ETF oder Fonds? Unterschiede bei Kosten, Management, Risiko und Rendite
ETF oder Fonds – streng genommen ist die Frage schief gestellt, denn auch ein ETF ist ein Fonds. Gemeint ist fast immer etwas anderes: Soll ein Fondsmanager entscheiden, in welche Aktien Ihr Geld fließt, oder genügt ein Indexfonds, der schlicht den Markt nachbildet? An dieser Entscheidung hängen über die Jahre leicht mehrere zehntausend Euro. Ein aktiv gemanagter Aktienfonds kostet in der EU im Durchschnitt rund fünfmal so viel wie ein ETF, und beim Kauf über die Hausbank kommt häufig ein Ausgabeaufschlag von 5 Prozent hinzu. Die bessere Rendite, mit der diese Kosten gerechtfertigt werden, bleibt in den allermeisten Fällen aus.
Unser Urteil vorweg: Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein breit gestreuter ETF für die allermeisten Privatanleger die bessere Wahl. Er ist günstiger und durchschaubarer, und er hat über zehn Jahre nach Kosten besser abgeschnitten als fast neun von zehn aktiven Aktienfonds. Chancenlos sind aktive Fonds trotzdem nicht. Bei Anleihen und bei ungewöhnlich günstigen Fonds stehen ihre Aussichten spürbar besser. Und wer bereits aktive Fonds im Depot hat, sollte nicht überstürzt verkaufen, sondern erst nachrechnen – wie das geht, zeigen wir weiter unten.
ETF oder Fonds: Was ist der Unterschied?
Der Unterschied zwischen ETF und Fonds liegt vor allem im Management: Ein ETF bildet passiv einen Börsenindex nach und kostet meist 0,1 bis 0,3 Prozent im Jahr. Ein klassischer Investmentfonds wird von einem Fondsmanager aktiv gesteuert, kostet im Schnitt ein Mehrfaches und wird beim Kauf über die Bank oft mit einem Ausgabeaufschlag belastet.
Beide sind Investmentfonds. Ein Investmentfonds sammelt das Geld vieler Anleger und legt es nach festen Regeln in Wertpapieren an, etwa in Aktien oder Anleihen. Das Fondsvermögen steht wirtschaftlich den Anlegern zu und ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch börsengehandelter Fonds. Rechtlich und steuerlich behandelt der Gesetzgeber ETFs und klassische Fonds weitgehend gleich.
Wer „ETF oder Fonds“ fragt, vergleicht also zwei Spielarten derselben Anlageform, und die unterscheiden sich in zwei Punkten. Der wichtigere betrifft die Frage, wer über die Zusammensetzung entscheidet. Ein klassischer ETF kauft, was in seinem Index steht, und zwar in dem Verhältnis, das der Index vorgibt; man spricht von passiver Geldanlage. Bei einem aktiv gemanagten Fonds wählt ein Fondsmanager mit seinem Team die Wertpapiere aus und versucht, damit besser abzuschneiden als der Markt. Der zweite Unterschied betrifft den Weg, auf dem Sie Anteile kaufen: ETFs werden an der Börse gehandelt, klassische Fonds gibt die Fondsgesellschaft in der Regel direkt aus und nimmt sie auch wieder zurück, meist vermittelt über eine Bank.
In der Praxis fallen beide Merkmale meistens zusammen, zwingend ist das aber nicht. Es gibt Indexfonds, die nicht an der Börse gehandelt werden, und seit einigen Jahren auch ETFs mit aktivem Management.
| passiv (bildet einen Index nach) | aktiv (Fondsmanager entscheidet) | |
|---|---|---|
| an der Börse gehandelt | klassischer ETF | aktiver ETF |
| über die Fondsgesellschaft ausgegeben | Indexfonds ohne Börsenhandel | klassischer aktiver Fonds |
Um die linke obere und die rechte untere Ecke dieser Übersicht geht es in diesem Ratgeber, denn zwischen diesen beiden Varianten entscheiden sich die meisten Anleger. Den aktiven ETFs widmen wir weiter unten einen eigenen Abschnitt. Wie ein ETF im Einzelnen funktioniert, wie er einen Index nachbildet und woran Sie einen guten erkennen, erklären wir im Ratgeber ETF für Anfänger.
ETF und aktiver Fonds im Vergleich
| ETF (passiv) | Aktiv gemanagter Fonds | |
|---|---|---|
| Wer entscheidet | der Index | der Fondsmanager |
| Ziel | Marktrendite abzüglich geringer Kosten | Marktrendite übertreffen |
| Laufende Kosten (Aktienfonds, EU-Schnitt 2015–2024) | 0,26 % pro Jahr | 1,39 % pro Jahr |
| Ausgabeaufschlag | keiner; beim Kauf fallen Spread und Ordergebühr an | bei Aktienfonds meist 5 %, vermeidbar |
| Erfolgsabhängige Gebühr | nein | bei manchen Fonds |
| Handel | laufend an der Börse | einmal täglich über die Fondsgesellschaft, oft zusätzlich an der Börse |
| Transparenz | Zusammensetzung durch den Index bekannt | vollständige Positionen meist nur in Halbjahres- und Jahresberichten |
| Rendite nach Kosten | Index minus geringe Abweichung | nur knapp 12 % der aktiven Aktienfonds schlugen über zehn Jahre vergleichbare ETFs |
| Schutz bei Pleite der Fondsgesellschaft | Fondsvermögen getrennt geschützt | Fondsvermögen getrennt geschützt |
| Besteuerung | Investmentsteuergesetz | identisch |
Kosten: ESMA, Durchschnitt aller Aktienfonds in der EU (Anteilsklassen für Privat- und institutionelle Anleger). Rendite: Morningstar, zehn Jahre bis 30.06.2026.
Die Tabelle macht deutlich, wo die Unterschiede liegen und wo nicht. Bei Sicherheit und Steuern gibt es keine, beim Handel sind sie für langfristige Anleger zweitrangig. Den Ausschlag geben Kosten und Rendite, und beide hängen eng zusammen. Anleger in Deutschland haben ihre Wahl dabei offenbar längst getroffen: Von den rund 86 Milliarden Euro, die 2025 netto in Publikumsfonds flossen, entfielen nach Angaben des Fondsverbands BVI rund 57 Milliarden auf ETFs, im zweiten Quartal 2026 sogar 96 Prozent der Zuflüsse.
Management: Index statt Fondsmanager
Hinter einem aktiv gemanagten Fonds steht ein Fondsmanager, meist unterstützt von einem Team aus Analysten. Sie bewerten Unternehmen, besuchen Hauptversammlungen, rechnen Szenarien durch und entscheiden, welche Aktien sie stärker und welche sie schwächer gewichten als der Vergleichsmarkt. Dieser Vergleichsmaßstab heißt Benchmark und steht im Verkaufsprospekt, bei einem Fonds für weltweite Aktien zum Beispiel der MSCI World. Innerhalb der Anlagebedingungen hat das Management erhebliche Freiheiten: Es kann sich auf wenige Branchen konzentrieren, einzelne Länder meiden oder einen Teil des Geldes vorübergehend in Kasse halten. Grenzen ziehen vor allem die europäischen Fondsregeln: Ein Fonds darf in der Regel höchstens 10 Prozent in die Papiere eines einzelnen Emittenten stecken, und alle Positionen über 5 Prozent dürfen zusammen nicht mehr als 40 Prozent ausmachen.
Diese Freiheit ist Versprechen und Risiko zugleich. Ob ein aktiver Fonds gut abschneidet, hängt an den Entscheidungen weniger Menschen. Wechselt der Manager, kann sich die Strategie ändern, und eine starke Vergangenheit sagt dann noch weniger über die Zukunft als ohnehin. Hinzu kommt ein Problem, das von außen schwer zu erkennen ist: Manche aktiven Fonds weichen kaum von ihrem Vergleichsindex ab, verlangen aber die volle Gebühr für aktives Management. Fachleute sprechen von Closet Indexing, heimlichen Indexfonds. Für Anleger ist das die ungünstigste Kombination, denn sie bekommen im Kern die Indexrendite und zahlen dafür ein Vielfaches dessen, was ein ETF kostet.
Ein ETF kommt ohne diese Personenabhängigkeit aus. Er folgt einem öffentlich bekannten Regelwerk, und jede Änderung im Index vollzieht er automatisch nach. Das heißt allerdings nicht, dass beim passiven Investieren niemand entscheidet. Die wichtigste Entscheidung treffen Sie selbst, nämlich bei der Wahl des Index. Ein ETF auf einen breiten Welt-Index ist etwas völlig anderes als einer auf eine einzelne Branche, und die Regeln des Index haben Folgen: Weil die großen Welt-Indizes nach Börsenwert gewichtet sind, wächst der Anteil von Aktien, die stark gestiegen sind, auch dann weiter, wenn sie gemessen an ihren Gewinnen teuer geworden sind. Ein Fondsmanager könnte gegensteuern. Ein ETF tut es nicht.
Kosten: Hier liegt der größte Unterschied
Über die künftige Rendite eines Fonds lässt sich nur spekulieren, über seine Kosten nicht. Sie fallen Jahr für Jahr sicher an und sind der verlässlichste Grund, warum aktive Fonds im Durchschnitt hinter ETFs zurückbleiben.
Laufende Kosten
Die laufenden Kosten eines Fonds, häufig als TER (Total Expense Ratio) angegeben, umfassen vor allem die Vergütung für Management und Vertrieb sowie die Gebühren der Verwahrstelle. Sie werden nicht separat abgebucht, sondern täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen. Deshalb tauchen sie auf keiner Abrechnung auf und mindern doch jedes Jahr die Rendite.
Wie groß der Abstand ist, zeigt die europäische Wertpapieraufsicht ESMA, die jedes Jahr Kosten und Renditen der in der EU vertriebenen Publikumsfonds auswertet. Aktiv gemanagte Aktienfonds kosteten im Durchschnitt der zehn Jahre bis Ende 2024 jährlich 1,39 Prozent, Aktien-ETFs 0,26 Prozent. Für 2024 allein lagen die Werte bei 1,28 und 0,21 Prozent. Passive Fonds sind nach den Worten der Behörde im Schnitt 60 bis 80 Prozent günstiger. In Euro bedeutet das: Auf 10.000 Euro zahlen Sie für einen durchschnittlichen aktiven Aktienfonds rund 139 Euro im Jahr, für einen durchschnittlichen Aktien-ETF rund 26 Euro, für einen großen Welt-ETF oft noch weniger. Die Durchschnittswerte enthalten auch günstige Anteilsklassen für Großanleger. Fonds, die Privatkunden in der Bankfiliale angeboten werden, kosten nicht selten 1,5 Prozent und mehr.
Nicht in der TER enthalten sind die Kosten, die innerhalb des Fonds beim Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren entstehen. Sie stehen im Basisinformationsblatt unter den Transaktionskosten und fallen bei aktiven Fonds meist höher aus, weil dort mehr umgeschichtet wird als bei einem ETF, der nur die Änderungen im Index nachvollzieht.
Ausgabeaufschlag und erfolgsabhängige Gebühren
Der Ausgabeaufschlag ist eine Gebühr, die beim Kauf von Fondsanteilen über die Fondsgesellschaft anfällt. Bei Aktienfonds beträgt er meist 5 Prozent, bei Rentenfonds um 3 Prozent. Er fließt in der Regel ganz oder überwiegend an die Bank oder den Vermittler, der den Fonds verkauft. Für Sie bedeutet ein Aufschlag von 5 Prozent, dass von 10.000 Euro nur rund 9.524 Euro tatsächlich angelegt werden. Der Fonds muss also erst 5 Prozent erwirtschaften, bevor Sie wieder bei Ihrem Einsatz sind.
Zahlen müssen Sie diesen Aufschlag allerdings nicht. Viele aktive Fonds lassen sich auch über die Börse kaufen, etwa in Frankfurt oder Hamburg. Dort fällt kein Ausgabeaufschlag an, dafür die übliche Ordergebühr Ihres Depots und ein Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die bei Fonds höher ausfallen kann als bei großen ETFs. Online-Broker und Fondsvermittler gewähren außerdem häufig Rabatte auf den Ausgabeaufschlag, bei vielen Fonds bis zu 100 Prozent. Wer einen bestimmten aktiven Fonds unbedingt haben möchte, sollte ihn deshalb nicht in der Filiale kaufen.
Einige aktive Fonds verlangen zusätzlich eine erfolgsabhängige Gebühr, eine sogenannte Performance Fee. Sie wird fällig, wenn der Fonds besser abschneidet als ein festgelegter Maßstab. Seit 2021 gelten dafür strengere europäische Leitlinien: Eine solche Gebühr darf erst wieder erhoben werden, wenn der Fonds frühere Rückstände gegenüber dem Maßstab aufgeholt hat; betrachtet werden dabei mindestens die letzten fünf Jahre. Abgerechnet wird in der Regel höchstens einmal im Jahr. Fällig werden kann die Gebühr allerdings auch in einem Verlustjahr, wenn der Fonds weniger verloren hat als sein Maßstab. Fair ist das Modell deshalb nur bedingt, zumal Sie die festen laufenden Kosten auch in schlechten Jahren zahlen. Wir halten Fonds ohne Performance Fee für die bessere Wahl.
Rechenbeispiel: Fondssparplan gegen ETF-Sparplan
Besonders teuer wird der Ausgabeaufschlag bei einem Fondssparplan, wie ihn viele Banken anbieten, denn er wird auf jede einzelne Rate fällig. Das Beispiel vergleicht einen Sparplan über 300 Euro im Monat, der 25 Jahre läuft. Eingezahlt werden insgesamt 90.000 Euro.
| Variante | Depotwert nach 10 Jahren | nach 25 Jahren | Abstand zum ETF nach 25 Jahren |
|---|---|---|---|
| ETF-Sparplan, 0,2 % laufende Kosten, keine Ausführungsgebühr | rund 48.200 € | rund 197.100 € | – |
| Aktiver Fonds, 1,5 % laufende Kosten, ohne Ausgabeaufschlag | rund 45.100 € | rund 163.700 € | rund 33.400 € |
| Aktiver Fonds, 1,5 % laufende Kosten, 5 % Ausgabeaufschlag auf jede Rate | rund 43.000 € | rund 155.900 € | rund 41.200 € |
Rechenbeispiel: 6 % Rendite pro Jahr vor Kosten für alle Varianten, monatliche Einzahlung, die Kosten mindern die Jahresrendite, vor Steuern.
Der Abstand von gut 41.000 Euro entspricht fast der Hälfte dessen, was der Sparer in 25 Jahren selbst einzahlt. Bemerkenswert ist, woher er kommt. Die Ausgabeaufschläge summieren sich über die gesamte Laufzeit auf rund 4.300 Euro, zusammen mit den entgangenen Erträgen auf dieses Geld machen sie knapp 8.000 Euro des Abstands aus. Den weitaus größeren Teil verursachen die laufenden Kosten, weil sie Jahr für Jahr auf das gesamte, wachsende Vermögen anfallen. Wer den Ausgabeaufschlag vermeidet, löst also nur das kleinere Problem.
Dabei ist die Rechnung für den aktiven Fonds noch freundlich. Sie unterstellt, dass sein Manager vor Kosten genauso gut abschneidet wie der Markt. Wie realistisch das ist, zeigt der Abschnitt zur Rendite. Ihre eigenen Zahlen können Sie mit dem Anlagekostenrechner durchspielen; was hinter TER, Spread und Orderkosten im Einzelnen steckt, erklären wir im Ratgeber Kosten der Geldanlage.
Warum Banken trotzdem aktive Fonds empfehlen
Wenn die Zahlen so eindeutig sind, warum empfehlen viele Bankberater dann aktive Fonds? Die Antwort steckt in den laufenden Kosten. Ein erheblicher Teil davon landet nicht bei der Fondsgesellschaft, sondern bei der Bank, die den Fonds verkauft hat, und zwar Jahr für Jahr, solange der Kunde investiert bleibt. Diese Bestandsprovisionen sind beträchtlich. Bei Fondsgesellschaften, die solche Provisionen zahlen, flossen 2023 nach Berechnungen der ESMA rund 45 Prozent der laufenden Kosten an den Vertrieb. Von 127 Euro laufenden Kosten, die ein Anleger auf 10.000 Euro im Jahr zahlte, gingen im Durchschnitt 62 Euro an Banken und Vermittler. Hinzu kommt der Ausgabeaufschlag. ETFs werfen für Vermittler dagegen in der Regel keine laufenden Provisionen ab, allenfalls Werbezuschüsse für Sparplan-Aktionen.
Verboten sind solche Zahlungen nicht. Banken dürfen Provisionen annehmen, wenn sie diese offenlegen und die Provision der Qualität der Beratung dient. Daran ändert auch die EU-Kleinanlegerstrategie wenig, auf die sich Parlament und Rat im Dezember 2025 vorläufig geeinigt haben; formell verabschiedet ist sie noch nicht. Ein Provisionsverbot sieht sie nicht vor, wohl aber strengere Prüfungen: Finanzprodukte sollen ihre Kosten im Vergleich zu ähnlichen Angeboten rechtfertigen müssen. Gelten werden die neuen Regeln voraussichtlich erst gegen Ende des Jahrzehnts.
Das bedeutet nicht, dass jeder Berater gegen die Interessen seiner Kunden handelt. Es bedeutet aber, dass der Anreiz in eine bestimmte Richtung zeigt, und das sollten Sie wissen, bevor Sie einer Empfehlung folgen. Fragen Sie bei jedem Fondsvorschlag nach den Gesamtkosten in Euro, einmalig und pro Jahr, und nach dem Anteil, den die Bank davon erhält. Wer unabhängigen Rat sucht, ist bei einem Honorar-Anlageberater besser aufgehoben, der offen abrechnet und Provisionen an den Kunden weitergeben muss.
Rendite: Was die Studien zeigen
Ein aktiver Fonds ist seine höheren Kosten wert, wenn er nach Abzug dieser Kosten mehr erwirtschaftet als ein ETF auf denselben Markt. Ob das gelingt, untersuchen zwei regelmäßig erscheinende Auswertungen, die beide auch Fonds berücksichtigen, die im Lauf der Jahre geschlossen wurden.
Der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices vergleicht in seinen SPIVA-Berichten die Wertentwicklung aktiver Fonds mit der ihres Vergleichsindex. Die jüngste Ausgabe für Europa vom März 2026 zeigt für auf Euro lautende Aktienfonds folgendes Bild:
| Anlageschwerpunkt | 1 Jahr | 5 Jahre | 10 Jahre |
|---|---|---|---|
| Aktien weltweit | 70,6 % | 95,3 % | 98,4 % |
| Aktien Europa | 81,8 % | 93,9 % | 97,0 % |
| Aktien Deutschland | 70,0 % | 87,9 % | 94,6 % |
| Aktien USA | 77,0 % | 97,0 % | 98,2 % |
| Aktien Schwellenländer | 47,7 % | 76,7 % | 90,9 % |
Anteil der aktiven Fonds, die ihren Vergleichsindex verfehlt haben. Zeiträume bis 31.12.2025. Quelle: S&P Dow Jones Indices, SPIVA Europe Year-End 2025.
Von den aktiven Fonds für weltweite Aktien blieben über zehn Jahre also 98 von 100 hinter dem Index zurück. Nun ließe sich einwenden, dass ein Index keine Kosten hat und der Vergleich deshalb unfair ist. Die Fondsratingagentur Morningstar misst aktive Fonds deshalb an der tatsächlichen Rendite vergleichbarer ETFs und Indexfonds, also an der Alternative, die Anleger wirklich hätten kaufen können. Als Erfolg zählt nur, wenn ein Fonds über den gesamten Zeitraum überlebt und nach Kosten besser abgeschnitten hat. Das Ergebnis fällt kaum freundlicher aus. In den zehn Jahren bis Ende Juni 2026 gelang das nur 11,9 Prozent der aktiven Aktienfonds in Europa, in der großen Kategorie der weltweit anlegenden Standardwertefonds gerade einmal 4 Prozent.
Zwei weitere Befunde sind für Anleger mindestens ebenso wichtig wie die Durchschnittswerte.
Viele Fonds verschwinden. Von den aktiven Fonds für europäische Aktien, die es vor zehn Jahren gab, existierten Ende 2025 laut SPIVA nur noch 57 Prozent. Die übrigen wurden geschlossen oder mit anderen Fonds verschmolzen, und das trifft erfahrungsgemäß vor allem erfolglose Fonds. Wer sich heute die Zehnjahresrenditen der verfügbaren Fonds ansieht, sieht deshalb nur die Überlebenden, und die Branche wirkt erfolgreicher, als sie war.
Erfolg ist selten von Dauer. Wäre Fondsmanagement eine Frage des Könnens, müssten gute Fonds häufig gut bleiben. Die Daten zeigen das Gegenteil. Von 408 weltweit anlegenden Aktienfonds, die Ende 2020 nach fünf Jahren zur besseren Hälfte ihrer Kategorie gehörten, schafften das in den folgenden fünf Jahren nur 16 Prozent erneut, wie eine Auswertung von S&P vom Mai 2026 zeigt. Rein rechnerisch wäre bei bloßem Zufall etwa die Hälfte zu erwarten gewesen. Für keine der untersuchten europäischen Fondskategorien fanden die Autoren überzeugende Belege dafür, dass gute Ergebnisse Bestand haben. Die Siegerfonds der vergangenen Jahre sind deshalb ein schlechter Wegweiser.
Wie hoch die Hürde liegt, lässt sich auch umgekehrt ausrechnen. Damit ein aktiver Fonds mit 1,5 Prozent laufenden Kosten und 5 Prozent Ausgabeaufschlag nach zehn Jahren genauso viel abwirft wie ein ETF mit 0,2 Prozent, muss er bei einer Einmalanlage vor Kosten Jahr für Jahr rund 1,8 Prozentpunkte mehr erzielen als der Markt. Bei einem Sparplan mit Ausgabeaufschlag auf jede Rate sind es über zehn Jahre sogar gut 2,2 Prozentpunkte, weil die jüngsten Raten kaum Zeit haben, den Aufschlag wieder hereinzuholen. Ohne Ausgabeaufschlag bleiben 1,3 Prozentpunkte, Jahr für Jahr. Wenige Manager schaffen das ein paar Jahre lang, kaum einer über Jahrzehnte.
Im Durchschnitt aller Aktienfonds in der EU schlägt sich das deutlich nieder. Nach den Zahlen der ESMA brachten aktive Aktienfonds in den zehn Jahren bis Ende 2024 nach laufenden Kosten durchschnittlich 7,6 Prozent pro Jahr, Aktien-ETFs 9,3 Prozent. Ausgabeaufschläge sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Der Vergleich ist nicht ganz sauber, weil aktive und passive Fonds nicht genau in dieselben Märkte investieren. Die Richtung bestätigt er trotzdem.
Ein Punkt spricht für aktive Fonds, und er sollte nicht unterschlagen werden: Günstige aktive Fonds schneiden erkennbar besser ab als teure. Im günstigsten Fünftel der aktiven Aktienfonds lag die Erfolgsquote über zehn Jahre bei 18,8 Prozent, im teuersten Fünftel bei 4,3 Prozent. Auch das ist keine gute Quote. Aber es zeigt, dass die Kosten der verlässlichste Hinweis darauf sind, ob ein aktiver Fonds überhaupt eine Chance hat.
Risiko: Schützt ein Fondsmanager in der Krise?
Das häufigste Argument für aktive Fonds lautet, ein Manager könne in einer Krise gegensteuern, während ein ETF jeden Absturz ungebremst mitmacht. Der zweite Teil stimmt. Ein Aktien-ETF verliert, wenn der Markt fällt, und ein Welt-ETF kann in einer schweren Krise die Hälfte seines Werts einbüßen. Ob der erste Teil stimmt, lässt sich an den letzten beiden großen Börsenkrisen überprüfen.
Im Corona-Jahr 2020 sah es für aktive Fonds tatsächlich besser aus als sonst. Nur 37 Prozent der aktiven Fonds für europäische Aktien blieben in diesem Kalenderjahr hinter ihrem Index zurück, bei deutschen Aktien waren es 46 Prozent. In diesen Kategorien hatte die Mehrheit also die Nase vorn, bei Fonds für weltweite Aktien allerdings nicht: Dort verfehlten auch 2020 rund 55 Prozent ihren Index. Zwei Jahre später kehrte sich das Bild um: 2022, als Aktien und Anleihen gleichzeitig fielen, verfehlten 87 Prozent der Europa-Fonds ihren Index, so viele wie noch nie, seit S&P diese Auswertung für Europa im Jahr 2014 begonnen hat. Bei Fonds für weltweite Aktien waren es 79 Prozent. Einen verlässlichen Schutz in Krisen bieten aktive Fonds damit nicht. Manchmal liegen die Manager richtig, manchmal nicht, und im Voraus weiß niemand, in welcher Krise welcher Fall eintritt.
Hinzu kommt, dass ein aktiver Fonds eigene Risiken mitbringt, die ein ETF nicht hat. Ein Manager, der auf wenige Branchen oder Unternehmen setzt, kann auch in guten Börsenjahren deutlich hinter dem Markt liegen. Diese Abweichung ist gewollt, denn ohne sie gäbe es keine Chance auf eine Mehrrendite. Sie bedeutet aber, dass ein aktiver Fonds keineswegs automatisch sicherer ist als ein ETF.
Der ETF hat dafür seine eigene Schwäche, und die liegt in der Gewichtung nach Börsenwert. Ende August 2026 entfielen im MSCI World 72,1 Prozent auf die USA und 26,6 Prozent auf die zehn größten Unternehmen, überwiegend amerikanische Technologiekonzerne. Die Streuung ist breiter als in fast jedem aktiven Fonds, aber ungleichmäßiger, als der Name vermuten lässt. Ein aktiver Manager kann dieses Klumpenrisiko verringern, wenn er es für überzogen hält. Ob sich das auszahlt, steht auf einem anderen Blatt. Wer den US-Anteil etwas senken möchte, erreicht das auch mit einem ETF auf einen Welt-Index mit Schwellenländern; welche Indizes infrage kommen, steht im Ratgeber ETF für Anfänger.
Beim Schutz vor einer Pleite gibt es keinen Unterschied. Bei Fonds nach deutschem Recht spricht man vom Sondervermögen: Es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft gehalten, haftet nicht für deren Schulden und fällt bei ihrer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse. Für ETFs gilt das genauso wie für aktive Fonds. Die meisten ETFs sind zwar in Irland oder Luxemburg aufgelegt, wo die rechtliche Konstruktion eine andere ist, nach den europäischen Fondsregeln sind Anleger dort aber vergleichbar geschützt. Ein Bankberater, der das Sondervermögen als besonderen Vorzug seines Fonds herausstellt, verkauft Ihnen also eine Selbstverständlichkeit.
Handel, Transparenz und Steuern
Handel. Kaufen Sie einen klassischen Fonds über Ihre Bank bei der Fondsgesellschaft, wird Ihr Auftrag einmal täglich zum dann festgestellten Anteilwert abgerechnet. Den Preis kennen Sie bei der Order noch nicht, denn die Fondsgesellschaft berechnet ihn erst nach einem festen Annahmeschluss; Aufträge, die später eingehen, werden zum Preis des nächsten Tages ausgeführt. Ein ETF wird dagegen laufend an der Börse gehandelt, auf Xetra regulär von 9 bis 17:30 Uhr und für Privatanleger über teilnehmende Broker inzwischen von 8 bis 22 Uhr. Sie sehen den Kurs, können ein Limit setzen und zahlen neben der Ordergebühr den Spread. Viele Ratgeber machen um diesen Unterschied viel Aufhebens. Für langfristige Anleger halten wir ihn für nebensächlich, denn wer 20 Jahre investiert bleiben will, braucht keinen Handel im Minutentakt. Entscheidend am Vertriebsweg ist der Ausgabeaufschlag, nicht die Handelszeit.
Transparenz. Welche Aktien in einem ETF stecken, gibt der Index vor; physisch nachbildende ETFs veröffentlichen ihre Positionen in der Regel täglich. Bei aktiven Fonds erfahren Anleger die vollständige Zusammensetzung meist nur aus den Halbjahres- und Jahresberichten, im monatlichen Factsheet stehen oft nur die größten Positionen. Wer wissen will, wofür er bezahlt, hat es beim ETF deutlich leichter.
Steuern. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen ETF und klassischem Fonds. Beide fallen unter das Investmentsteuergesetz, Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, und bei thesaurierenden Fonds kann jedes Jahr eine Vorabpauschale anfallen. Entscheidend für die Steuerlast ist nicht, ob ein Fonds aktiv oder passiv verwaltet wird, sondern worin er anlegt. Davon hängt die Teilfreistellung ab, also der Teil der Erträge, der steuerfrei bleibt.
| Fondsart | Voraussetzung | Steuerfreier Teil der Erträge |
|---|---|---|
| Aktienfonds | fortlaufend mehr als 50 % in Aktien | 30 % |
| Mischfonds | fortlaufend mindestens 25 % in Aktien | 15 % |
| Immobilienfonds | fortlaufend mehr als 50 % in Immobilien | 60 % (bei überwiegend ausländischen Immobilien 80 %) |
| sonstige Fonds, z. B. Rentenfonds | – | 0 % |
Ein Aktien-ETF und ein aktiver Aktienfonds werden also exakt gleich besteuert. Wie die Vorabpauschale berechnet wird und welche Freibeträge gelten, erklären wir im Ratgeber ETF für Anfänger.
Aktive ETFs: Lohnt sich die Mischform?
Seit einigen Jahren verschwimmen die Grenzen. Aktive ETFs werden wie gewöhnliche ETFs an der Börse gehandelt, bilden aber keinen Index nach; ein Management entscheidet, welche Wertpapiere gekauft werden. Der Markt wächst schnell. In Europa steckten Ende 2025 nach Daten von Morningstar 78,4 Milliarden Euro in aktiven ETFs, knapp die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Auf Xetra waren zum Jahresende 367 aktive ETFs gelistet, und inzwischen haben auch große deutsche Fondsgesellschaften eigene aktive ETFs aufgelegt. Gemessen am gesamten europäischen ETF-Markt ist das Segment mit einem Anteil von 2,9 Prozent allerdings noch klein.
Für Anleger, die auf aktives Management setzen wollen, haben aktive ETFs zwei Vorteile gegenüber klassischen aktiven Fonds. Ein Ausgabeaufschlag fällt beim Kauf über die Börse nicht an, und die laufenden Kosten liegen meist deutlich niedriger. Ein Teil der großen aktiven ETFs verfolgt zudem einen Ansatz, der sich nur in engen Grenzen vom Vergleichsindex entfernt und entsprechend wenig kostet. Das Grundproblem lösen aktive ETFs aber nicht: Auch ihr Management muss nach Kosten besser abschneiden als der Markt, und dafür gibt es wie bei jedem aktiven Fonds keine Gewähr. Weil die meisten aktiven ETFs erst wenige Jahre alt sind, fehlt zudem eine aussagekräftige Erfolgsbilanz. Bei der Transparenz bleiben manche hinter klassischen ETFs zurück. In Irland aufgelegte ETFs dürfen ihre Positionen seit April 2025 statt täglich auch nur vierteljährlich veröffentlichen, und genutzt wird diese Möglichkeit vor allem von aktiven ETFs, die ihre Strategie nicht offenlegen wollen.
Unser Urteil: Wer unbedingt aktiv investieren möchte, ist mit einem günstigen aktiven ETF besser bedient als mit einem teuren Fonds aus der Bankfiliale. Als Ersatz für einen breit gestreuten Welt-ETF im Kern des Depots sehen wir aktive ETFs nicht.
Wann ein aktiver Fonds sinnvoll sein kann
Die Studienlage spricht klar gegen aktive Aktienfonds als Grundbaustein. Daraus folgt aber nicht, dass ein aktiver Fonds nie eine vernünftige Wahl sein kann. Es gibt drei Konstellationen, in denen wir ihn für vertretbar halten.
Bei Anleihen. Aktive Rentenfonds schneiden deutlich besser ab als aktive Aktienfonds: Über zehn Jahre schlug rund ein Drittel von ihnen vergleichbare passive Fonds, bei Aktienfonds war es nicht einmal jeder achte. Das hat Gründe. Anleiheindizes gewichten Schuldner nach der Höhe ihrer Schulden, viele Anleihen werden selten gehandelt, und ein Manager kann bei Laufzeiten und Bonität mehr bewirken als bei einem großen Aktienindex. Auch hier scheitert allerdings die Mehrheit, und für den sicheren Teil des Vermögens genügen vielen Anlegern ohnehin Tagesgeld, Festgeld oder ein günstiger Anleihen-ETF.
Bei einer bewusst gewählten Strategie, die kein Index abbildet. Wer etwa besonders strenge ethische Kriterien anlegen möchte oder eine Strategie verfolgt, für die es keinen passenden Index gibt, kann zu einem aktiven Fonds greifen. Dann sollte er aber wissen, dass er für diese Überzeugung bezahlt, und den Fonds möglichst günstig kaufen.
Bei Mischfonds für Anleger, die sich um nichts kümmern wollen. Ein Mischfonds legt in Aktien und Anleihen an und übernimmt die Aufteilung. Das ist bequem, aber teuer erkauft. Ein Mischfonds mit 1,5 Prozent laufenden Kosten kostet auf 20.000 Euro rund 300 Euro im Jahr. Wer stattdessen 10.000 Euro in einen Welt-ETF mit 0,2 Prozent und 10.000 Euro aufs Tagesgeld legt, zahlt rund 20 Euro. Er hat damit eine ähnliche Aufteilung zwischen chancenreichem und sicherem Teil, muss sie aber gelegentlich selbst wieder ins Gleichgewicht bringen; wie das geht, erklärt der Ratgeber Rebalancing. Für Anleger, die das nicht wollen, ist ein Robo-Advisor aus unserer Sicht die bessere Alternative zum Mischfonds: Er erledigt die Aufteilung ebenfalls und kostet in der Regel deutlich weniger.
Entscheiden Sie sich für einen aktiven Fonds, sollte er die folgenden Kriterien erfüllen.
| Kriterium | Unser Richtwert |
|---|---|
| Ausgabeaufschlag | keiner – Kauf über die Börse oder mit vollem Rabatt |
| Laufende Kosten | deutlich unter dem Durchschnitt, bei Aktienfonds möglichst unter 1 % pro Jahr |
| Erfolgsabhängige Gebühr | keine |
| Vergleichsmaßstab | Wertentwicklung nach Kosten über mindestens zehn Jahre gegen einen ETF auf denselben Markt, nicht gegen andere aktive Fonds |
| Management | seit Jahren dasselbe Team, nachvollziehbare und beständige Strategie |
| Abweichung vom Index | der Fonds muss sich erkennbar vom Index unterscheiden, sonst ist ein ETF die günstigere Lösung |
| Anteil am Depot | Beimischung neben einem breiten ETF als Kern |
Sie haben schon aktive Fonds? So gehen Sie vor
Viele Leser dieses Ratgebers besitzen bereits aktive Fonds, häufig über einen Sparplan bei der Hausbank. Für sie stellt sich eine andere Frage als für Einsteiger: nicht, was sie kaufen sollen, sondern was mit dem Bestand geschehen soll.
Kosten feststellen. Ihre Bank muss Ihnen einmal im Jahr eine Aufstellung der Kosten schicken, die im Vorjahr angefallen sind, einschließlich der Provisionen, die sie selbst erhalten hat. Diese Ex-post-Kosteninformation zeigt die Beträge in Euro und ist der schnellste Weg, sich ein Bild zu machen. Die laufenden Kosten eines einzelnen Fonds finden Sie außerdem im Basisinformationsblatt.
Sparplan umstellen. Der einfachste Schritt kostet nichts: Beenden Sie den Fondssparplan und richten Sie für künftige Raten einen ETF-Sparplan ein, am besten in einem Depot ohne Sparplan- und Depotgebühren. Der vorhandene Bestand bleibt davon unberührt. Wie Sie den neuen Sparplan einrichten, erklären wir im Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.
Bestand verkaufen oder halten? Ein Gedanke vorab: Den Ausgabeaufschlag haben Sie beim Kauf bezahlt, er ist verloren, ob Sie verkaufen oder nicht. Er ist deshalb kein Grund, einen teuren Fonds zu behalten. Entscheidend sind die künftigen Kosten und die Steuer, die ein Verkauf auslöst. Ein Beispiel: Ein Aktienfonds ist 30.000 Euro wert, davon sind 10.000 Euro Gewinn. Beim Verkauf bleiben 30 Prozent des Gewinns dank Teilfreistellung steuerfrei. Ist der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro noch frei, werden auf die verbleibenden 6.000 Euro rund 1.580 Euro Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag fällig. Kostet der Fonds 1,5 Prozent im Jahr und der ETF 0,2 Prozent, sparen Sie auf die nach Steuern verbleibende Summe rund 370 Euro jährlich; nach gut vier Jahren ist die Steuer wieder hereingeholt. Dazu kommt, dass Sie diese Steuer ohnehin zahlen müssten, sobald Sie den Fonds irgendwann verkaufen. Durch den Wechsel zahlen Sie sie nur früher. Bei teuren Aktienfonds und einem Anlagehorizont von mehreren Jahren spricht deshalb fast immer mehr für den Wechsel. Größere Gewinne können Sie auf zwei Kalenderjahre verteilen, etwa mit einem Teilverkauf im Dezember und einem im Januar, um den Sparerpauschbetrag zweimal zu nutzen.
Vorsicht bei Fondsanteilen, die Sie vor 2009 gekauft haben. Für diese sogenannten bestandsgeschützten Altanteile gelten Sonderregeln. Wertzuwächse bis Ende 2017 bleiben steuerfrei. Gewinne, die seit 2018 entstanden sind, sind nur steuerpflichtig, soweit sie insgesamt 100.000 Euro pro Person übersteigen. Ihre Bank berücksichtigt diesen Freibetrag beim Verkauf allerdings nicht, Sie holen die einbehaltene Steuer über die Steuererklärung zurück. Er gilt zudem nur für den Gewinn beim Verkauf; Ausschüttungen und Vorabpauschalen werden auch bei Altanteilen laufend besteuert. Wer Altanteile verkauft und das Geld in einen ETF steckt, gibt den Freibetrag für künftige Kursgewinne auf. Ein Wechsel kann sich trotzdem lohnen. Liegen 20.000 Euro in einem alten Fonds mit 1,5 Prozent laufenden Kosten, wachsen sie bei 6 Prozent Rendite vor Kosten in 15 Jahren weitgehend steuerfrei auf rund 38.700 Euro. In einem ETF mit 0,2 Prozent wären es rund 46.600 Euro, nach Steuern auf den Gewinn immer noch rund 41.700 Euro. Die Rechnung ist vereinfacht und eher zugunsten des Altfonds angelegt. Je günstiger der alte Fonds ist und je kürzer Ihr Horizont, desto eher kann sich das Halten lohnen. In diesem Fall empfehlen wir, vor einem Verkauf genau nachzurechnen oder steuerlichen Rat einzuholen.
Depot übertragen statt verkaufen. Wer seine Fonds behalten, aber die Depotgebühren der Hausbank loswerden möchte, kann den Bestand in ein günstigeres Depot übertragen lassen. Dabei wird nichts verkauft, und es fallen keine Steuern an. Wie das abläuft, beschreibt unser Ratgeber zum Depotübertrag.
Unser Fazit
Die Frage „ETF oder Fonds?“ ist in Wahrheit die Frage, ob sich aktives Fondsmanagement für Sie bezahlt macht. Für den Kern eines langfristigen Vermögens lautet unsere Antwort: in aller Regel nicht. Ein breit gestreuter ETF liefert die Rendite des Marktes zu einem Bruchteil der Kosten, ist bei einer Pleite der Fondsgesellschaft genauso geschützt und wird steuerlich genauso behandelt wie ein aktiver Fonds. Aktive Aktienfonds müssten ihren Kostennachteil Jahr für Jahr durch eine bessere Auswahl wettmachen, und daran scheitert über zehn Jahre die große Mehrheit. Welche Fonds zu den wenigen Ausnahmen gehören werden, lässt sich im Voraus nicht erkennen.
Den Nachteil des ETFs sollten Sie trotzdem kennen. Er macht jede Krise in voller Höhe mit und folgt den Schwerpunkten seines Index, beim MSCI World also vor allem der US-Börse. Einen verlässlichen Schutz davor bietet allerdings auch ein Fondsmanager nicht. Aktive Fonds halten wir deshalb nur in Ausnahmefällen für sinnvoll, am ehesten bei Anleihen oder als günstige Beimischung, und dann ohne Ausgabeaufschlag gekauft.
Unsere Empfehlung: Investieren Sie neues Geld in einen thesaurierenden ETF auf einen breiten Welt-Index, am einfachsten per Sparplan in einem Depot ohne Grund- und Sparplangebühren. Laufen bei Ihnen noch teure Fondssparpläne, stellen Sie diese um und rechnen Sie für den Bestand nach, ob sich ein Verkauf lohnt. Welche Depots unsere Kriterien erfüllen, zeigt unser Broker-Vergleich.
Häufige Fragen
Ist ein ETF ein Fonds?
Ja – ein ETF ist ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird. Meist bildet er einen Index nach und wird deshalb auch als börsengehandelter Indexfonds bezeichnet. Wenn umgangssprachlich von „Fonds“ die Rede ist, meinen viele Anleger dagegen einen aktiv gemanagten Fonds, bei dem ein Fondsmanager die Wertpapiere auswählt.
Was lohnt sich mehr, Fonds oder ETFs?
Für die allermeisten Anleger lohnt sich ein ETF mehr. Über zehn Jahre schnitten nach einer Auswertung von Morningstar nur knapp 12 Prozent der aktiven Aktienfonds in Europa nach Kosten besser ab als vergleichbare passive Fonds. Der wichtigste Grund sind die Kosten: Aktive Aktienfonds kosteten in der EU im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre 1,39 Prozent im Jahr, Aktien-ETFs 0,26 Prozent, und beim Kauf über die Bank kommt oft ein Ausgabeaufschlag hinzu.
Was kosten aktiv gemanagte Fonds?
Aktive Aktienfonds kosteten in der EU im Durchschnitt der zehn Jahre bis 2024 laufend 1,39 Prozent pro Jahr, also rund 139 Euro auf 10.000 Euro. Fonds aus dem Bankvertrieb liegen häufig bei 1,5 Prozent und mehr. Hinzu kommen beim Kauf über die Fondsgesellschaft ein Ausgabeaufschlag von bei Aktienfonds meist 5 Prozent, Transaktionskosten innerhalb des Fonds und bei manchen Fonds eine erfolgsabhängige Gebühr. Den Ausgabeaufschlag können Sie vermeiden, indem Sie über die Börse oder einen Vermittler mit Rabatt kaufen.
Ist der MSCI World ein ETF?
Nein – der MSCI World ist ein Aktienindex, der knapp 1.300 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern umfasst. Ein ETF auf den MSCI World bildet diesen Index nach. Solche ETFs bieten zahlreiche Fondsgesellschaften an; sie unterscheiden sich vor allem bei Kosten, Größe und Ertragsverwendung.
Ist ein Fondssparplan bei der Sparkasse oder Volksbank sinnvoll?
Ein Sparplan auf einen aktiv gemanagten Fonds der Hausbank ist aus unserer Sicht meist die teuerste Art, regelmäßig zu investieren. Auf jede Rate fällt in der Regel ein Ausgabeaufschlag an, dazu kommen hohe laufende Kosten. In unserem Rechenbeispiel mit 300 Euro im Monat liegt ein solcher Sparplan nach 25 Jahren gut 41.000 Euro hinter einem ETF-Sparplan. Viele Filialbanken bieten inzwischen auch ETF-Sparpläne an; ob die Gebühren dort angemessen sind, sollten Sie mit einem Online-Depot vergleichen.
Was ist sicherer, ETF oder Fonds?
Beim Schutz vor einer Pleite gibt es keinen Unterschied: Das Geld in ETFs und aktiven Fonds ist gleichermaßen vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt, bei Fonds nach deutschem Recht als Sondervermögen. Das Kursrisiko hängt davon ab, worin ein Fonds anlegt: Ein Aktien-ETF schwankt stärker als ein Rentenfonds, ein aktiver Aktienfonds nicht unbedingt weniger als ein Aktien-ETF. Dass aktive Manager in Krisen besser abschneiden, lässt sich nicht belegen. 2020 lag die Mehrheit der Europa-Fonds vor ihrem Index, 2022 verfehlten ihn 87 Prozent.
Was ist ein Dachfonds?
Ein Dachfonds legt das Geld seiner Anleger nicht direkt in Aktien oder Anleihen an, sondern in andere Fonds. Das kann die Streuung verbessern, bedeutet aber meist zwei Kostenebenen: die Gebühren des Dachfonds selbst und die der Fonds, in die er investiert. In den laufenden Kosten, die das Basisinformationsblatt ausweist, sind beide enthalten. Dachfonds, die in ETFs investieren, sind deutlich günstiger als solche aus aktiven Fonds. Noch günstiger ist meist eine einfache Kombination aus einem Welt-ETF und Tagesgeld.
Hinweis: Geldentscheid finanziert sich unter anderem über Provisionen von Anbietern, die auf unseren Vergleichsseiten aufgeführt sind. Auf die Einschätzungen in diesem Ratgeber hat das keinen Einfluss.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Studiendaten: SPIVA Europe Year-End 2025 (Stand 31.12.2025), Morningstar European Active/Passive Barometer (Stand 30.06.2026), ESMA (Daten bis 2024), Indexdaten: Stand 31.08.2026; alle übrigen Zahlen: Stand Oktober 2026.