Kosten der Geldanlage: TER, Orderkosten, Spread und Verwaltungsgebühren richtig verstehen
Ob ein ETF im kommenden Jahr 8 Prozent gewinnt oder 3 Prozent verliert, weiß niemand. Was er kostet, steht dagegen vorher fest. Kosten sind die einzige Größe der Geldanlage, die Sie im Voraus kennen und weitgehend selbst bestimmen können. Sie entstehen auf drei Ebenen: im Fonds selbst, bei jedem Kauf und Verkauf und für die Dienstleistungen rund um das Depot. Manche stehen auf jeder Abrechnung, andere stecken unsichtbar im Kurs.
Unser Urteil vorweg: Wer einen breit gestreuten ETF in einem günstigen Online-Depot bespart, zahlt heute alles in allem rund 0,2 Prozent seines Vermögens im Jahr oder weniger, und mehr braucht eine solide Geldanlage auch nicht zu kosten. Über Jahrzehnte entscheiden die laufenden Kosten, bei kleinen Beträgen und häufigem Handeln die Gebühren pro Order. Die eigentlichen Kostenlecks liegen bei Bankfonds mit Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent laufenden Kosten, bei prozentualen Verwaltungsgebühren und bei fondsgebundenen Versicherungen. In unserem Rechenbeispiel liegen zwischen der günstigsten und der teuersten Variante nach 25 Jahren rund 150.000 Euro. Und ganz kostenlos ist keine Geldanlage, auch wenn die Werbung mancher Anbieter es nahelegt: Den Spread und die Kosten des Fonds zahlen Sie immer.
Welche Kosten bei der Geldanlage anfallen
Produktkosten verursacht der Fonds selbst und bezahlt sie aus seinem Vermögen, Handelskosten entstehen bei jedem Kauf und Verkauf, Dienstleistungskosten für Depot, Verwaltung oder Beratung. Für die Wirkung einer Gebühr entscheidet vor allem, ob sie einmal anfällt oder Jahr für Jahr auf das gesamte Vermögen.
| Kostenart | Wann sie anfällt | Wo Sie sie sehen | Typisch günstig | Typisch teuer |
|---|---|---|---|---|
| Laufende Kosten des Fonds (TER) | laufend, im Anteilwert verrechnet | Factsheet, Basisinformationsblatt | 0,05–0,25 % p. a. (breiter ETF) | um 1,5 % p. a. (aktiver Fonds aus der Bankfiliale) |
| Transaktionskosten im Fonds | laufend, im Anteilwert verrechnet | Basisinformationsblatt | wenige Hundertstel Prozent (großer ETF) | höher bei aktiven Fonds mit viel Umschichtung |
| Erfolgsabhängige Gebühr | wenn der Fonds seinen Vergleichsmaßstab übertrifft | Basisinformationsblatt | keine | Anteil an der Mehrrendite |
| Ausgabeaufschlag | einmalig beim Kauf | Basisinformationsblatt, Kaufabrechnung | keiner (ETF über die Börse) | 5 % (Aktienfonds) |
| Ordergebühr mit Börsenentgelt und Fremdspesen | bei jedem Kauf und Verkauf | Preis- und Leistungsverzeichnis, Abrechnung | 0–1 € | Grundgebühr plus bis zu 1 % des Ordervolumens |
| Spread | bei jedem Kauf und Verkauf | nur im Kurs | unter 0,05 % (großer ETF zur Haupthandelszeit) | mehrere Prozent (wenig gehandelte Aktien) |
| Devisenkosten | bei Käufen in fremder Währung | im Umrechnungskurs | keine (Kauf in Euro) | bis etwa 0,6 % |
| Depotgebühr | jährlich oder quartalsweise | Preis- und Leistungsverzeichnis | 0 € | rund 0,15–0,25 % des Depotwerts |
| Servicegebühr von Robo-Advisor oder Vermögensverwaltung | laufend | Vertrag, Kosteninformation | rund 0,3 % p. a. | 1 % p. a. und mehr |
Typische Spannen nach Preisverzeichnissen, Fondsdaten und Marktberichten, Stand Oktober 2026.
Zwei Posten fehlen in der Tabelle. Provisionen, die Fondsgesellschaften an Banken zahlen, sind keine eigene Kostenart, sondern stecken in den laufenden Kosten oder im Ausgabeaufschlag. Und Steuern mindern zwar das Ergebnis, hängen aber am Ertrag und nicht am Produkt. Wie ETFs besteuert werden, erklärt der Ratgeber ETF für Anfänger.
TER: die laufenden Kosten eines Fonds
Die TER (Total Expense Ratio), auf Deutsch Gesamtkostenquote, gibt an, welchen Anteil seines Vermögens ein Fonds im Jahr für Verwaltung, Verwahrung, Indexlizenzen und Vertrieb ausgibt. Im Factsheet heißt sie meist „laufende Kosten“, im Basisinformationsblatt steht sie in der Zeile „Verwaltungsgebühren und sonstige Verwaltungs- oder Betriebskosten“. Eine TER von 0,20 Prozent bedeutet: Von 1.000 Euro, die Sie in dem Fonds halten, gehen im Jahr 2 Euro für Kosten ab.
Was dazugehört, regelt das Kapitalanlagegesetzbuch: Die Gesamtkostenquote setzt die Kosten, die ein Fonds im Jahresverlauf trägt, ins Verhältnis zu seinem durchschnittlichen Nettoinventarwert, also zum Wert seines Vermögens. Den größten Posten bildet meist die Verwaltungsvergütung der Fondsgesellschaft. Hinzu kommen die Gebühren der Verwahrstelle, Lizenzgebühren an den Indexanbieter, Prüfungs- und Berichtskosten und bei vielen aktiven Fonds der Anteil, der als Bestandsprovision an den Vertrieb fließt.
Entgegen einer verbreiteten Darstellung erfasst die TER aber nicht alle Kosten eines Fonds. Drei Posten stehen außerhalb: die Kosten, die beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren im Fonds entstehen, eine erfolgsabhängige Vergütung, die gesondert ausgewiesen werden muss, und Ausgabe- oder Rücknahmeaufschläge. Bei synthetischen ETFs können je nach Fonds Swap-Gebühren hinzukommen. Ohnehin nicht enthalten ist alles, was außerhalb des Fonds anfällt, also Ordergebühren, Spread und Depotgebühr.
Wann und wie die TER abgezogen wird
Viele Anleger suchen die TER auf ihrem Verrechnungskonto und finden sie nicht. Das hat seine Richtigkeit, denn die laufenden Kosten werden nie von Ihrem Konto abgebucht. Die Fondsgesellschaft entnimmt sie direkt dem Fondsvermögen, in kleinen Teilbeträgen über das ganze Jahr verteilt, und der Anteilwert, der in der Regel an jedem Handelstag neu berechnet wird, enthält diesen Abzug bereits. Bei einer TER von 0,20 Prozent sind das rund 0,0005 Prozent pro Kalendertag. Sie zahlen also genau für die Zeit, in der Sie investiert sind, ohne dass jemals eine Buchung auftaucht. Bemerkbar macht sich die TER nur daran, dass der Fonds etwas weniger zulegt als sein Index.
Was die TER in Euro bedeutet
Prozentangaben hinter dem Komma verleiten dazu, Kosten zu unterschätzen. Rechnen Sie deshalb in Euro. Ein Anleger mit 48.000 Euro im Depot zahlt bei einem Welt-ETF mit 0,12 Prozent laufenden Kosten 57,60 Euro im Jahr, bei 0,20 Prozent 96 Euro. Steckt dasselbe Geld in einem aktiv gemanagten Aktienfonds aus der Bankfiliale mit 1,45 Prozent, sind es 696 Euro, und weil die Kosten am Depotwert hängen, steigt der Betrag mit jedem Euro, den das Depot wächst.
Den Unterschied zwischen 0,12 und 0,20 Prozent kann ein Privatanleger getrost vernachlässigen. Den zwischen 0,20 und 1,45 Prozent nicht: Er beträgt hier 600 Euro im Jahr, und auf Dauer wird daraus ein erheblicher Teil des Vermögens.
Welche TER ist gut?
Die Kosten von ETFs sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, und der Wettbewerb hält an. Einer der größten Welt-ETFs hat seine TER im Juli 2026 von 0,19 auf 0,14 Prozent gesenkt.
| Fondsart | TER-Spanne 2026 | Unser Richtwert |
|---|---|---|
| ETF auf den MSCI World | 0,05–0,50 %, die größten Fonds 0,12–0,20 % | unter 0,25 % |
| ETF auf einen Welt-Index mit Schwellenländern (FTSE All-World, MSCI ACWI) | 0,06–0,45 %, beim FTSE All-World 0,07–0,15 % | unter 0,25 % |
| ETF auf Schwellenländer | 0,09–0,55 % | unter 0,30 % |
| Themen- und Branchen-ETFs | oft 0,5–0,7 % | nur, wenn Sie das Thema bewusst beimischen wollen |
| Aktiv gemanagter Aktienfonds | EU-Durchschnitt 1,28 %, Fonds aus dem Bankvertrieb oft um 1,45 % | unter 1 %, wenn überhaupt |
ETF-Spannen laut ETF-Datenbank justETF, abgerufen am 04.10.2026; aktive Fonds: ESMA-Marktbericht vom März 2026 (Daten für 2024) und Fondsdaten vom Oktober 2026.
Für einen breiten Welt-ETF halten wir alles unter 0,25 Prozent für gut, unter 0,15 Prozent für sehr gut. Wer in diesem Bereich noch nach dem billigsten Angebot sucht, gewinnt wenige Euro im Jahr. Interessanter ist eine andere Frage: Was kommt nach allen Kosten beim Anleger an? Ob ein ETF mit 0,07 Prozent TER am Ende besser abschneidet als einer mit 0,20 Prozent, zeigt erst die Tracking Difference.
Tracking Difference: was am Ende wirklich fehlt
Die Tracking Difference ist die Differenz zwischen der Jahresrendite eines ETFs und der seines Index. In ihr stecken alle Effekte innerhalb des Fonds: die laufenden Kosten, die Transaktionskosten, Erträge aus der Wertpapierleihe und steuerliche Unterschiede bei Dividenden. Für den Vergleich zweier ETFs auf denselben Index ist sie deshalb aussagekräftiger als die TER.
Bei den großen Welt-ETFs liegt sie im mehrjährigen Schnitt deutlich unter der TER: Obwohl diese 0,12 bis 0,20 Prozent beträgt, bleiben die Fonds meist nicht mehr als rund 0,1 Prozentpunkte im Jahr hinter ihrem Index zurück. Manche ETFs schneiden in einzelnen Jahren sogar etwas besser ab als ihr Index. Möglich machen das vor allem Einnahmen aus dem Verleihen von Aktien und eine geringere Quellensteuer auf Dividenden, die ein Fonds mit Sitz in Irland auf amerikanische Aktien zahlt. Eine gute Tracking Difference liegt deshalb nahe null und unter der TER.
Zwei Einschränkungen sollten Sie kennen. Aussagekräftig ist nur der Durchschnitt mehrerer Jahre; ein einzelnes Jahr kann Zufall sein. Und über die Kosten außerhalb des Fonds sagt die Tracking Difference nichts. Ordergebühren, Spread und Depotgebühr kommen hinzu, auch wenn manche Ratgeber den Eindruck erwecken, in dieser Kennzahl seien sämtliche Kosten enthalten.
Transaktionskosten im Fonds: die Kosten außerhalb der TER
Kauft oder verkauft ein Fonds Wertpapiere, zahlt er dafür Handelsgebühren, Spreads und in manchen Ländern Steuern auf Wertpapierkäufe. Diese Transaktionskosten gehören nicht zur TER, mindern den Anteilwert aber genauso. Seit 2023 stehen sie für jeden Fonds im Basisinformationsblatt in einer eigenen Zeile, als Schätzung in Prozent pro Jahr.
Bei großen ETFs, die nur die Änderungen ihres Index nachvollziehen, sind es meist wenige Hundertstel Prozent. Aktive Fonds schichten häufiger um und liegen entsprechend höher. Wer einen ETF mit einem aktiven Fonds vergleicht, sollte deshalb laufende Kosten und Transaktionskosten addieren; der Abstand fällt dann in aller Regel noch größer aus, als die TER allein vermuten lässt.
Ordergebühren: was jeder Kauf und Verkauf kostet
Ordergebühren, auch Orderkosten oder Orderprovision genannt, verlangt Ihre Bank oder Ihr Broker für die Ausführung eines Kaufs oder Verkaufs. Sie fallen bei jeder Transaktion an, und in keinem anderen Kostenblock unterscheiden sich die Anbieter so stark. Für dieselbe Order über 10.000 Euro finden sich in aktuellen Preisverzeichnissen Beträge von einem Euro bis über 100 Euro, etwa bei einer Provision von 1 Prozent.
Woraus sich eine Orderabrechnung zusammensetzt
Auf einer Wertpapierabrechnung stehen oft mehrere Posten nebeneinander. Die Provision ist der Preis der Bank, entweder als Pauschale oder als Grundbetrag plus Prozentsatz des Ordervolumens, meist mit einem Mindestentgelt und einer Obergrenze. Das Börsen- oder Handelsplatzentgelt verlangt der Handelsplatz. Auf Xetra beträgt es 0,0048 Prozent des Kurswerts, mindestens 0,60 Euro; viele Banken stellen dafür aber eine Pauschale von rund 1 bis 3 Euro in Rechnung. Im außerbörslichen Direkthandel mit einem Market Maker und an einigen Börsenplätzen fällt kein Börsenentgelt an. Fremdspesen oder eine Fremdkostenpauschale decken Kosten Dritter, etwa von Abwicklungsstellen. Beim Sparplan heißt die Gebühr meist Ausführungsgebühr; wie stark sie bei kleinen Raten ins Gewicht fällt, zeigt der Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.
Wie unterschiedlich das am Ende ausfällt, zeigen drei Preismodelle, wie sie derzeit typisch für Neobroker, Direktbanken und Filialbanken sind.
| Ordervolumen | Pauschal 1 € | 4,90 € + 0,25 %, mindestens 9,90 €, plus 2,90 € Börsenentgelt | 9,90 € + 0,8 % |
|---|---|---|---|
| 300 € | 1,00 € (0,33 %) | 12,80 € (4,27 %) | 12,30 € (4,10 %) |
| 500 € | 1,00 € (0,20 %) | 12,80 € (2,56 %) | 13,90 € (2,78 %) |
| 2.500 € | 1,00 € (0,04 %) | 14,05 € (0,56 %) | 29,90 € (1,20 %) |
| 10.000 € | 1,00 € (0,01 %) | 32,80 € (0,33 %) | 89,90 € (0,90 %) |
Beispielwerte nach Preisverzeichnissen von Neobrokern, Direktbanken und Filialbanken, Stand September 2026; je Kauf oder Verkauf, ohne Spread. Beim Pauschalmodell können je nach Handelsplatz Fremdkosten hinzukommen.
Zwei Dinge fallen auf. Bei Direkt- und Filialbanken machen kleine Orders das Investieren teuer: Wer für 300 Euro einen ETF kauft, liegt nach Abzug der Gebühr gut 4 Prozent im Minus, bevor sich der Kurs überhaupt bewegt hat, und beim Verkauf wird dieselbe Gebühr noch einmal fällig. Schuld sind Mindestentgelt und Grundgebühr. Zugleich wächst die Gebühr bei der Filialbank mit dem Ordervolumen fast ungebremst mit. Dass eine online erteilte Order über 10.000 Euro dort fast 90 Euro kostet, beim Neobroker einen Euro, lässt sich mit keiner Leistung begründen, die der Kunde dafür erhält. Unsere Faustregel lautet deshalb, dass eine Order nicht mehr als 0,5 Prozent des Ordervolumens kosten sollte, bei größeren Beträgen deutlich weniger.
Für Anleger, die per kostenlosem Sparplan kaufen und nur gelegentlich verkaufen, sind Ordergebühren bei einem günstigen Anbieter eine Randgröße. Wer häufig handelt oder bei einer Filialbank kleine Beträge anlegt, sollte genau hier ansetzen. Die Stiftung Warentest kam in ihrem jüngsten Depotvergleich zu dem Ergebnis, dass sich mit einem Depotwechsel mehr als 800 Euro im Jahr sparen lassen.
Was das Verbot von Payment for Order Flow geändert hat
Dass Neobroker Orders für einen Euro oder gar ohne Gebühr ausführen konnten, lag lange auch an einer Einnahmequelle, die Kunden nicht sahen. Handelsplätze und Market Maker zahlten den Brokern eine Vergütung dafür, dass diese ihnen die Kundenorders zuleiteten; Fachleute sprechen von Payment for Order Flow, kurz PFOF. Die EU hat diese Zahlungen 2024 verboten, Deutschland nutzte als einziger Mitgliedstaat eine Übergangsfrist. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot auch hier: Banken und Broker dürfen sich nicht mehr dafür bezahlen lassen, dass sie Orders an bestimmte Handelsplätze weiterleiten.
Die Anbieter haben unterschiedlich darauf reagiert. Einige haben die Ordergebühr an einzelnen Handelsplätzen erhöht, etwa von 0,99 auf 1,99 Euro. Andere führen Orders nun selbst als Gegenpartei zum besten Kurs mehrerer Börsen aus und verlangen einen Aufpreis, wenn Kunden den Handelsplatz selbst wählen wollen, wieder andere setzen auf Modelle mit monatlicher Grundgebühr. Bestandskunden müssen einer Gebührenerhöhung zustimmen, sonst wird sie nach Angaben der BaFin nicht wirksam. Lesen Sie Mitteilungen zu neuen Preismodellen deshalb genau, bevor Sie sie bestätigen.
Ob Privatanleger über PFOF-Handelsplätze schlechtere Kurse bekommen haben, ist umstritten. Eine Untersuchung der BaFin aus dem Jahr 2022 kam zu dem Ergebnis, dass die Ausführung dort für kleinere Orders überwiegend vorteilhaft war, bei größeren Orders und zu Zeiten geringer Liquidität an der Referenzbörse aber nicht. Die spanische Wertpapieraufsicht stellte im selben Jahr bei der großen Mehrheit der untersuchten Geschäfte über einen solchen Handelsplatz schlechtere Kurse fest als an der Referenzbörse. Für Sie folgt daraus vor allem eines: Der Preis einer Order besteht aus Gebühr und Kurs. Eine niedrige Gebühr nützt wenig, wenn der Kurs schlecht ist, und wie gut der Kurs ausfällt, hängt vor allem am Spread.
Spread: die Kosten, die auf keiner Abrechnung stehen
Der Spread, auch Geld-Brief-Spanne genannt, ist die Differenz zwischen dem Briefkurs, zu dem Sie ein Wertpapier kaufen können, und dem Geldkurs, zu dem Sie es verkaufen können. Der Briefkurs liegt immer über dem Geldkurs. Wer kauft und sofort wieder verkauft, verliert genau diesen Abstand, ohne dass er auf einer Abrechnung als Gebühr erscheint.
Merken lässt sich das Begriffspaar so: Zum Geldkurs ist jemand bereit, Geld für das Papier zu geben, das ist Ihr Verkaufskurs. Zum Briefkurs bietet jemand das Papier an, das ist Ihr Kaufkurs. Im Englischen heißen die beiden Bid und Ask. Bei ETFs stellen sogenannte Market Maker während der Handelszeit fortlaufend beide Kurse. Sie verdienen an der Spanne und tragen dafür das Risiko, dass sich die Kurse bewegen, während sie die Papiere im Bestand halten.
So rechnen Sie den Spread aus
Den Spread in Prozent erhalten Sie, wenn Sie die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs durch den Mittelkurs teilen, also durch den Wert genau zwischen beiden. Ein ETF wird zum Beispiel mit 99,96 Euro Geld und 100,04 Euro Brief gestellt. Die Spanne beträgt 8 Cent, der Mittelkurs 100 Euro, der Spread also 0,08 Prozent.
Wichtig ist, was davon bei Ihnen ankommt. Der faire Wert eines ETF-Anteils liegt ungefähr beim Mittelkurs. Beim Kauf zahlen Sie gegenüber diesem Wert die Hälfte des Spreads drauf, beim Verkauf erhalten Sie die andere Hälfte weniger. Kaufen Sie im Beispiel für 3.000 Euro, kostet Sie der Spread rund 1,20 Euro, und wenn Sie die Anteile später verkaufen, noch einmal rund 1,20 Euro. Beträgt der Spread dagegen 0,5 Prozent, etwa bei einem kleinen ETF am Abend, sind es rund 7,50 Euro pro Richtung. Kauf und Verkauf zusammen kosten dann rund 15 Euro, so viel wie eine einzelne Order bei einer Direktbank.
Wie hoch ist ein guter Spread?
Bei den großen Aktien-ETFs ist der Spread während der Haupthandelszeit verschwindend gering. Nach Zahlen der Deutschen Börse lag er für die 20 meistgehandelten Aktien-ETFs auf Xetra im Jahr 2024 im Schnitt bei rund 0,035 Prozent, und zwar für Kauf und Verkauf einer Order über 100.000 Euro zusammen. Für große DAX-Aktien gelten ähnliche Werte. Deutlich breiter wird es bei kleinen und selten gehandelten ETFs, bei Nebenwerten und zu Randzeiten. Bei exotischen ETFs sind 0,3 bis 0,5 Prozent keine Seltenheit, bei wenig gehandelten Aktien können es mehrere Prozent sein.
Unser Richtwert: Bei einem breiten Welt-ETF sollte der Spread zur Haupthandelszeit unter 0,1 Prozent liegen. Ein hoher Spread zeigt an, dass wenig gehandelt wird oder der Market Maker ein höheres Risiko einpreist, etwa weil die Börsen, an denen die enthaltenen Aktien notieren, gerade geschlossen sind. Ein US-lastiger ETF lässt sich am Vormittag deshalb oft weniger günstig handeln als am Nachmittag.
So halten Sie den Spread klein
Zur Haupthandelszeit handeln. Auf Xetra ist das werktags von 9 bis 17:30 Uhr. Bei ETFs mit hohem US-Anteil sind die Spreads meist am niedrigsten, wenn zusätzlich die amerikanischen Börsen geöffnet haben, also ab 15:30 Uhr. Seit Dezember 2025 ist Xetra für Privatanleger über teilnehmende Broker von 8 bis 22 Uhr geöffnet, andere Handelsplätze bis in den späten Abend. Außerhalb der Kernzeit sind die Spannen aber in der Regel breiter.
Große ETFs wählen. Je mehr Geld in einem Fonds steckt und je lebhafter er gehandelt wird, desto enger fällt der Spread aus. Bei Fonds mit mehreren Milliarden Euro Volumen spielt er praktisch keine Rolle.
Mit Limit kaufen. Eine Limit-Order macht den Spread nicht kleiner. Sie schützt Sie aber davor, in einem Moment mit plötzlich breiter Spanne zu einem schlechten Kurs ausgeführt zu werden.
Nicht hin und her handeln. Jeder Kauf und jeder Verkauf kostet den halben Spread, und bei häufigem Umschichten summiert sich das schneller, als man denkt.
Ausgabeaufschlag: die Einstiegsgebühr klassischer Fonds
Der Ausgabeaufschlag ist eine einmalige Gebühr, die beim Kauf von Fondsanteilen über die Fondsgesellschaft auf den Anteilwert aufgeschlagen wird. Bei Aktienfonds beträgt er meist 5 Prozent, bei Rentenfonds um 3 Prozent. In der Regel geht er ganz oder überwiegend an die Bank oder den Vermittler, der den Fonds verkauft.
Ein Aufschlag von 5 Prozent bezieht sich auf den Anteilwert, nicht auf Ihre Zahlung. Zahlen Sie 6.000 Euro ein, werden davon 5.714,29 Euro angelegt; 285,71 Euro, also 4,76 Prozent Ihres Geldes, gehen an den Vertrieb. Der Fonds muss danach 5 Prozent zulegen, damit Sie wieder bei Ihrem Einsatz sind. Bei einem Fondssparplan wird der Aufschlag auf jede einzelne Rate fällig. Bei 600 Euro im Monat sind das gut 340 Euro im Jahr.
Vermeiden lässt sich der Ausgabeaufschlag fast immer. Viele aktive Fonds werden auch an der Börse gehandelt, wo statt des Aufschlags Ordergebühr und Spread anfallen, und Online-Broker und Fondsvermittler gewähren auf zahlreiche Fonds Rabatte von bis zu 100 Prozent. ETFs haben beim Kauf über die Börse ohnehin keinen Ausgabeaufschlag. Verlangt eine Bank für einen ETF-Sparplan allerdings einen Prozentsatz jeder Rate, wirkt diese Gebühr wie ein Ausgabeaufschlag, nur unter anderem Namen. Das Gegenstück beim Verkauf, der Rücknahmeabschlag, kommt bei Publikumsfonds selten vor. Wie viel aktive Fonds im Vergleich zu ETFs insgesamt kosten, zeigt der Ratgeber ETF oder Fonds?
Depotgebühr und Devisenkosten
Für die Verwahrung der Wertpapiere verlangen viele Filialbanken eine Depotgebühr, pauschal, als Prozentsatz des Depotwerts oder als Kombination aus beidem. In aktuellen Preisverzeichnissen finden sich etwa 24 Euro im Jahr plus 0,18 Prozent je Position oder 0,167 Prozent des Kurswerts. Bei 48.000 Euro im Depot sind das rund 80 bis 110 Euro im Jahr. Weil eine prozentuale Depotgebühr mit dem Vermögen wächst, wirkt sie wie eine zweite TER, die zu den Fondskosten hinzukommt. Online-Banken und Neobroker führen Depots in aller Regel kostenlos.
Kaufen Sie Aktien an einer ausländischen Börse in Dollar oder einer anderen Fremdwährung, tauscht Ihre Bank den Betrag um und schlägt auf den Umrechnungskurs meist einen Aufschlag auf. Häufig liegt er zwischen 0,15 und 0,6 Prozent. Bei einem Kauf von US-Aktien für 4.000 Euro und 0,25 Prozent Aufschlag sind das 10 Euro, beim Verkauf noch einmal. Dasselbe gilt für Dividenden in Fremdwährung, die auf Ihr Euro-Konto fließen. Einen Welt-ETF, den Sie an einer deutschen Börse in Euro kaufen, betrifft das nicht: Die Umrechnung findet im Fonds statt. Das Währungsrisiko bleibt Ihnen trotzdem, denn die Aktien darin notieren überwiegend in Dollar.
Verwaltungsgebühren: ein Begriff, drei Bedeutungen
Hinter dem Wort stecken je nach Zusammenhang drei verschiedene Gebühren, und nur eine davon zahlen Sie zusätzlich zu den Fondskosten.
Erstens die Verwaltungsvergütung der Fondsgesellschaft, im Englischen Management Fee. Sie ist bei den meisten Fonds der größte Posten der laufenden Kosten und damit Teil der TER. Zusätzlich zahlen müssen Sie sie nicht.
Zweitens die Zeile „Verwaltungsgebühren und sonstige Verwaltungs- oder Betriebskosten“ im Basisinformationsblatt. Dahinter stecken im Wesentlichen die laufenden Kosten, also die TER. Transaktionskosten und eine mögliche Erfolgsgebühr stehen in eigenen Zeilen darunter.
Drittens die Servicegebühr eines Robo-Advisors oder Vermögensverwalters, die bei klassischen Vermögensverwaltungen oft ebenfalls Verwaltungsgebühr heißt. Sie kommt zu den Fondskosten hinzu. Robo-Advisors verlangen meist 0,3 bis 1,0 Prozent des Depotwerts im Jahr, häufig als „All-in-Fee“ beworben. Gemeint ist damit in der Regel, dass Depot, Orders und Umschichtungen abgedeckt sind, nicht aber die Kosten der Fonds. Für unseren Anleger mit 48.000 Euro hieße das bei 0,6 Prozent Servicegebühr und 0,2 Prozent Fondskosten 384 Euro im Jahr. Im eigenen Depot mit demselben ETF wären es 96 Euro. Ob der Aufpreis gerechtfertigt ist, hängt davon ab, was der Anbieter Ihnen abnimmt; wir haben das im Ratgeber Was ist ein Robo-Advisor? durchgerechnet. Vermögensverwaltungen von Banken verlangen nicht selten 1 Prozent und mehr.
Erfolgsabhängige Gebühren
Einige aktive Fonds und Vermögensverwalter verlangen zusätzlich eine Performance Fee, wenn sie einen festgelegten Vergleichsmaßstab übertreffen. Sie ist nicht in der TER enthalten und steht im Basisinformationsblatt in einer eigenen Zeile. Für Fonds gelten seit 2021 strengere europäische Regeln, die der Ratgeber ETF oder Fonds? erklärt. Wir halten Produkte ohne erfolgsabhängige Gebühr für die bessere Wahl. Eine solche Gebühr belohnt den Anbieter dafür, Risiken einzugehen, deren Folgen der Kunde trägt, und die festen Kosten fallen in schlechten Jahren trotzdem an.
Provisionen und Zuwendungen
Ein erheblicher Teil der laufenden Kosten aktiver Fonds landet nicht bei der Fondsgesellschaft, sondern bei der Bank, die den Fonds verkauft hat. Bei Fonds, die solche Zuwendungen zahlen, fließen nach Berechnungen der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA rund 45 Prozent der laufenden Kosten an den Vertrieb, und zwar Jahr für Jahr, solange Sie investiert bleiben. ETFs zahlen in der Regel keine laufenden Provisionen. Das erklärt zu einem guten Teil, warum sie in der Bankberatung selten die erste Empfehlung sind.
Verboten sind Provisionen in Deutschland nicht, solange die Bank sie offenlegt und sie der Qualität der Beratung dienen. Auch die EU-Kleinanlegerstrategie, auf die sich Parlament und Rat im Dezember 2025 vorläufig geeinigt haben, sieht kein Verbot vor, wohl aber strengere Kostenvergleiche. Formell verabschiedet ist sie noch nicht, und gelten werden die neuen Regeln voraussichtlich erst gegen Ende des Jahrzehnts. Anders ist es in der Vermögensverwaltung: Dort muss der Verwalter Provisionen, die er von Fondsgesellschaften erhält, vollständig an Sie weitergeben.
Fondspolicen: Kosten auf zwei Ebenen
Besonders teuer wird es, wenn Fonds in einer Versicherung stecken. Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung kommen zu den Kosten der Fonds die Abschluss- und Verwaltungskosten des Versicherers hinzu. Die wichtigste Kennzahl dafür sind die Effektivkosten. Sie geben an, um wie viele Prozentpunkte die Kosten die jährliche Rendite mindern, und stehen in den Vertragsunterlagen.
Lange galten Effektivkosten von 2 Prozent als branchenüblich, so beschreibt es auch die Verbraucherzentrale. Nach einer Auswertung der BaFin vom Juni 2026 sind sie zuletzt gesunken: Im teuersten Viertel des Marktes liegen sie bei einer Laufzeit von 30 Jahren inzwischen bei 1,9 Prozent, bei einzelnen Produkten aber weiterhin über 3 Prozent. Bei einer Rendite von 6 Prozent vor Kosten zehren 2 Prozentpunkte ein Drittel des Ertrags auf, Jahr für Jahr. Zum Vergleich: Für das Standardprodukt des neuen Altersvorsorgedepots, das es ab 2027 gibt, sind die Effektivkosten auf 1 Prozent gedeckelt. Für den Vermögensaufbau halten wir klassische Fondspolicen deshalb in aller Regel für die schlechtere Wahl.
Was Kosten über 25 Jahre ausmachen
Einzelne Gebühren wirken klein, ihre Summe nicht. Das zeigt das Beispiel eines Anlegers, der 48.000 Euro angelegt hat und monatlich 600 Euro dazuspart. Wir vergleichen vier typische Wege: einen Welt-ETF bei einem Online-Broker mit kostenlosem Sparplan, einen etwas teureren Welt-ETF bei einer Direktbank mit Gebühr für jede Sparplanausführung, einen Robo-Advisor und einen aktiv gemanagten Aktienfonds aus der Bankfiliale. Zunächst die Kosten im ersten Jahr:
| Kostenposten im ersten Jahr | A: Online-Broker, Welt-ETF | B: Direktbank, Welt-ETF | C: Robo-Advisor | D: Filialbank, aktiver Fonds |
|---|---|---|---|---|
| Laufende Kosten des Fonds | 0,12 % = 57,60 € | 0,20 % = 96,00 € | 0,20 % = 96,00 € | 1,45 % = 696,00 € |
| Servicegebühr | – | – | 0,60 % = 288,00 € | – |
| Sparplan | kostenlos | 12 × 1,50 € = 18,00 € | in der Servicegebühr | 5 % Ausgabeaufschlag auf 7.200 € = 342,86 € |
| Depotgebühr | – | – | in der Servicegebühr | 0,15 % = 72,00 € |
| Summe | 57,60 € | 114,00 € | 384,00 € | 1.110,86 € |
Rechenbeispiel: laufende Kosten, Servicegebühr und Depotgebühr bezogen auf 48.000 € zu Jahresbeginn; Sparrate 600 € im Monat. Bei A und B kommen Spreads von wenigen Euro im Jahr hinzu.
Schon im ersten Jahr zahlt der Anleger bei der Filialbank fast zwanzigmal so viel wie beim Online-Broker. Über 25 Jahre wächst daraus ein Abstand, der die Größenordnung der eigenen Einzahlungen erreicht.
| Variante | Depotwert nach 25 Jahren | Abstand zu Variante A |
|---|---|---|
| ohne Kosten (zum Vergleich) | rund 611.800 € | – |
| A: Online-Broker, Welt-ETF mit 0,12 % | rund 599.000 € | – |
| B: Direktbank, Welt-ETF mit 0,20 %, 1,50 € je Sparrate | rund 589.600 € | rund 9.300 € weniger |
| C: Robo-Advisor, 0,8 % Gesamtkosten | rund 532.100 € | rund 66.900 € weniger |
| D: Filialbank, aktiver Fonds mit 1,45 %, 5 % Ausgabeaufschlag, 0,15 % Depotgebühr | rund 448.300 € | rund 150.600 € weniger |
Rechenbeispiel: 48.000 € Startkapital und 600 € monatlich am Monatsende, eingezahlt insgesamt 228.000 €; 6 % Rendite pro Jahr vor Kosten für alle Varianten; laufende Kosten, Service- und Depotgebühr mindern die jährliche Rendite; Startkapital bereits angelegt, Ausgabeaufschlag auf jede Rate; bei A und B zusätzlich ein halber Spread von 0,02 % je Kauf; vor Steuern.
Selbst der günstigste Weg kostet über 25 Jahre rund 12.800 Euro gegenüber einer Welt ohne Kosten, die es nicht gibt. Bei der Filialbank sind es über 160.000 Euro, mehr als zwei Drittel dessen, was der Anleger insgesamt einzahlt. Die Ausgabeaufschläge machen davon den kleineren Teil aus: Gezahlt hat der Anleger rund 8.600 Euro, samt entgangenem Ertrag kosten sie ihn rund 15.000 Euro. Den Ausschlag geben die laufenden Kosten, weil sie mit dem Depot mitwachsen: Im letzten Jahr zahlt der Anleger in Variante D allein an Fondskosten und Depotgebühr rund 7.000 Euro, in Variante A rund 700 Euro. Wohlgemerkt unterstellt die Rechnung dem aktiven Fonds, dass er vor Kosten so viel erwirtschaftet wie der Markt, was der großen Mehrheit nicht gelingt.
Der Robo-Advisor liegt dazwischen. Er streut breit und hält die Aufteilung ein, doch die Servicegebühr auf das gesamte Vermögen kostet über die Jahre einen fünfstelligen Betrag. Und der Unterschied zwischen A und B zeigt, dass ein paar Hundertstel Prozent TER und eine kleine Sparplangebühr zwar nicht nichts sind, aber auch kein Grund für schlaflose Nächte.
Für eine schnelle Einschätzung hilft eine Faustregel: Bei 6 Prozent Rendite kostet jedes Zehntelprozent laufender Kosten über 30 Jahre rund 2,8 Prozent des Endvermögens, wenn Sie einen Betrag einmal anlegen, und rund 1,8 Prozent bei einem Sparplan. Ein ganzer Prozentpunkt mehr bedeutet bei einer Einmalanlage nach 30 Jahren rund ein Viertel weniger Vermögen. Ihre eigenen Zahlen können Sie mit dem Anlagekostenrechner durchspielen.
Wo Sie Ihre Kosten finden
Banken und Fondsgesellschaften müssen ihre Kosten offenlegen, allerdings an verschiedenen Stellen. Diese Dokumente sollten Sie kennen:
| Dokument | Was drinsteht | Wann Sie es bekommen |
|---|---|---|
| Factsheet des Fonds | laufende Kosten (TER), Fondsvolumen, häufig auch die Wertentwicklung im Vergleich zum Index | jederzeit auf der Website der Fondsgesellschaft, meist monatlich aktualisiert |
| Basisinformationsblatt | Einstiegs- und Ausstiegskosten, Verwaltungsgebühren und sonstige Verwaltungs- oder Betriebskosten, Transaktionskosten, Erfolgsgebühr; Kosten im Zeitverlauf in Euro und Prozent | vor dem Kauf, in jedem Depot abrufbar |
| Preis- und Leistungsverzeichnis | Ordergebühren, Mindestentgelte, Börsenentgelte und Fremdspesen, Depot- und Sparplangebühren | auf der Website der Bank oder des Brokers |
| Ex-ante-Kosteninformation | voraussichtliche Kosten der konkreten Order in Euro und Prozent, getrennt nach Dienstleistungs- und Produktkosten, mit Zuwendungen | vor jeder Order |
| Wertpapierabrechnung | Ausführungskurs, Provision, Entgelte | nach jeder Ausführung |
| Ex-post-Kosteninformation | alle im Vorjahr angefallenen Kosten in Euro und Prozent, einschließlich Zuwendungen | einmal im Jahr |
Das Basisinformationsblatt hat zum Jahresbeginn 2023 auch für Fonds und ETFs die früheren „wesentlichen Anlegerinformationen“ abgelöst. Besonders nützlich ist darin die Tabelle „Kosten im Zeitverlauf“. Sie zeigt für eine Anlage von 10.000 Euro, wie viel insgesamt nach einem Jahr und nach der empfohlenen Haltedauer anfällt und um wie viel die Kosten die Rendite jedes Jahr mindern.
Für den Überblick halten wir die Ex-post-Kosteninformation für das wichtigste Dokument. Sie fasst zusammen, was Sie im vergangenen Jahr bezahlt haben, auch die Zuwendungen an Ihre Bank und die laufenden Kosten Ihrer Fonds, die sonst auf keiner Abrechnung erscheinen. Das Wertpapierhandelsgesetz verlangt, dass Sie daraus die Gesamtkosten und ihre Wirkung auf die Rendite ablesen können. Rechnen Sie die Summe in Prozent Ihres Depotwerts um. Liegt das Ergebnis bei einem reinen ETF-Depot über 0,3 Prozent, lohnt ein genauerer Blick auf die einzelnen Posten.
So senken Sie Ihre Anlagekosten
Ein günstiges Depot wählen. Ein Depot ohne Depotgebühr, mit kostenlosen ETF-Sparplänen und Ordergebühren von wenigen Euro ist heute Standard und kein Sonderangebot. Welche Anbieter unsere Kriterien erfüllen, zeigt der Broker-Vergleich.
Bei den laufenden Kosten ansetzen. Hier liegt der größte Hebel. Wer bei 48.000 Euro von einem aktiven Fonds mit 1,45 Prozent zu einem Welt-ETF mit 0,20 Prozent wechselt, spart 600 Euro im Jahr, mit wachsendem Depot entsprechend mehr.
Keinen Ausgabeaufschlag zahlen. Kaufen Sie aktive Fonds, falls Sie welche wollen, über die Börse oder mit vollem Rabatt, und meiden Sie Sparpläne mit prozentualer Gebühr auf jede Rate.
Größere Orders, seltener handeln. Verlangt Ihr Anbieter ein Mindestentgelt, fassen Sie Einzelkäufe zu größeren Beträgen zusammen oder nutzen Sie einen kostenlosen Sparplan. Jede Order kostet Gebühr und Spread.
Zur Haupthandelszeit und mit Limit handeln. Das kostet nichts und spart bei jedem Kauf und Verkauf ein paar Euro, bei exotischeren Wertpapieren auch mehr.
Nicht jeder niedrigeren TER hinterherlaufen. Angenommen, ein anderer ETF auf denselben Index kostet 0,12 statt 0,20 Prozent. Unser Anleger spart damit 38,40 Euro im Jahr. Verkauft er dafür seinen Bestand, in dem 12.000 Euro Gewinn stecken, zahlt er bei ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag rund 2.200 Euro Steuern. Die Steuer wäre zwar beim späteren Verkauf ohnehin fällig geworden, doch das vorzeitig gezahlte Geld arbeitet nicht mehr im Depot. Bei 6 Prozent Rendite entgehen ihm dadurch rund 130 Euro Ertrag im Jahr, mehr als dreimal so viel, wie er an Kosten spart. Stellen Sie in solchen Fällen nur den Sparplan um. Bei einem teuren aktiven Fonds sieht die Rechnung anders aus; wie Sie dort vorgehen, erklärt der Ratgeber ETF oder Fonds?
Übertragen statt verkaufen. Wer eine teure Bank verlassen will, nimmt seine Wertpapiere per Depotübertrag mit. Das löst keine Steuer aus und kostet bei einer Bank in Deutschland kein Entgelt.
Einmal im Jahr nachrechnen. Nehmen Sie sich die Ex-post-Kosteninformation vor, prüfen Sie, ob Ihr Depot noch zu den günstigen gehört, und reagieren Sie auf Mitteilungen über neue Preismodelle.
Unser Fazit
Kosten sind der Teil der Rendite, über den Sie selbst entscheiden. Für ETF-Anleger war die Lage nie so günstig wie heute: Ein guter breiter Welt-ETF kostet weniger als 0,25 Prozent im Jahr, oft deutlich weniger, und Depot und Sparplan gibt es bei vielen Anbietern ohne Gebühr. Wer so anlegt, kann die Jagd nach Hundertstelprozenten bei der TER getrost anderen überlassen.
Teuer wird Geldanlage dort, wo Kosten mit dem Vermögen wachsen und kaum auffallen. Ein aktiver Fonds mit 1,5 Prozent laufenden Kosten, eine prozentuale Depot- oder Verwaltungsgebühr, eine Versicherung mit Effektivkosten um 2 Prozent: Jeder dieser Posten wird mit dem Depot größer, und über die Jahre geht es um fünf- und sechsstellige Beträge. Ordergebühren und Spread sind daneben vor allem für Anleger ein Thema, die kleine Beträge bei teuren Banken anlegen oder häufig handeln. Und was als kostenlos beworben wird, ist es nie: Spread und Fondskosten fallen immer an, und seit dem Verbot von Payment for Order Flow lohnt ein genauer Blick auf das Preismodell des eigenen Brokers.
Unser Rat: Holen Sie sich die Ex-post-Kosteninformation Ihrer Bank und rechnen Sie Ihre Gesamtkosten in Euro und in Prozent aus. Liegen sie bei mehr als einem halben Prozent im Jahr, lohnt ein Wechsel fast immer, beim Sparplan sofort, beim Bestand nach einer kurzen Rechnung. Ihre Zahlen können Sie mit dem Anlagekostenrechner durchspielen, günstige Depots zeigt unser Broker-Vergleich.
Häufige Fragen
Was bedeutet TER bei ETFs?
TER steht für Total Expense Ratio, auf Deutsch Gesamtkostenquote. Sie gibt an, wie viel Prozent seines Vermögens ein ETF im Jahr für Verwaltung, Verwahrung, Indexlizenz und Vertrieb ausgibt; im Factsheet heißt sie meist „laufende Kosten“. Nicht enthalten sind die Transaktionskosten im Fonds sowie alle Kosten außerhalb des Fonds wie Ordergebühren, Spread und Depotgebühr.
Welche TER ist bei ETFs gut?
Für einen ETF auf einen breiten Welt-Index halten wir eine TER unter 0,25 Prozent für gut und unter 0,15 Prozent für sehr gut; die günstigsten Fonds kosten inzwischen weniger als 0,1 Prozent. Bei Schwellenländer-ETFs sind Werte bis 0,30 Prozent angemessen. Wichtiger als die letzte Nachkommastelle ist die Tracking Difference, die zeigt, wie weit der ETF nach allen internen Kosten hinter seinem Index zurückbleibt.
Wann wird die TER bei einem ETF abgezogen?
Gar nicht von Ihrem Konto. Die Fondsgesellschaft entnimmt die laufenden Kosten dem Fondsvermögen, in kleinen Teilbeträgen über das ganze Jahr verteilt. Sie zahlen damit genau für die Zeit, in der Sie investiert sind. Eine Buchung sehen Sie nie, nur eine um die Kosten geringere Wertentwicklung.
Was ist der Unterschied zwischen Geldkurs und Briefkurs?
Zum Briefkurs können Sie ein Wertpapier kaufen, zum Geldkurs verkaufen. Der Briefkurs liegt immer etwas höher; die Differenz heißt Spread. Bei großen ETFs beträgt sie während der Haupthandelszeit oft nur wenige Hundertstel Prozent, bei wenig gehandelten Papieren und zu Randzeiten deutlich mehr.
Wie hoch ist ein guter Spread?
Bei einem breiten Welt-ETF sollte der Spread zur Haupthandelszeit unter 0,1 Prozent liegen. Die meistgehandelten Aktien-ETFs auf Xetra kamen 2024 im Schnitt auf rund 0,035 Prozent für Kauf und Verkauf zusammen. Spreads von 0,5 Prozent und mehr sind ein Hinweis auf geringe Liquidität oder eine ungünstige Handelszeit.
Wer verdient am Spread?
In erster Linie der Market Maker, der fortlaufend Kauf- und Verkaufskurse stellt und dafür das Risiko trägt, Wertpapiere im Bestand zu halten. Bis Ende Juni 2026 gaben Handelsplätze und Market Maker in Deutschland einen Teil ihrer Erträge als Vergütung an Broker weiter, die ihnen Kundenorders zuleiteten. Seit dem 1. Juli 2026 ist diese Payment for Order Flow genannte Zahlung verboten.
Haben ETFs einen Ausgabeaufschlag?
Beim Kauf über die Börse nicht. Dort zahlen Sie die Ordergebühr Ihres Brokers und den Spread. Manche Banken verlangen für ETF-Sparpläne allerdings einen Prozentsatz jeder Rate, und der wirkt wie ein Ausgabeaufschlag. In einem Depot mit kostenlosen Sparplänen entfallen Ordergebühr und Ratenaufschlag; der Spread bleibt.
Sind Neobroker wirklich kostenlos?
Nein. Auch bei einem Broker ohne Ordergebühr zahlen Sie den Spread und die laufenden Kosten Ihrer Fonds, und viele Neobroker verlangen pro Order einen Euro oder mehr, je nach Handelsplatz zuzüglich Fremdkosten. Seit dem Verbot von Payment for Order Flow im Juli 2026 haben mehrere Anbieter ihre Preise an einzelnen Handelsplätzen erhöht oder neue Modelle eingeführt. Für langfristige Anleger mit Sparplan gehören Neobroker trotzdem zu den günstigsten Wegen in den Kapitalmarkt.
Kann ich die Kosten der Geldanlage von der Steuer absetzen?
Nur zum Teil. Depotgebühren, Verwaltungsgebühren und die laufenden Kosten von Fonds können Sie seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 nicht als Werbungskosten abziehen; sie gelten mit dem Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 Euro, als abgegolten. Ordergebühren dagegen erhöhen beim Kauf die Anschaffungskosten und mindern beim Verkauf den Erlös. Sie verringern also den steuerpflichtigen Gewinn, und Ihre Bank berücksichtigt das automatisch. Bei pauschalen Gebühren einer Vermögensverwaltung kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Teil als Transaktionskosten gelten.
Hinweis: Geldentscheid finanziert sich unter anderem über Provisionen von Anbietern, die auf unseren Vergleichsseiten aufgeführt sind. Auf die Einschätzungen in diesem Ratgeber hat das keinen Einfluss.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Die Rechenbeispiele beruhen auf Beispielwerten und Annahmen; vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Gebühren sind Beispielwerte nach Preisverzeichnissen (Stand September 2026); TER-Spannen: Stand 04.10.2026; Marktdaten: Deutsche Börse (2024), ESMA (Daten bis 2024); alle übrigen Angaben: Stand Oktober 2026.