kurzfristige Spekulation gedacht. Weil sich der Hebel jeden Tag neu einstellt, verlieren sie in schwankenden Seitwärtsmärkten Wert, selbst wenn der Index am Ende dort steht, wo er begonnen hat. Für den Vermögensaufbau sind sie ungeeignet.

Den Sparplan in der Krise aussetzen. Wer bei fallenden Kursen pausiert, verzichtet ausgerechnet auf die Monate, in denen er für sein Geld die meisten Anteile bekommt. Legen Sie deshalb vorher fest, dass der Sparplan auch im Crash weiterläuft – und halten Sie sich daran.

Die Steuerformalitäten vergessen. Ein fehlender Freistellungsauftrag kostet Liquidität, ein leeres Verrechnungskonto im Januar sorgt für Ärger mit der Vorabpauschale. Beides ist in fünf Minuten erledigt.

ETFs im Altersvorsorgedepot ab 2027

Wer mit ETFs vor allem fürs Alter vorsorgt, bekommt ab dem 1. Januar 2027 eine neue Möglichkeit. Bundestag und Bundesrat haben die Reform der privaten Altersvorsorge im Frühjahr 2026 beschlossen. Das neue Altersvorsorgedepot ersetzt für Neuverträge die Riester-Rente und darf ohne Garantiezwang in ETFs investieren. Der Staat legt eine Grundzulage von bis zu 540 Euro im Jahr obendrauf, für Kinder gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro je Kind. Für das sogenannte Standardprodukt sind die Kosten auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt.

Für ETF-Anleger ist das eine interessante Ergänzung, aber kein Ersatz für das freie Depot. Der Kostendeckel liegt deutlich über dem, was ein Welt-ETF in einem günstigen Depot kostet, und das Geld ist bis zum Ruhestand gebunden. Bei kleineren Beiträgen gleichen die Zulagen das mehr als aus, bei hohen Beiträgen schrumpft der Vorteil. Die Eckpunkte der Förderung erklären wir im Ratgeber Investieren für Anfänger.

Unser Fazit

ETFs sind für Einsteiger aus unserer Sicht die beste Möglichkeit, am Aktienmarkt teilzuhaben. Sie streuen das Geld über Tausende Unternehmen, kosten einen Bruchteil aktiver Fonds und sind bei einer Pleite von Fondsgesellschaft oder Broker geschützt. Dass man mit ihnen den Markt nicht schlägt, halten wir sogar für ihre eigentliche Stärke: Wer die Marktrendite zuverlässig mitnimmt, schneidet über Jahrzehnte besser ab als die meisten, die sie übertreffen wollen.

Die Schwächen sollten Sie trotzdem ernst nehmen. Auch ein Welt-ETF kann in einer Krise die Hälfte seines Werts verlieren, er hängt je nach Index zu 62 bis 72 Prozent an der US-Börse und schwankt mit dem Dollar. Für Geld, das Sie in den nächsten Jahren benötigen, ist er deshalb die falsche Wahl.

Wenn Sie einen Anlagehorizont von mehr als zehn Jahren haben, raten wir zu einem einzigen thesaurierenden ETF auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World, alternativ auf den MSCI World, mit großem Fondsvolumen und niedrigen Kosten. Eröffnen Sie ein günstiges Depot, richten Sie einen Sparplan ein und lassen Sie ihn laufen. Die Depots, die unsere Kriterien erfüllen, finden Sie in unserem Broker-Vergleich.

Häufige Fragen

Wie viel sollte man als Anfänger in ETFs investieren?

Einen festen Betrag gibt es nicht. Investieren sollten Sie das Geld, das Sie voraussichtlich mehr als zehn Jahre nicht brauchen, und zwar erst, wenn ein Notgroschen von etwa drei Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto liegt. Für den Start genügen 25 oder 50 Euro im Monat; wichtiger als die Höhe ist, dass die Rate regelmäßig fließt und mit Ihrem Einkommen wächst.

Wie viel Geld hat man nach 10 Jahren mit einem ETF?

Das hängt von der Marktentwicklung ab. Mit einem Sparplan von 100 Euro im Monat werden aus 12.000 Euro Einzahlungen nach zehn Jahren rund 14.700 Euro, wenn der ETF 4 Prozent pro Jahr erzielt, rund 16.200 Euro bei 6 Prozent und rund 18.000 Euro bei 8 Prozent, jeweils vor Kosten und Steuern. Zehn Jahre sind allerdings kein Zeitraum, der Gewinne garantiert: Wer im Jahr 2000 einen Einmalbetrag in den MSCI World investierte, lag zehn Jahre später noch im Minus. Ihre eigenen Annahmen können Sie mit unserem ETF-Sparplanrechner durchspielen.

Welche 3 ETFs sollte man haben?

Es müssen keine drei sein. Ein ETF auf den MSCI ACWI oder den FTSE All-World deckt bereits Industrie- und Schwellenländer ab. Wer unbedingt kombinieren möchte, nimmt einen ETF auf den MSCI World und einen auf die Schwellenländer. Ein dritter Baustein kann sinnvoll sein, wenn er eine andere Aufgabe erfüllt, etwa ein Anleihen-ETF als sicherer Teil des Depots. Drei verschiedene Aktien-ETFs auf ähnliche Indizes verbessern die Streuung dagegen kaum.

Warum gilt ein ETF manchmal als schlechte Geldanlage?

Die häufigsten Kritikpunkte sind die starke Konzentration auf US-Konzerne, die Abhängigkeit vom Gesamtmarkt und die Sorge, dass immer mehr passives Geld die Kurse großer Unternehmen verzerrt. Den ersten Punkt halten wir für berechtigt, er spricht aber eher für einen breiteren Welt-Index als gegen ETFs. Die Abhängigkeit vom Gesamtmarkt teilt der ETF mit jeder Aktienanlage; wer sie vermeiden will, muss auf Rendite verzichten oder für eine Absicherung bezahlen. Ob passives Geld die Kurse verzerrt, wird unter Fachleuten diskutiert, ist für Privatanleger aber kein Grund, auf ETFs zu verzichten. Für Einsteiger mit langem Horizont überwiegen die Vorteile aus unserer Sicht deutlich.

Welche ETFs empfiehlt Stiftung Warentest für Anfänger?

Stiftung Warentest empfiehlt mit ihrem Pantoffel-Portfolio eine Kombination aus einem Welt-Aktien-ETF, standardmäßig auf den MSCI World, und einem sicheren Teil aus Tagesgeld, Festgeld oder einem ETF auf Euro-Anleihen. Je nach Risikoneigung schlagen die Tester 25, 50 oder 75 Prozent Aktienanteil vor. Das deckt sich weitgehend mit unserer Empfehlung. Wir ziehen für den Aktienteil einen Welt-Index mit Schwellenländern leicht vor; der Unterschied ist aber gering.

Was ist der Unterschied zwischen ETF und Indexfonds?

Ein Indexfonds ist jeder Fonds, der einen Index nachbildet. Ein ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird. Daneben gibt es Indexfonds, die Sie nur direkt bei der Fondsgesellschaft kaufen und zurückgeben können, zum einmal täglich festgestellten Preis. In der Praxis werden beide Begriffe häufig gleichbedeutend verwendet, weil die meisten Indexfonds für Privatanleger heute ETFs sind.

Lohnen sich ETFs noch, wenn die Kurse auf Rekordhoch stehen?

Ja, denn Rekordstände sind an der Börse eher die Regel als die Ausnahme: Wenn Kurse langfristig steigen, erreichen sie zwangsläufig immer wieder neue Höchststände. Wer auf einen Rückgang wartet, weiß nicht, ob er kommt, und verpasst womöglich weitere Gewinne. Steigen Sie mit einem Sparplan ein, verteilt sich Ihr Einstieg ohnehin auf viele Zeitpunkte.


Hinweis: Geldentscheid finanziert sich unter anderem über Provisionen von Anbietern, die auf unseren Vergleichsseiten aufgeführt sind. Auf die Einschätzungen in diesem Ratgeber hat das keinen Einfluss.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Indexdaten: Stand 31.08.2026; alle übrigen Zahlen: Stand Oktober 2026.

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