Ausschüttend oder thesaurierend: Welche ETF-Variante passt zu welchem Anlageziel?
Ausschüttend oder thesaurierend – vor dieser Wahl steht fast jeder, der einen ETF kauft, denn für die meisten großen Indizes gibt es beide Varianten. Der Unterschied betrifft allein die Frage, was mit den Dividenden geschieht: Ein ausschüttender ETF überweist sie auf Ihr Verrechnungskonto, ein thesaurierender legt sie im Fonds wieder an. An der Rendite vor Steuern ändert das nichts. Und anders als viele Ratgeber noch immer behaupten, ändert es derzeit auch an der Steuer kaum etwas. Bei einem Basiszins wie 2026 werden beide Varianten eines breiten Welt-ETFs in einem guten Börsenjahr sogar gleich hoch besteuert.
Unser Urteil vorweg: Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein thesaurierender ETF die bessere Wahl. Er legt die Erträge vollständig und kostenlos wieder an, ohne dass Sie sich darum kümmern müssen, und einen Steuervorteil hat die ausschüttende Variante bei einem Basiszins wie 2026 nicht. Ausschüttende ETFs halten wir für sinnvoll, wenn Sie die Erträge wirklich ausgeben wollen, wenn Ihr Sparerpauschbetrag in Jahren mit niedrigem Basiszins sonst ungenutzt bliebe oder wenn regelmäßige Gutschriften Ihnen helfen, in schwachen Börsenphasen investiert zu bleiben. Wer im Ruhestand von Ausschüttungen leben möchte, sollte allerdings vorher nachrechnen. Mit einem Welt-ETF braucht man dafür deutlich mehr Vermögen, als die meisten erwarten.
Was bedeutet thesaurierend, was bedeutet ausschüttend?
Thesaurierend bedeutet, dass ein Fonds seine Erträge nicht an die Anleger auszahlt, sondern im Fondsvermögen behält und wieder anlegt. Bei einem Aktien-ETF sind das vor allem die Dividenden der enthaltenen Unternehmen. Ein ausschüttender Fonds zahlt diese Erträge dagegen regelmäßig an seine Anleger aus, je nach Fonds einmal im Jahr bis einmal im Monat.
Das Wort geht auf das griechische thesauros zurück, das Schatzhaus: Der Fonds sammelt seine Erträge an, statt sie zu verteilen. Im Englischen heißen die beiden Varianten accumulating und distributing. Die Unterscheidung gibt es bei allen Investmentfonds, auch bei den aktiv gemanagten, die wir im Ratgeber ETF oder Fonds? mit ETFs vergleichen. Mit dem Index hat sie nichts zu tun: Ob ein Fonds ausschüttet, entscheidet die Fondsgesellschaft. Für viele große Indizes werden deshalb beide Varianten angeboten, oft sogar als zwei Anteilsklassen desselben Fonds. Das Geld steckt dann in denselben Aktien, nur der Umgang mit den Dividenden unterscheidet sich.
Bei einem ausschüttenden ETF sammelt die Fondsgesellschaft die Dividenden, die im Laufe des Jahres eingehen, und zahlt sie zu festen Terminen aus, je nach Fonds jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Am sogenannten Ex-Tag wird die Ausschüttung vom Kurs abgetrennt: Der Anteilwert wird um den ausgeschütteten Betrag gemindert, und kurz darauf wird das Geld Ihrem Verrechnungskonto gutgeschrieben. Ist Ihr Sparerpauschbetrag ausgeschöpft oder liegt kein Freistellungsauftrag vor, hat die Bank die Steuer zu diesem Zeitpunkt bereits abgezogen.
Woran Sie die Variante erkennen
Die Ertragsverwendung steckt meist schon im Namen des Fonds, allerdings in Form von Kürzeln, die nicht jeder auf Anhieb versteht.
| Thesaurierend | Ausschüttend | |
|---|---|---|
| Englische Bezeichnung | accumulating | distributing |
| Übliche Kürzel im Fondsnamen | Acc, C, 1C | Dist, Dis, D, 1D |
| Wohin die Erträge fließen | ins Fondsvermögen | auf Ihr Verrechnungskonto |
Manche Fonds tragen gar kein Kürzel. Dann hilft ein Blick ins Factsheet oder ins Basisinformationsblatt, wo die Angabe meist unter „Ertragsverwendung“ steht, oder in eine ETF-Datenbank, in der Sie gezielt danach filtern können. Weil die beiden Anteilsklassen eines Fonds oft fast gleich heißen, sollten Sie beim Kauf auf die ISIN achten. Jede Anteilsklasse hat ihre eigene, und nur sie stellt sicher, dass Sie die gewünschte Variante bekommen.
Wie die Thesaurierung im Depot aussieht
Viele Anleger wundern sich nach dem ersten Jahr, dass von der Wiederanlage nichts zu sehen ist. Das ist kein Fehler der Bank. Ein thesaurierender ETF bucht Ihnen weder Dividenden noch zusätzliche Anteile ins Depot. Die Erträge bleiben im Fondsvermögen, und weil dieses dadurch wächst, steigt der Wert jedes einzelnen Anteils. Die Zahl Ihrer Anteile bleibt gleich.
Erkennbar wird die Thesaurierung deshalb nur im Vergleich, etwa mit der ausschüttenden Anteilsklasse desselben Fonds, deren Kurs über die Jahre um die ausgezahlten Beträge zurückbleibt. Die einzige Buchung, die Sie regelmäßig sehen werden, ist die Steuerabrechnung für die Vorabpauschale, die Anfang Januar für das abgelaufene Jahr erstellt wird.
Thesaurierend und ausschüttend im Vergleich
| Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF | |
|---|---|---|
| Was mit den Dividenden geschieht | bleiben im Fonds und erhöhen den Anteilwert | werden ausgezahlt, je nach Fonds 1- bis 12-mal im Jahr |
| Wiederanlage | automatisch und kostenlos | durch Sie selbst oder per automatischer Wiederanlage, falls Ihr Depot sie anbietet |
| Rendite vor Steuern | gleich, sofern Index und Kosten gleich sind | gleich, sofern Sie die Ausschüttungen wieder anlegen |
| Laufende Besteuerung | Vorabpauschale | Steuer auf die Ausschüttungen, dazu Vorabpauschale, wenn diese unter dem Basisertrag liegen |
| Steuerbasis 2026 bei einem breiten Welt-ETF, wenn der Wertzuwachs einschließlich Ausschüttung im Jahr mindestens 2,24 % beträgt | 2,24 % des Anteilwerts zu Jahresbeginn | 2,24 % des Anteilwerts zu Jahresbeginn |
| Steuer in einem Verlustjahr | keine | auf die Ausschüttungen |
| Sparerpauschbetrag nutzen | nur über die Vorabpauschale | über die Ausschüttungen, jedes Jahr |
| Laufendes Einkommen | nur durch Verkauf von Anteilen | automatisch, aber in schwankender Höhe |
| Geeignet vor allem für | Vermögensaufbau | Anleger, die die Erträge ausgeben wollen |
Steuerangaben für Aktien-ETFs mit einer Ausschüttungsrendite unter dem Basisertrag; Basiszins 2026: 3,20 Prozent.
Die Tabelle zeigt, wie wenig die beiden Varianten trennt. Unterschiede gibt es beim Aufwand, beim laufenden Einkommen und in einigen steuerlichen Sonderfällen. Bei der Rendite und, zumindest derzeit, bei der laufenden Steuerlast gibt es keine.
Rendite: Warum eine Ausschüttung kein Geschenk ist
Eine Ausschüttung fühlt sich an wie ein Ertrag, der zum Kursgewinn noch hinzukommt. Das ist sie nicht. Das Geld, das der ETF auszahlt, stammt aus dem Fondsvermögen, und um diesen Betrag wird der Anteilwert am Ex-Tag gemindert. Steht ein Anteil bei 100 Euro und schüttet der Fonds 0,40 Euro aus, notiert er danach bei 99,60 Euro, und auf Ihrem Konto liegen 0,40 Euro vor Steuern. Ihr Vermögen ist durch die Ausschüttung um keinen Cent gewachsen; ein kleiner Teil davon liegt nur an einer anderen Stelle.
Bei gleichem Index und gleichen Kosten erzielen ein thesaurierender und ein ausschüttender ETF vor Steuern deshalb dieselbe Gesamtrendite. Der thesaurierende ETF steigt im Kurs schneller, der ausschüttende liefert einen Teil seiner Rendite als Geld aufs Konto. Den vielgepriesenen Zinseszinseffekt gibt es bei beiden, vorausgesetzt, die Ausschüttungen werden wieder angelegt.
Manche Ratgeber rechnen den Unterschied größer. Sie lassen den ausschüttenden ETF die gesamte Rendite auszahlen, setzen seinen Kurs auf null Wachstum und vergleichen ihn mit einem Thesaurierer, der Jahr für Jahr zulegt. Nach 20 Jahren ergibt sich so ein gewaltiger Abstand, der mit der Wirklichkeit allerdings wenig zu tun hat. Auch ein ausschüttender Welt-ETF steigt im Kurs, denn ausgezahlt werden nur die Dividenden, und die machen bei breit gestreuten Indizes derzeit einen kleinen Teil der Rendite aus. Die Dividendenrendite des MSCI World lag Ende August 2026 bei 1,50 Prozent, die des FTSE All-World bei 1,57 Prozent (laut den Factsheets der Indexanbieter). Ein ETF auf diese Indizes schüttet nach Kosten und Quellensteuer etwas weniger aus.
Einen praktischen Unterschied gibt es trotzdem, und er liegt in der Wiederanlage. Beim thesaurierenden ETF geschieht sie im Fonds, vollständig und ohne Gebühren. Beim ausschüttenden müssen Sie selbst tätig werden, und die einzelnen Beträge sind klein: Bei 40.000 Euro im Depot und vierteljährlicher Ausschüttung kommen pro Termin rund 150 Euro vor Steuern zusammen. Wer jede Ausschüttung einzeln wieder investiert, zahlt bei vielen Depots jedes Mal Ordergebühren. Manche Depotanbieter legen Ausschüttungen auf Wunsch automatisch und gebührenfrei wieder an, teils erst ab einem Mindestbetrag. Alternativ können Sie die Ausschüttungen einfach mit der nächsten Sparplanrate investieren. Geld, das unbemerkt auf dem Verrechnungskonto liegen bleibt, bringt dagegen keine Rendite, und das ist der eigentliche Nachteil der ausschüttenden Variante beim Vermögensaufbau.
Bei den Kosten selbst unterscheiden sich die Varianten meist nicht. Die laufenden Kosten der beiden Anteilsklassen eines Fonds sind häufig gleich, aber nicht immer, und die ausschüttende Klasse ist oft die kleinere, was sich in einem etwas höheren Spread beim Kauf niederschlagen kann. Ein kurzer Vergleich im Factsheet lohnt sich. Bei der Quellensteuer auf ausländische Dividenden gibt es keinen Unterschied, denn sie fällt im Fonds an, bevor die Frage nach Ausschüttung oder Wiederanlage überhaupt entsteht.
Steuern: Was 2026 wirklich den Unterschied macht
Kein Argument wird in dieser Frage so häufig genannt wie die Steuer, und keines ist so oft veraltet. Wie ETFs grundsätzlich besteuert werden, erklären wir ausführlich im Ratgeber ETF für Anfänger.
Wie Ausschüttungen besteuert werden
Ausschüttungen sind in dem Jahr steuerpflichtig, in dem sie Ihnen zufließen. Ihre Bank zieht die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag direkt ab, zusammen 26,375 Prozent, für Kirchenmitglieder knapp 28 Prozent. Bei Aktien-ETFs bleiben dank Teilfreistellung 30 Prozent der Ausschüttung steuerfrei, sodass effektiv rund 18,5 Prozent fällig werden. Das gilt genauso für die Vorabpauschale und für Gewinne beim Verkauf. Solange Ihr Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 Euro, nicht ausgeschöpft ist und ein Freistellungsauftrag vorliegt, zahlen Sie gar nichts.
Die Vorabpauschale trifft auch ausschüttende ETFs
Ein thesaurierender ETF zahlt nichts aus. Damit der Staat nicht erst nach Jahrzehnten beim Verkauf Steuern erhält, gibt es die Vorabpauschale: Jedes Jahr wird ein Mindestertrag besteuert, der sogenannte Basisertrag. Er ergibt sich aus dem Wert Ihrer Anteile zu Jahresbeginn, multipliziert mit 70 Prozent des Basiszinses. Für 2026 liegt der Basiszins bei 3,20 Prozent, der Basisertrag also bei 2,24 Prozent des Anteilwerts. Er ist auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt; in einem Verlustjahr fällt keine Vorabpauschale an.
Diese Regel gilt für ausschüttende ETFs ebenso. Das Investmentsteuergesetz definiert die Vorabpauschale als den Betrag, um den die Ausschüttungen eines Jahres den Basisertrag unterschreiten. Schüttet ein ETF weniger aus, als der Basisertrag beträgt, wird die Differenz zusätzlich als Vorabpauschale besteuert. Das ist 2026 bei breiten Welt-ETFs der Fall, weil ihre Ausschüttungen mit rund 1,5 Prozent unter dem Basisertrag von 2,24 Prozent liegen.
Ein Beispiel: Zwei Anleger haben Anfang 2026 jeweils 40.000 Euro in einem Welt-ETF angelegt, der eine in der thesaurierenden, der andere in der ausschüttenden Variante. Der Fonds legt im Laufe des Jahres deutlich zu, die ausschüttende Variante zahlt 1,5 Prozent aus, also 600 Euro.
| Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF | |
|---|---|---|
| Basisertrag (40.000 € × 3,20 % × 0,7) | 896,00 € | 896,00 € |
| Ausschüttung | – | 600,00 € |
| Vorabpauschale | 896,00 € | 296,00 € |
| Steuerpflichtig nach Teilfreistellung | 627,20 € | 627,20 € |
| Steuer (26,375 %) | 165,42 € | 165,42 € |
Rechenbeispiel: Aktien-ETF, Wertzuwachs einschließlich Ausschüttung im Jahr mindestens 896 Euro, Sparerpauschbetrag bereits durch andere Erträge ausgeschöpft, ohne Kirchensteuer.
Beide Anleger zahlen auf den Cent dieselbe Steuer. Der Anleger mit dem ausschüttenden ETF zahlt einen Teil davon lediglich früher, nämlich mit jeder Ausschüttung im Laufe des Jahres. Der Anleger mit dem thesaurierenden ETF zahlt alles auf einmal: Die Vorabpauschale für 2026 gilt am ersten Werktag des Jahres 2027 als zugeflossen, und die Bank zieht die Steuer dann ein.
Anders sieht es in zwei Fällen aus. In einem Verlustjahr zahlt der Anleger mit dem thesaurierenden ETF nichts, der mit dem ausschüttenden dagegen rund 111 Euro auf seine Ausschüttung. Und auch bei einem niedrigen Basiszins liegt der Thesaurierer vorn. Läge der Basiszins bei 1 Prozent, betrüge der Basisertrag nur 280 Euro. Auf den thesaurierenden ETF fielen dann rund 52 Euro Steuern an, auf die 600 Euro Ausschüttung weiterhin rund 111 Euro, denn eine Ausschüttung wird unabhängig vom Basiszins immer besteuert.
Daraus ergibt sich eine einfache Regel: Solange Sie nicht verkaufen, wird bei einem thesaurierenden ETF in keinem Jahr ein höherer Betrag besteuert als bei der ausschüttenden Anteilsklasse desselben Fonds. Entweder liegen beide gleichauf, oder der Thesaurierer hat einen Vorteil, weil die Ausschüttungen den Basisertrag übersteigen oder der Fonds im Jahr weniger zugelegt hat, als er ausschüttet. Ein echter Vorteil ist das allerdings nur, wenn Ihr Sparerpauschbetrag ohnehin ausgeschöpft ist.
Warum der Steuervorteil des Thesaurierers derzeit kaum zählt
Diesen Vorteil nennen Fachleute Steuerstundungseffekt: Was der Thesaurierer nicht jedes Jahr versteuern muss, bleibt investiert und arbeitet bis zum Verkauf weiter. Wie groß der Effekt ausfällt, hängt davon ab, wie der Basisertrag zur Ausschüttungsrendite steht, bei einem breiten Welt-ETF also fast nur vom Basiszins. Dieser wird jedes Jahr zum Jahresbeginn aus der Rendite langfristiger öffentlicher Anleihen abgeleitet, und er schwankte in den vergangenen Jahren erheblich.
| Jahr | Basiszins | Basisertrag (70 % des Basiszinses) |
|---|---|---|
| 2018 | 0,87 % | 0,61 % |
| 2019 | 0,52 % | 0,36 % |
| 2020 | 0,07 % | 0,05 % |
| 2021 | −0,45 % | keine Vorabpauschale |
| 2022 | −0,05 % | keine Vorabpauschale |
| 2023 | 2,55 % | 1,79 % |
| 2024 | 2,29 % | 1,60 % |
| 2025 | 2,53 % | 1,77 % |
| 2026 | 3,20 % | 2,24 % |
Quelle: Bundesministerium der Finanzen, jährliche Veröffentlichung des Basiszinses.
Von 2018 bis 2022 lag der Basisertrag weit unter der Dividendenrendite eines Welt-ETFs. Wer einen thesaurierenden ETF besaß, zahlte damals so gut wie keine laufenden Steuern, während die Besitzer ausschüttender ETFs ihre vollen Ausschüttungen versteuerten. Aus dieser Zeit stammt der Ruf des Thesaurierers als Steuersparmodell. Bis 2017 kam bei thesaurierenden Fonds mit Sitz im Ausland, zu denen die meisten ETFs gehören, ein lästiger Nachteil hinzu: Anleger mussten die im Fonds verbliebenen Erträge jedes Jahr selbst in der Steuererklärung angeben. Mit der Investmentsteuerreform 2018 ist das entfallen, im deutschen Depot erledigt die Bank alles automatisch. Seit 2023 liegt der Basisertrag in der Nähe der Ausschüttungsrendite breiter Welt-ETFs, 2026 deutlich darüber.
Was das über einen langen Zeitraum ausmacht, zeigt eine Modellrechnung. Ein Anleger legt einmalig 40.000 Euro für 25 Jahre an, einmal in einem thesaurierenden ETF, einmal in einem ausschüttenden, dessen Ausschüttungen nach Steuern sofort und kostenlos wieder investiert werden. Wir haben die Rechnung für verschiedene Basiszinsen durchgespielt.
| Basiszins über die gesamte Laufzeit | Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF | Vorsprung des Thesaurierers |
|---|---|---|---|
| 3,20 % (wie 2026) | rund 141.300 € | rund 141.300 € | keiner |
| 2,50 % (etwa wie 2023 bis 2025) | rund 142.600 € | rund 142.600 € | keiner |
| 1,50 % | rund 144.500 € | rund 143.300 € | rund 1.200 € |
| 0,50 % (etwa wie 2019) | rund 146.400 € | rund 143.300 € | rund 3.100 € |
| 0 % (wie 2021 und 2022) | rund 147.400 € | rund 143.300 € | rund 4.100 € |
Rechenbeispiel: 6 % Wertzuwachs pro Jahr einschließlich Ausschüttungen, nach Fondskosten; Ausschüttungsrendite 1,5 %, Wiederanlage ohne Kosten; Aktien-ETF mit 30 % Teilfreistellung, 26,375 % Steuern, ohne Kirchensteuer; Sparerpauschbetrag durch andere Erträge ausgeschöpft; Steuern während der Laufzeit mindern das angelegte Vermögen; keine Verlustjahre; Endwerte nach Verkauf aller Anteile und Steuern. Ohne Steuern wüchsen die 40.000 Euro auf rund 171.700 Euro.
Bei einem Basiszins wie heute gibt es in unserer Rechnung keinen Unterschied; Verlustjahre, die das Modell ausklammert, verschaffen dem Thesaurierer meist einen kleinen Vorsprung. Selbst wenn der Basiszins 25 Jahre lang auf dem Niveau der Null- und Negativzinsphase verharrte, läge der Vorsprung des Thesaurierers bei knapp 3 Prozent des Endvermögens. Das ist nicht nichts, aber kein Grund, die eigene Geldanlage um die Steuer herum zu planen, zumal niemand weiß, wo der Basiszins in den kommenden Jahren liegen wird.
Als Faustregel gilt: Ist der Basiszins multipliziert mit 0,7 mindestens so hoch wie die Ausschüttungsrendite Ihres ETFs, hat der Thesaurierer in Jahren mit ausreichendem Kursplus keinen Stundungsvorteil. Bei einer Ausschüttungsrendite von 1,5 Prozent ist das ab einem Basiszins von gut 2,1 Prozent der Fall. Bei einem Dividenden-ETF mit 3 Prozent Ausschüttungsrendite läge die Schwelle dagegen bei knapp 4,3 Prozent; dort hat die thesaurierende Variante auch 2026 einen Vorteil.
Das Argument Sparerpauschbetrag
Für ausschüttende ETFs spricht ein anderes Steuerargument, und es ist berechtigt, wenn auch schwächer als oft dargestellt. Der Sparerpauschbetrag verfällt am Jahresende, wenn Sie ihn nicht nutzen. Ein ausschüttender ETF füllt ihn jedes Jahr mit seinen Ausschüttungen, ein thesaurierender nur über die Vorabpauschale, und die war in Jahren mit niedrigem Basiszins kaum der Rede wert. Hat der Anleger in unserer Modellrechnung keine anderen Kapitalerträge, dreht sich das Ergebnis deshalb bei niedrigem Basiszins um. Bei einem Basiszins von null läge der ausschüttende ETF nach 25 Jahren knapp 5.000 Euro vorn, weil seine Ausschüttungen den Freibetrag Jahr für Jahr nutzen, während er beim Thesaurierer ungenutzt verfällt. Bei einem Basiszins wie 2026 bleibt es auch dann beim Gleichstand, weil die Vorabpauschale des Thesaurierers den Freibetrag in gleichem Umfang nutzt.
Wer einen Thesaurierer hält und seinen Freibetrag trotzdem jedes Jahr nutzen möchte, kann gegen Jahresende Anteile mit Gewinn verkaufen und sofort wieder kaufen. Der realisierte Gewinn bleibt steuerfrei, solange er nach Teilfreistellung den Freibetrag nicht übersteigt, bei Aktien-ETFs also bis rund 1.430 Euro, und weil die neuen Anteile höhere Anschaffungskosten haben, fällt beim späteren Verkauf weniger Steuer an. Lohnend ist das allerdings nur, wenn Ordergebühren und Spread gering ausfallen.
Für Sparer mit kleineren Depots ist die Frage ohnehin meist erledigt. Mit dem Basiszins für 2026 deckt der Sparerpauschbetrag die Vorabpauschale bis zu einem Depotwert von rund 63.800 Euro ab, sofern keine anderen Kapitalerträge anfallen; die Rechnung dazu steht im Ratgeber ETF für Anfänger. Diese Schwelle gilt für ausschüttende ETFs genauso, solange ihre Ausschüttungen unter dem Basisertrag bleiben.
Krankenversicherung: Was freiwillig Versicherte beachten sollten
Einen Punkt sollten freiwillig gesetzlich Krankenversicherte kennen, etwa Selbstständige oder Rentner, die nicht in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert sind. Für sie zählen Kapitalerträge zu den beitragspflichtigen Einnahmen, und anders als das Finanzamt zieht die Krankenkasse den Sparerpauschbetrag nicht ab. Solange Ihre Einnahmen unter der Beitragsbemessungsgrenze liegen, erhöht jede Ausschüttung den Beitrag. Bei einem thesaurierenden ETF kommt als laufende Einnahme nur die Vorabpauschale infrage. Gewinne beim Verkauf werden in der Regel ebenfalls berücksichtigt, mit einem Thesaurierer verschieben Sie die Beiträge also eher, als dass Sie sie vermeiden. Wie Ihre Krankenkasse die Vorabpauschale behandelt, sollten Sie dort erfragen, bevor Sie sich aus diesem Grund für eine Variante entscheiden. Pflichtversicherte Arbeitnehmer und Rentner zahlen auf Kapitalerträge keine Beiträge.
Welche Variante zu welchem Anlageziel passt
Wenn Rendite und Steuer die beiden Varianten kaum trennen, entscheidet die Frage, was Sie mit den Erträgen vorhaben.
Langfristiger Vermögensaufbau
Wer über viele Jahre Vermögen aufbauen will, braucht die Erträge nicht auf dem Konto, sondern im Depot. Ein thesaurierender ETF erledigt die Wiederanlage, ohne dass Sie daran denken müssen. Beim ausschüttenden ETF müssen Sie jede Ausschüttung selbst wieder investieren oder eine automatische Wiederanlage einrichten, und wer das aufschiebt, verliert Rendite. Dazu kommt der Vorteil, den der Thesaurierer in Verlustjahren und bei niedrigem Basiszins hat, sofern Sie Ihren Freibetrag ohnehin ausschöpfen. Für einen Sparplan über Jahrzehnte ist die thesaurierende Variante deshalb aus unserer Sicht die naheliegende Wahl. Wie Sie ihn einrichten, zeigt der Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger; wer ganz am Anfang steht, findet die Grundlagen im Ratgeber Investieren für Anfänger.
Regelmäßiges Einkommen im Ruhestand
Für Anleger, die von ihrem Depot leben wollen, wirkt der ausschüttende ETF wie gemacht: Das Geld kommt von allein, und das Vermögen scheint unangetastet zu bleiben. Diese Vorstellung hat zwei Haken.
Der erste ist die Höhe. Bei einer Ausschüttungsrendite von 1,5 Prozent brauchen Sie für 1.000 Euro im Monat ein Depot von rund 800.000 Euro, und davon gehen noch Steuern ab. Wer 400.000 Euro angespart hat, erhält rund 500 Euro im Monat vor Steuern. Für die meisten Ruheständler decken die Ausschüttungen eines Welt-ETFs deshalb allenfalls einen Teil des Bedarfs, den Rest müssen sie ohnehin durch den Verkauf von Anteilen bestreiten. Wie viel Kapital Ihr eigenes Ausschüttungsziel erfordert, zeigt unser Dividenden- und Ausschüttungsrechner.
Der zweite Haken ist die Verlässlichkeit. Ausschüttungen sind nicht garantiert, sie hängen von den Dividenden der Unternehmen ab, und die werden in Krisen gekürzt. Im Corona-Jahr 2020 sanken die Dividenden weltweit um rund 12 Prozent. Das war weit weniger als der Einbruch der Aktienkurse, die im Frühjahr 2020 zeitweise rund ein Drittel verloren, reicht aber, um eine knapp kalkulierte Haushaltsplanung durcheinanderzubringen.
Die Alternative ist ein Entnahmeplan: Sie verkaufen in regelmäßigen Abständen Anteile für einen festen Betrag, den Sie selbst bestimmen. Einige Depotanbieter haben dafür einen automatischen Auszahlplan im Angebot. Ihr Einkommen ist damit planbar, und Sie entscheiden, wie schnell Sie das Vermögen aufbrauchen. Dass dabei Anteile verkauft werden, ist gegenüber einer Ausschüttung kein Nachteil, auch wenn es sich so anfühlt. Wie gezeigt, verringert auch eine Ausschüttung das Fondsvermögen um den ausgezahlten Betrag.
Steuerlich ist der Unterschied gering. Beim Verkauf versteuern Sie nur den Gewinnanteil, gemindert um die bereits angesetzten Vorabpauschalen, bei einer Ausschüttung den gesamten ausgezahlten Betrag, jeweils nach Teilfreistellung. Beachten sollten Sie allerdings das Fifo-Prinzip: Die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft, und das sind nach Jahrzehnten des Sparens meist die mit dem höchsten Gewinnanteil. Zu Beginn der Entnahme verkaufen Sie also überwiegend Gewinn. Wie das Prinzip im Einzelnen wirkt, erklären wir im Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.
Im Ruhestand lohnt außerdem ein Blick auf den eigenen Steuersatz, und das gilt für beide Varianten. Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, können Sie in der Steuererklärung die Günstigerprüfung beantragen; das Finanzamt besteuert Ihre Kapitalerträge dann mit dem niedrigeren Satz und erstattet die Differenz. Der Antrag gilt immer für alle Kapitalerträge eines Jahres. Fällt voraussichtlich überhaupt keine Einkommensteuer an, weil Ihr gesamtes Einkommen einschließlich der Kapitalerträge unter dem Grundfreibetrag bleibt, der 2026 bei 12.348 Euro liegt, können Sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Mit ihr behält die Bank keine Steuer ein.
Unser Rat: Haben Sie über Jahre einen thesaurierenden ETF angespart, behalten Sie ihn und entnehmen Sie das Geld über einen Auszahlplan. Ein Umstieg auf die ausschüttende Variante kostet Steuern und bringt Ihnen kein zusätzliches Einkommen. Wer neues Geld für den Ruhestand anlegt und regelmäßige Zahlungen als festen Baustein seiner Planung schätzt, kann zur ausschüttenden Variante greifen, sollte aber einkalkulieren, dass die Beträge schwanken.
Wenn sichtbare Erträge motivieren
Ein Argument für ausschüttende ETFs taucht in keiner Renditetabelle auf. Manche Anleger bleiben in schwachen Börsenphasen gelassener, wenn sie sehen, dass ihr Depot weiterhin Geld abwirft. Wer sich kennt und weiß, dass eine regelmäßige Gutschrift ihn bei der Stange hält, hat einen legitimen Grund für die ausschüttende Variante. Am meisten Rendite kostet es Anleger erfahrungsgemäß, in einem Kurseinbruch zu verkaufen, und was davor schützt, ist sein Geld wert. Während der Ansparphase sollten Sie die Ausschüttungen dann aber konsequent wieder anlegen.
Beide Varianten kombinieren
Festlegen müssen Sie sich nicht für alle Zeit. Weil beide Varianten in dieselben Aktien investieren, lassen sie sich problemlos kombinieren, ohne dass sich an der Streuung etwas ändert. Sinnvoll ist das zum Beispiel, wenn Sie den Sparerpauschbetrag in Jahren mit niedrigem Basiszins gezielt mit Ausschüttungen füllen und den Rest thesaurierend sparen wollen. Oder wenn Sie einige Jahre vor dem Ruhestand neue Sparraten in die ausschüttende Variante lenken, ohne den angesparten Bestand anzutasten. Auch beim Rebalancing helfen Ausschüttungen: Sie lassen sich in den Teil des Depots stecken, der hinter seinem Zielanteil zurückgeblieben ist, ohne dass Sie dafür etwas verkaufen müssen.
| Ihr Ziel | Unsere Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Vermögensaufbau über viele Jahre, etwa per Sparplan | thesaurierend | Wiederanlage automatisch und ohne Kosten; bei ausgeschöpftem Freibetrag laufend nie höher besteuert |
| Der Sparerpauschbetrag bleibt sonst ungenutzt | ausschüttend oder Kombination | Ausschüttungen füllen den Freibetrag jedes Jahr, ein Vorteil vor allem bei niedrigem Basiszins |
| Einkommen im Ruhestand aus einem angesparten Depot | Bestand behalten, Auszahlplan einrichten | planbares Einkommen, keine Steuern durch Umschichten |
| Einkommen im Ruhestand aus neuem Geld | beide Varianten möglich | Ausschüttungen sind bequem, schwanken aber und reichen selten allein |
| Sichtbare Erträge helfen Ihnen, investiert zu bleiben | ausschüttend, mit konsequenter Wiederanlage | Durchhalten bringt mehr als jeder kleine Steuereffekt |
Ausschüttender ETF ist nicht gleich Dividenden-ETF
Wer regelmäßige Ausschüttungen sucht, landet schnell bei Dividenden-ETFs. Die beiden Begriffe meinen aber Verschiedenes. Ob ein ETF ausschüttet oder thesauriert, betrifft nur den Umgang mit den Erträgen. Ein Dividenden-ETF bildet dagegen einen eigenen Index ab, der gezielt Aktien mit hoher Dividendenrendite auswählt. Es gibt ihn ausschüttend und thesaurierend. Umgekehrt schüttet auch ein gewöhnlicher Welt-ETF aus, wenn Sie die entsprechende Anteilsklasse wählen.
Die höhere Ausschüttung hat ihren Preis. Ein Dividendenindex enthält nur einen Teil des Marktes und ist deshalb weniger breit gestreut als ein Welt-Index; welche Branchen und Länder er stärker gewichtet, hängt von seinen Auswahlregeln ab. Der FTSE All-World High Dividend Yield kam Ende August 2026 auf eine Dividendenrendite von 3,00 Prozent, der FTSE All-World auf 1,57 Prozent. Eine höhere Rendite folgt daraus nicht, denn auch beim Dividenden-ETF sinkt der Kurs am Ex-Tag um den ausgezahlten Betrag. Mit der höheren Ausschüttung wächst lediglich der Teil der Erträge, der sofort versteuert wird. Für den Kern eines Depots halten wir einen breiten Welt-ETF deshalb für die bessere Wahl. Wer laufende Erträge möchte, bekommt sie auch mit dessen ausschüttender Anteilsklasse, wenn auch in geringerer Höhe.
Von ausschüttend auf thesaurierend wechseln: Lohnt sich das?
Viele Anleger merken erst nach dem Kauf, dass sie die andere Variante erwischt haben, oder ihre Pläne ändern sich. Einen steuerfreien Tausch zwischen den Anteilsklassen gibt es nicht. Wer wechseln will, muss seine Anteile verkaufen und die neuen kaufen, und der Verkauf löst Steuern auf den bisherigen Gewinn aus.
Ein Beispiel: Ein Anleger hat 20.000 Euro in einen ausschüttenden Welt-ETF eingezahlt, der inzwischen 25.000 Euro wert ist. Verkauft er, sind von den 5.000 Euro Gewinn nach Teilfreistellung 3.500 Euro steuerpflichtig. Ist sein Sparerpauschbetrag noch frei, zahlt er rund 660 Euro Steuern, sonst rund 920 Euro, dazu kommen Ordergebühren und Spread für Verkauf und Neukauf. Die in den Vorjahren angesetzten Vorabpauschalen werden vom Gewinn abgezogen, die Steuer fällt in der Praxis also etwas niedriger aus.
Was er dafür bekommt, ist bei einem Basiszins wie 2026 vor allem Bequemlichkeit, denn einen Steuervorteil hat der Thesaurierer derzeit nicht. Die Steuer wäre zwar beim späteren Verkauf ohnehin fällig geworden. Durch den Wechsel zahlt er sie aber früher, und das Geld fehlt ihm über Jahre im Depot. Wir raten deshalb fast immer davon ab, einen bestehenden Bestand nur wegen der Ertragsverwendung umzuschichten. Anders ist es, wenn der ETF im Minus liegt: Dann kostet der Wechsel keine Steuern, und die Bank verrechnet den Verlust, bei Aktien-ETFs wegen der Teilfreistellung zu 70 Prozent, mit anderen Kapitalerträgen oder trägt ihn ins nächste Jahr vor.
Der einfachere Weg kostet nichts. Lassen Sie den vorhandenen Bestand liegen und richten Sie den Sparplan für künftige Raten auf die gewünschte Variante ein. Die Ausschüttungen des alten ETFs können Sie automatisch wieder anlegen lassen oder in den neuen Sparplan lenken. Wollen Sie doch umschichten, verteilen Sie größere Gewinne auf mehrere Kalenderjahre, um den Sparerpauschbetrag mehrmals zu nutzen. Und wer nur das Depot wechseln möchte, nimmt seine Anteile per Depotübertrag mit, ohne dass dabei Steuern anfallen.
Unser Fazit
Die Wahl zwischen ausschüttend und thesaurierend ist weniger folgenreich, als ihr Ruf vermuten lässt. Vor Steuern bringen beide Varianten dieselbe Rendite, und bei einem Basiszins wie 2026 werden sie in guten Börsenjahren auch gleich besteuert. Den Steuervorteil, mit dem der Thesaurierer jahrelang beworben wurde, gibt es nur bei niedrigem Basiszins, und selbst dann macht er in unserer Rechnung nach 25 Jahren weniger als 3 Prozent des Endvermögens aus.
Für den Vermögensaufbau empfehlen wir trotzdem klar die thesaurierende Variante, weil sie Ihnen die Wiederanlage abnimmt, die man beim Ausschütter leicht aufschiebt, und bei der laufenden Steuer in keinem Jahr schlechter dasteht, solange Ihr Freibetrag ohnehin ausgeschöpft ist. Ausschüttende ETFs haben ihren Platz, wenn Sie die Erträge laufend ausgeben wollen und mit schwankenden Beträgen leben können, oder wenn Ihnen die regelmäßige Gutschrift hilft, in schwachen Börsenjahren nicht zu verkaufen. Bei niedrigem Basiszins kommt der Freibetrag als Argument hinzu. Wer im Ruhestand ein planbares Einkommen sucht, ist mit einem Auszahlplan aus einem thesaurierenden ETF in der Regel besser bedient als mit Ausschüttungen, die schwanken und für die meisten Depots zu niedrig ausfallen.
Unsere Empfehlung: Sparen Sie per Sparplan in einen thesaurierenden ETF auf einen breiten Welt-Index. Halten Sie bereits einen ausschüttenden ETF, verkaufen Sie ihn nicht, sondern lenken Sie die künftigen Raten um und legen Sie die Ausschüttungen wieder an. Welche Depots kostenlose ETF-Sparpläne anbieten, zeigt unser Broker-Vergleich.
Häufige Fragen
Was bedeutet thesaurierend?
Thesaurierend bedeutet, dass ein Fonds seine Erträge nicht auszahlt, sondern im Fondsvermögen behält und wieder anlegt. Bei einem Aktien-ETF sind das vor allem die Dividenden der enthaltenen Unternehmen. Der Wert Ihrer Anteile steigt dadurch, ihre Zahl bleibt gleich. Das Gegenteil ist ein ausschüttender Fonds, der die Erträge regelmäßig auf Ihr Verrechnungskonto überweist.
Was ist steuerlich besser, thesaurierend oder ausschüttend?
Bei einem breiten Welt-ETF macht es 2026 keinen Unterschied, sofern der Fonds im Jahr einschließlich Ausschüttung um mindestens 2,24 Prozent zulegt. Beide Varianten werden dann auf 2,24 Prozent des Anteilwerts zu Jahresbeginn besteuert, der Ausschütter über seine Ausschüttung und eine Vorabpauschale auf die Differenz. Einen Vorteil hat der Thesaurierer in Verlustjahren und bei niedrigem Basiszins. Bleibt Ihr Sparerpauschbetrag sonst ungenutzt, kann bei niedrigem Basiszins dagegen der Ausschütter vorne liegen, weil seine Ausschüttungen den Freibetrag jedes Jahr füllen.
Werden thesaurierende ETFs versteuert?
Ja – auch wenn ein thesaurierender ETF nichts auszahlt, wird jedes Jahr die Vorabpauschale versteuert, sofern der Basiszins positiv und der Fonds im Wert gestiegen ist. Reicht Ihr Sparerpauschbetrag nicht aus, zieht die Bank die Steuer Anfang Januar für das Vorjahr vom Verrechnungskonto ein. Beim Verkauf werden alle bereits angesetzten Vorabpauschalen vom Gewinn abgezogen, sodass Sie nichts doppelt versteuern.
Wie oft thesauriert ein ETF im Jahr?
Für Sie als Anleger gibt es keinen Termin, auf den Sie achten müssten. Die Dividenden fließen dem Fondsvermögen zu, wenn die Unternehmen sie zahlen, und stecken von da an im Anteilwert. Eine Buchung im Depot sehen Sie davon nicht. Ausschüttende ETFs zahlen dagegen zu festen Terminen aus, je nach Fonds jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich, einige auch monatlich.
Was bedeuten Acc und Dist bei ETFs?
Acc steht für accumulating, also thesaurierend, Dist für distributing, also ausschüttend. Manche Fondsgesellschaften verwenden stattdessen C und D oder 1C und 1D. Fehlt ein solches Kürzel im Namen, finden Sie die Ertragsverwendung im Factsheet und im Basisinformationsblatt des Fonds.
Wann lohnen sich ausschüttende ETFs?
Ausschüttende ETFs lohnen sich vor allem, wenn Sie die Erträge regelmäßig ausgeben wollen, wenn Ihr Sparerpauschbetrag bei niedrigem Basiszins sonst ungenutzt bliebe oder wenn sichtbare Gutschriften Ihnen helfen, investiert zu bleiben. Für den reinen Vermögensaufbau bringen sie bei einem Basiszins wie 2026 keinen Vorteil, verursachen aber Aufwand, weil Sie die Ausschüttungen selbst wieder anlegen müssen.
Welche ETFs schütten monatlich 1.000 Euro aus?
Das hängt weniger vom ETF ab als von der Größe Ihres Depots. Ein breiter Welt-ETF schüttet derzeit rund 1,5 Prozent im Jahr aus, für 12.000 Euro jährlich vor Steuern brauchen Sie damit rund 800.000 Euro. ETFs mit deutlich höheren Ausschüttungen kommen mit weniger Kapital aus, sind dafür aber meist weniger breit gestreut, und eine hohe Ausschüttung macht ihre Gesamtrendite nicht höher. Monatlich schütten nur wenige ETFs aus; mit mehreren Fonds, deren Termine sich ergänzen, lässt sich ein ähnlicher Rhythmus erreichen.
Kann man thesaurierende und ausschüttende ETFs kombinieren?
Ja, und das ist unproblematisch. Sinnvoll ist eine Kombination etwa, wenn Sie den Sparerpauschbetrag in Jahren mit niedrigem Basiszins mit Ausschüttungen füllen und den Rest thesaurierend anlegen wollen, oder wenn Sie vor dem Ruhestand neue Raten in die ausschüttende Variante lenken. Breiter gestreut sind Sie dadurch allerdings nicht: Zwei Anteilsklassen desselben Fonds sind wirtschaftlich dieselbe Anlage.
Hinweis: Geldentscheid finanziert sich unter anderem über Provisionen von Anbietern, die auf unseren Vergleichsseiten aufgeführt sind. Auf die Einschätzungen in diesem Ratgeber hat das keinen Einfluss.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Basiszins für die Vorabpauschale wird jedes Jahr neu festgelegt. Steuerwerte: Stand 2026; Indexdaten: Stand 31.08.2026; alle übrigen Zahlen: Stand Oktober 2026.